EM 2016

Als Gianluigi Buffon 20 Millionen Euro verbrannte

Der Italiener hat im Tor mehr Erfolg als im Geschäftsleben. Hier spielt unter anderem ein gefälschtes Abiturzeugnis eine Rolle.

Gianluigi Buffon (r.) albert mit Teamkollege Leonardo Bonucci

Gianluigi Buffon (r.) albert mit Teamkollege Leonardo Bonucci

Foto: Daniel Dal Zennaro / dpa

Paris.  Also, beim Turmspringen hätte es die Traumnote 10 gegeben, feixten die Tifosi. Als sich Gianluigi Buffon zum Feiern des 2:0-Erfolges über Belgien an der Latte hangeln wollte, rutschte er ab und krachte auf den Rücken.

Italiens Capitano vermied erfreulicherweise dabei den Einstieg ins Klassement der kuriosesten Verletzungen aller Zeiten. Was diese Kapriole sollte, forschte Ilaria D‘Amico von Sky nach. Buffon grinste. „Ein Schuss gesunder Wahnsinn, den man auch mit 38 mal braucht“, sagte er.

Die aparte Studiomoderatorin kennt das sicher, beide sind seit Längerem ein Paar. Anfangs hielt D’Amico die Liaison für unmöglich: „Ich dachte eigentlich, er sei vollkommen unreif und Faschist.“

Ärger mit faschistischem T-Shirt

Dem vorbildlichen „Superman“, der am Montag im EM-Achtelfinale von Italien gegen Spanien wieder im Tor stehen wird, gelingt eben nicht immer alles einwandfrei. Ende der 1990er hatte der damalige Parma-Keeper ein Shirt mit dem faschistischen Schlachtruf „Ein Henker, wer aufgibt“ hochgehalten, eine Episode, die ihn bis heute verfolgt.

„Ich kannte die wirkliche Bedeutung nicht, sondern hatte den Spruch auf meinem Schultisch gelesen“, sagt Buffon. Die Schule war ohnehin nicht sein Ding, so legte er zur Einschreibung an der Universität ein gefälschtes Abiturzeugnis vor und wurde zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verdonnert.

Durch private Investitionen seiner Familien-Gesellschaft „Buffon & Co.“ verlor er in den vergangenen Jahren sehr viel Geld. Ob naiv oder schlecht beraten, das sei dahingestellt. 2012 erwarb er das komplette Aktienpaket des Drittligisten seiner toskanischen Heimatstadt Carrara und trat drei Jahre darauf entnervt 70 Prozent an einen römischen Unternehmer ab. Mittlerweile hat ein Gericht den Klub für insolvent erklärt.

Der Einstieg in das Textilunternehmen Zucchi geriet ebenfalls zum Eigentor für den viermaligen Welttorhüter. Seit 2009 verbrannte Buffon über 20 Millionen Euro. „Die Textilindustrie ist ein Stück italienischer Wirtschaftsgeschichte, ich glaubte an den Aufschwung der Firma“, sagte Buffon: „Ich konnte die über 1000 Mitarbeiter nicht mittellos auf der Straße lassen.“ Mittlerweile verkaufte Buffon an eine französische Gruppe und ­verblieb als Kleinaktionär.

160. Länderspiel gegen Spanien im Achtelfinale

Wenn schon nicht auf kaufmännische Künste, dürfen sich Familie und Italien zumindest auf einen Garanten beim Torhüten verlassen. Bereits während der Saison stellte der Juventus-Keeper den Serie-A-Rekord von 974 gegentorlosen Minuten auf. Vor seinem 160. Einsatz für die Azzurri gegen Spanien liegt der Rekordnationalspieler bei vier Partien ohne Gegentreffer. Italiens Überfigur zwischen den Pfosten, Dino Zoff, nennt Buffon weiterhin liebevoll „den Großartigsten meiner Torwart-Enkel“.

„Wir wurden mit Beerdigungsmusik nach Frankreich geschickt, da jeder dachte, wir sind schnurstracks wieder zu Hause. Das hat unsere Truppe zusammengeschweißt, wir haben alle überrascht. Ich sehe Parallelen zu 2006“, sinnierte der Capitano. Bei seiner Karriere-Krönung in Deutschland (im Finale gewann Italien gegen Frankreich 5:3 i.E.) wurde er zum besten Torwart des Turniers gekürt. Nun soll der „Heilige Gigi“ auch gegen Spanien, Europameister von 2008 und 2012, Wundersames bewirken.

„Auf ihn ist Verlass, mit seiner Präsenz und Klasse ist Gigi der Beste aller Zeiten“, sagt ­Nationalcoach Antonio Conte. Deshalb soll die Pension noch bis nach dem ­WM-Turnier 2018 in Russland warten. Es wäre Buffons sechste WM-Teilnahme, natürlich wieder ein Rekord für den ewigen Gigi.