EM 2016

Robert Lewandowski verliert den Glauben

Der schwächelnde Torjäger erklärt die Eidgenossen um den überragenden Granit Xhaka zum Favoriten im Achtelfinalduell.

An ihm lief die EM bislang vorbei: Robert Lewandowski

An ihm lief die EM bislang vorbei: Robert Lewandowski

Foto: Tolga Bozoglu / dpa

St. Etienne.  Stolz posiert Anna Lewandowska hinter einem riesigen Strauß roter Rosen. Ihr Ehemann Robert Lewandowski hat ihr das üppige Bouquet zum dritten Hochzeitstag geschenkt. Während sich seine Partnerin ihren mehr als 760.000 Followern bei Instagram bestens gelaunt präsentiert, wirkt der polnische Star-Stürmer nachdenklicher als gewohnt. Seine Torflaute bei der EM beschäftigt ihn – besonders vor dem Achtelfinale gegen die Schweiz am Sonnabend (15 Uhr, ZDF).

Zweifel an Lewandowski lässt Nationaltrainer Adam Nawalka aber trotzdem nicht aufkommen. „Dass er bisher noch kein Tor geschossen hat, ist weder für mich noch die Mannschaft ein Problem“, sagte der 58-Jährige: „Ich denke, er wird im nächsten Spiel treffen.“

Bislang war vom 27-Jährigen nur wenig zu sehen, dabei waren vom Bundesliga-Torschützenkönig Treffer am Fließband erwartet worden. „Er leistet viel fantastische Arbeit und hatte bei unseren Siegen großen Einfluss. Er ist die Lokomotive unserer Mannschaft“, sagte Nawalka.

50 Tore in 59 Pflichtspielen

Doch auch, wenn Lewandowski „den persönlichen Erfolg für die Mannschaft opfert“ (Nawalka), hofft ein ganzes Land, dass der Knoten beim Kapitän der Polen endlich platzt. Denn ohne seine Treffer könnte es in Frankreich schnell vorbei sein. „Er ist die beste Nummer neun der Welt“, sagte Nawalka nicht umsonst. Das muss der gebürtige Warschauer, der in der abgelaufenen Saison insgesamt 50 Tore in 59 Pflichtspielen erzielte, nun auch auf der EM-Bühne beweisen.

Druck erlegt er sich selbst keinen auf. „Die Schweizer sind eines der besten Teams Europas, sie sind die Favoriten“, sagte Lewandowski. Die Statistik spricht bei vier Siegen, fünf Unentschieden und nur einer Niederlage jedoch für die Polen. Der einzige Schweizer Sieg liegt 40 Jahre zurück.

Dennoch teilt der einstige Nationalcoach Ottmar Hitzfeld die Einschätzung Lewandowskis: „Polen hat in der Offensive vielleicht etwas mehr Durchschlagskraft, aber die Abwehr und die defensive Organisation der Schweiz sind stärker. Die Chancen auf ein Weiterkommen sehe ich bei 55 Prozent.“

Lobeshymnen für Xhaka

Hoffnungsträger der Schweizer ist Granit Xhaka. Die Lobeshymnen auf den Noch-Gladbacher, der ab Juli in Diensten des FC Arsenal steht, fallen ungewöhnlich laut aus. Mit nur 23 Jahren ist der Mittelfeldspieler wichtigster Mann.

„Granit Xhaka ist das Herz unserer Mannschaft, er diktiert den Rhythmus“, sagt Mitspieler Steve von Bergen, HSV-Profi Johan Djourou fühlt sich auf dem Feld gar „ein bisschen an Andrea Pirlo“ erinnert.

Xhakas EM-Werte sind mit 307 Pässen in der Tat beeindruckend. Von allen EM-Teilnehmern hat nur Toni Kroos (353) mehr gespielt. Der einstige Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld nannte Xhaka „das Gehirn dieser Mannschaft“.

Von gehörigem Respekt zeugt auch die Einschätzung des wohl prominentesten Polen: „Die Schweiz ist ein harter Gegner mit vielen Spielern von hoher Qualität“, sagt Robert Lewandowski: „Speziell Granit Xhaka macht bei ihnen einen starken Eindruck.“ Rosen für die Gattin, Lob für den Gegner – jetzt muss Torjäger Lewandowski nur noch auf dem Platz aktiv werden.