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Hertha-Spieler Peter Pekarik: „Wir haben keine Angst“

Peter Pekarik spricht vor dem Duell gegen Deutschland über die EM-Begeisterung, Wechselangebote aus England und Anrufe aus Berlin.

Herthas Verteidiger Peter Pekarik bestreitet gegen Deutschland sein 71. Länderspiel für die Slowakei

Herthas Verteidiger Peter Pekarik bestreitet gegen Deutschland sein 71. Länderspiel für die Slowakei

Foto: Uwe Anspach / dpa

Lille.  Dieses Gefühl, wenn der Knochen bricht, das Blut aus der Nase schießt und es im Mund rostig schmeckt, kennt Peter Pekarik mittlerweile ziemlich gut. Der 29 Jahre alte Rechtsverteidiger von Hertha BSC brach sich beim letzten EM-Vorrundenspiel mit der Slowakei gegen England (0:0) am Mittwoch zum zweiten Mal in seiner Karriere die Nase.

Unangenehme Sache, sagt der 70-malige Nationalspieler. Aber keine, die ihn davon abhalten würde, nun im Achtelfinale gegen Deutschland an diesem Sonntag in Lille (18 Uhr, ZDF) auf dem Platz zu stehen.

Ein Weiterkommen gegen den Weltmeister wäre der größte Erfolg der Verbandsgeschichte. Für unmöglich hält Pekarik das nicht: Beim 3:1-Testspielsieg gegen die DFB-Auswahl Ende Mai stand er auf dem Platz. Vor dem EM-Achtelfinale spricht der letzte verbliebene Herthaner im Turnier über das slowakische Motto „Kämpfen bis aufs Blut“, Kabinenbesuche vom Präsidenten und ein Interesse an ihm aus England.

Herr Pekarik, wie geht es denn der lädierten Nase? Können Sie gegen Deutschland spielen?

Peter Pekarik: Ja, ich kann spielen. Mit der Nase ist es schon viel besser. Im Training ging es gut, deshalb kann ich gegen Deutschland spielen.

Beim 0:0 gegen England haben Sie nach dem Nasenbeinbruch trotzdem 70 Minuten lang damit weitergespielt.

Als die Nase brach, hatte ich schon starke Schmerzen und Probleme beim Atmen. Aber ich wollte meine Mannschaft nicht im Stich lassen und dieses wichtige Spiel für uns zu Ende spielen. Das Wichtigste nach der Verletzung war, dass der Arzt die Blutung stoppen konnte. Meine erste gebrochene Nase bei Hertha im März vor einem Jahr war schlimmer. Gegen Deutschland spiele ich jetzt mit einer speziellen Maske.

„Hinten sperren wir die Tür zu“

Ihr Nationaltrainer Jan Kozak hat nach dem Spiel gegen England mit Anspielung auf Sie gesagt, die Slowakei hätte bis aufs Blut gekämpft. Ist das auch das Motto gegen den Weltmeister?

Gegen so große und starke Mannschaften wie Deutschland haben wir nur eine einzige Chance: Wir müssen wieder so kompakt in der Defensive stehen. Hinten sperren wir die Tür zu. Und nach vorn müssen wir uns ein paar gefährliche ­Sachen ausdenken. Am wichtigsten ist, dass wir mutig sind.

Im Testspiel Ende Mai haben Sie mit Ihrer Mannschaft Deutschland 3:1 geschlagen. Was bedeutet das für das Achtelfinale?

Es ist jetzt ein völlig anderes Spiel. Damals war es ein Freundschaftsspiel, jetzt geht es um den Einzug ins Viertelfinale bei einer EM. Aber Fakt ist auch: Für unser Selbstbewusstsein war es ein sehr wichtiger Sieg. Er macht uns Mut.

In Deutschland reden viele schon von einem Viertelfinale gegen Spanien oder Italien. Sollte man die Slowakei besser nicht unterschätzen?

Deutschland ist der klare Favorit. Da brauchen wir nicht drum herum zu reden. Deutschland ist Weltmeister – und auch jetzt wieder der große Favorit auf den EM-Titel. Aber ehrlich gesagt ist es uns egal, was geredet wird. Wir haben ­Respekt – aber keine Angst.

Die Slowakei ist ein kleines Land mit 5,8 Millionen Einwohnern. Wo steht der slowakische Fußball im Vergleich zum deutschen?

Für unser kleines Land ist es schon ein Traum, überhaupt das EM-Achtelfinale erreicht zu haben. Das zeigen die Größenverhältnisse. Das Achtelfinale war das Ziel vor dem Turnier, wir haben es erreicht. Wir versuchen jetzt, die nächste große Sensation zu ­schaffen.

„In der Slowakei gibt es momentan ein großes EM-Fieber“

Was würde ein Weiterkommen gegen den Weltmeister für die Slowakei bedeuten?

Ein Sieg gegen Deutschland wäre ein Wunder für die ganze Slowakei. Nicht ausdenken, was dann im Land los wäre.

Vor dem Turnier haben viele Experten in der Slowakei geglaubt, dass Sie die Vorrunde nicht überstehen werden. Jetzt haben Sie es bei Ihrer ersten EM überhaupt geschafft. Wie ist die Stimmung zu Hause?

In der Slowakei gibt es momentan ein großes EM-Fieber. Wissen Sie, eigentlich ist Eishockey der Volkssport Nummer eins. Aber jetzt sind alle ganz begeistert vom Fußball. Unsere Fans sind es, die uns nach vorn treiben. Nur dank ihrer fantastischen Unterstützung haben wir es überhaupt so weit geschafft.

In Deutschland kommt in solchen Fällen gern mal die Kanzlerin zu Besuch. Wie ist das bei Ihnen?

Der slowakische Präsident Andrej Kiska war persönlich nach dem Spiel gegen England in unserer Kabine. Er war sehr stolz und glücklich, und er hat uns ­gesagt, dass wir einen riesigen Erfolg für die Slowakei geschafft haben.

Gegen England haben Sie trotz gebrochener Nase ein sehr gutes Spiel gemacht und gute Noten bekommen. Es heißt, der englische Meister Leicester City sei interessiert an ­Ihnen. Könnten Sie sich einen Wechsel nach England vorstellen?

Ich bin bei Hertha und in Deutschland sehr glücklich und zufrieden. Das sage ich auch nicht nur so dahin. Natürlich ist die Premier League für mich persönlich aber auch die beste Liga in der Welt, und das wäre bestimmt eine große Herausforderung, irgendwann dort zu spielen.

Sie sind nach dem Ausscheiden der Tschechen mit Vladimir Darida der letzte verbliebene Profi von Hertha BSC bei der Europameisterschaft. Gab es von Hertha-Kollegen schon Glückwünsche oder ­Kontakte während der EM?

Ja, ich habe sehr viele SMS und Anrufe nach dem Einzug ins Achtelfinale bekommen. Mannschaftskollegen aus Berlin und Leute aus dem Physiotherapeuten-Team von Hertha haben sich gemeldet – auch Manager Michael Preetz hat mich beglückwünscht. Das fand ich toll. ­Sollte es nun noch eine weitere Überraschung durch uns geben, würden ­bestimmt wieder viele Glückwünsche kommen.