EM2016

Die wichtigsten Fragen und Antworten zu GERSVK

Jerome Boateng ist fit, also kann der Bundestrainer anderswo rotieren lassen. Nicht nur Bastian Schweinsteiger bietet sich an.

Kandidaten für das Spiel gegen die Slowakei: Bastian Schweinsteiger (r.) und Leroy Sané hoffen auf ihren Einsatz

Kandidaten für das Spiel gegen die Slowakei: Bastian Schweinsteiger (r.) und Leroy Sané hoffen auf ihren Einsatz

Foto: Alexander Hassenstein / Getty Images

Lille.  Manchmal dauert ein Wechselbad der Gefühle nicht einmal 25 Minuten. So geschehen am Sonnabend beim Abschlusstraining zwischen 11.01 Uhr und 11.26 Uhr. Erst allenthalben großes Entsetzen („Boateng wird behandelt“), dann Entwarnung („Boateng läuft sich warm“) und schließlich Entspannung („Boateng ist im A-Team“).

Die Berichterstatter hatten gut zu tun, das Bulletin über den Gesundheitszustand des Münchners, dessen Wade zuletzt ja zwickte, zu aktualisieren. Ein überregionales Sportmagazin bot sogar einen Liveticker zur „Wade der Nation“ an.

Wenig später saß Jerome Boateng tatsächlich mit den 22 Kollegen im Flieger von Annecy nach Lille, wo die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im EM-Achtelfinale auf die Slowakei trifft (18 Uhr, ZDF). Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zum Spiel.

Kann Boateng spielen?
Eindeutig ja. „Er spielt, er hat das Abschlusstraining ohne Probleme mitgemacht“, bestätigte Bundestrainer Joachim Löw. Nach DFB-Angaben hatte Boateng nach dem Spiel gegen Nordirland an einer „neurogenen Verhärtung in der rechten Wade“ gelitten, die allerdings bereits seit Tagen rückläufig gewesen sei. Würde ein minimales Restrisiko bestehen, stünden Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi als Ersatz bereit. Dem nachnominierten Jonathan Tah, der am Freitag von einem Medienvertreter als Jerome angesprochen wurde, bleibt lediglich die Rolle als Ersatz vom Ersatz vom Ersatz.

Setzt Löw erstmals von Anfang an auf Schweinsteiger?
Zwar hatte Löw-Assistent Thomas Schneider betont, dass Sami Khedira die meisten Kilometer in der Vorrunde gelaufen sei und eine Pause gebrauchen könne, allerdings stand Kapitän Bastian Schweinsteiger beim Abschlusstraining in Évian-les-Bains nur im B-Team. Bislang durfte der Wahl-Engländer, dessen linkes Knie auch gestern noch getaped werden muuste, bei dieser Europameisterschaft nur 22 Minuten spielen.


Plant Löw eine Überraschung?
Möglich. Obwohl die Vorrunde vorbei ist und eine Niederlage das Aus bedeuten würde, bietet sich das Achtelfinale mit der Slowakei als Gegner als letzte Möglichkeit an, ein kalkuliertes Risiko bei der Wahl der Startelf einzugehen. In der Nationalmannschaft hat dieses „kalkulierte Risiko“ auch einen Namen: Leroy Sané. Neue Nahrung erhielt diese Risikorechnung durch die Tatsache, dass der Schalker beim Abschlusstraining das orangefarbene Leibchen der A-Elf erhielt. Allerdings ist in dieser Hinsicht Vorsicht geboten: Löw neigt dazu, selbst im Abschlusstraining noch mal Dinge auszuprobieren. Vor dem EM-Start gegen die Ukraine hatte beispielsweise auch Mesut Özil kein A-Elf-Leibchen erhalten, obwohl sein Platz in der Startelf nie infrage gestellt war.


Was ist noch Thema im Team?
Selbstverständlich ist der Brexit auch im DFB-Team ein Thema. „Ich bin natürlich auch enttäuscht über diese Scheidung“, sagte Löw. „Was für Auswirkungen das hat – wirtschaftlich und politisch – kann man schwer absehen.“ Darüber hinaus darf sich Deutschlands Fußballelite über einen neuen Rasen im Stade Pierre-Mauroy freuen. „Schlechter hätte der Rasen ja auch nicht mehr werden können“, hatte unter der Woche Co-Trainer Marcus Sorg gemäkelt. Nun bekommt der Weltmeister sein gefordertes neues Grün. Dieses stammt übrigens aus Holland, wodurch auch die Niederlande zumindest ein bisschen bei dieser EM dabei sind.