EM 2016

Der wundersame Aufstieg eines Bremers zum EM-Star

Bei den Ungarn sorgt ein deutsches Trainergespann für Wohlfühlatmosphäre. Davon profitieren diverse Bundesligaspieler. Einer besonders.

In Bremen kaum wahrgenommen, bei der EM ein Star: Laszlo Kleinheisler

In Bremen kaum wahrgenommen, bei der EM ein Star: Laszlo Kleinheisler

Foto: Guillaume Horcajuelo / dpa

Toulouse.  Gareth Bale schießt vorne die Tore, Mats Hummels hält hinten den Laden zusammen, und Laszlo Kleinheisler wirbelt an der Seite von Luka Modric im Mittelfeld. Laszlo wer? Der ungarische Jungprofi von Werder Bremen, vor der EM nur Fußball-Insidern ein Begriff, wurde von der französischen Sportzeitung „L‘Equipe“ in die beste Elf der Vorrunde gewählt. „Es ist eine große Ehre, in dieser Auswahl zu stehen“, sagte Kleinheisler vor dem Achtelfinale gegen Belgien am Sonntag, „ich hoffe, dass noch weitere Auszeichnungen dazukommen werden“.

Der Rotschopf ist einer von vier aktuellen oder ehemaligen Bundesliga-Profis im Team der Ungarn, das zusammen mit dem deutschen Trainer-Trio um Chefcoach Bernd Storck sinnbildlich für den ungarischen Höhenflug in Frankreich steht. Die Renaissance der früheren Fußball-Großmacht trägt das Siegel „Made in Germany“.

Autor des Märchens ist zweifelsohne der frühere Bundesliga-Profi Bernd Storck. Herthas ehemaliger Assistenzcoach aus Herne lässt die Ungarn exakt 50 Jahre nach dem Ende der legendären Ära des genialen Ferenc Puskás vom ersten Viertelfinale bei einem großen Turnier seit der WM 1966 träumen.

„Er gibt uns positive Energie“

Zusammen mit seinem Assistenten Andreas Möller und Torwart-Trainer Holger Gehrke hat Storck, der seit einem Jahr als Nachfolger von Pal Dardai die Geschicke des zweimaligen Vize-Weltmeisters (1938 und 1954) bestimmt, für seine Spieler eine Wohlfühloase geschaffen. „Er spricht viel mit den Spielern und gibt uns positive Energie“, sagte Kleinheisler, der im ersten Vorrundenspiel gegen Österreich (2:0) als Strippenzieher im Mittelfeld hervorstach und zum „Man of the Match“ gewählt wurde.

Doch auch die übrigen Deutschland-Legionäre blühen auf. So glänzten Hannovers Sturm-Flop Adam Szalai und HSV-Leihgabe Zoltan Stieber (6 Zweitliga-Einsätze für Nürnberg) mit ihren Toren gegen Österreich und gehören zu den wichtigen Stützen der Ungarn.

„Die Jungs dürfen auch mal Fehler machen“

„Man muss diesen Spielern Vertrauen schenken, auch wenn ein Länderspiel mal nicht so läuft oder es im Training nicht so gut klappt“, sagte der ehemalige Welt- und Europameister Möller: „Die Jungs dürfen auch mal einen Fehler machen. Ihnen wird nicht gleich der Kopf abgerissen.“ Die Spieler bekämen im Nationalteam die nötige Unterstützung und Hilfe: „Das spüren sie und geben uns Leistung zurück.“

Doch bei allem Lob: Der Teamgedanke steht bei den Ungarn über allem. „Der Erfolg des einzelnen Spielers geht nur über den Erfolg der ganzen Mannschaft“, sagte Möller. So rechnen sich die Ungarn auch gegen die favorisierten Belgier Chancen aus.

Bernd Storck hatte gegen Portugal gelb-belastete Profis geschont – die nun ausgeruht an die nächste große Herausforderung herangehen können. Eines macht ihm besonders Hoffnung: „Je mehr wir bei der EM gespielt haben, desto besser wurden wir“, sagte Storck.