EM 2016

Berti Vogts: Bei der EM geht es nur noch um Geldmacherei

Der neue Modus ist alles andere als gut für die müden Stars aus den Topligen. Immerhin hat sich ein neuer Favorit gezeigt.

Berti Vogts war 1972 als Spieler und 1996 als Trainer Europameister

Berti Vogts war 1972 als Spieler und 1996 als Trainer Europameister

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Es ist Wahnsinn: Man konnte bei dieser EM zwei Spiele verlieren – und es trotzdem ins Achtelfinale schaffen. Der aufgeblähte Modus mit 24 Mannschaften ist reine Geldmacherei! Die Topteams hatten Zeit, ihre Formation zu finden.

Auch aus diesem Grund hat keine Mannschaft alle drei Spiele gewonnen. Ich frage mich, wo das hinführen soll. Vielleicht sind ja bei künftigen Europameisterschaften 28 Mannschaften dabei, dann kann man sich auch gleich die Qualifikation sparen.

Am wenigsten ist den Spielern geholfen, die in Topligen spielen. Immer mehr Spiele, immer längere Perioden, dafür weniger Pausen – das kann nicht gut sein. Wir sehen auch jetzt wieder Stars, denen die Frische fehlt – bei einem Turnier, das das Highlight eines Jahres sein sollte. Dazu ein chaotischer Spielplan, der zur Folge hat, dass Mannschaften wie Albanien tagelang in Frankreich bleiben müssen, weil sie nicht wissen, ob sie weiterkommen.

Slowakei ist kein Aufbaugegner

Erst jetzt beginnt die EM! Mit den sympathischen Isländern und Iren muss man sich freuen – auch wenn ihr Weg sicher bald zu Ende sein wird. Von den Außenseitern habe ich vor allem die Kroaten weiter auf dem Zettel. In diesem Team steckt unglaublicher Wille.

In Deutschland sprechen alle schon vom Viertelfinale gegen Spanien oder Italien (wie es diese alten Spieler der ganzen Welt noch einmal beweisen wollen, ist faszinierend). Genau darin liegt eine Gefahr. Wir dürfen die Slowakei nicht als Aufbaugegner sehen.

Den Test vor der EM haben wir gegen sie verloren! Sorgen mache ich mir nicht, Joachim Löw wird die Mannschaft perfekt einstellen. Deutschland wird jetzt Schritt für Schritt stärker, man hat das Gefühl: Da wächst wieder etwas zusammen, auch kameradschaftlich. Es wird für jeden Gegner schwer, uns zu schlagen.

Abschließend eine Bemerkung zu Mario Götze, den ich in einer anderen Kolumne schon in Schutz genommen habe: Ja, Mario sucht seine Form. Aber wie soll das anders sein nach so einer Saison? Ich bin sicher: Ein Tor – und der Knoten platzt. Ich wünsche es ihm.