EM 2016

Marek Hamsik ist das Gesicht der Slowakei

Warum Marek Hamsik für seine Mannschaft so wichtig ist und die Fans des SSC Neapel den Kapitän ihres Teams nicht fortlassen wollen.

Markant und anerkannt: Marek Hamsik

Markant und anerkannt: Marek Hamsik

Foto: Laurent Dubrule / dpa

St. Etienne.  Die Frisur von Marek Hamsik hat Vorteile. Sie gerät selbst bei intensivstem Kampf auf dem Fußballplatz nicht durcheinander und hält auch ein paar Regentropfen aus. Wenn der 28-Jährige das Spielfeld verlässt, wirkt er ordentlich frisiert. Außerdem hat dieser Irokesenschnitt einen hohen Wiedererkennungswert. Hamsik fällt schon einmal rein optisch in der slowakischen Nationalmannschaft, Gegner der deutschen Elf am Sonntag im Achtelfinale (18 Uhr), aus dem Rahmen.

Bei dieser EM hatte er das gar nicht nötig, etwa im Spiel gegen Russland, da stach er sowieso hervor. Er war beim 2:1-Sieg nicht nur überragender Lenker und Taktgeber, sondern bereitete ein Tor vor und erzielte das zweite selbst. „Das war brillant“, beurteilte er ganz im Stile eines selbstbewussten Superstars seinen sehenswerten Treffer aus spitzem Winkel. Bei der EM in Frankreich gehört er zu den auffälligsten Spielern.

Das Gesicht der slowakischen Mannschaft ist er ohnehin seit vielen Jahren. Fünfmal wurde der Hochbegabte zum Spieler des Jahres gekürt, nur sein Nationalmannschaftskollege Martin Skrtel kann da mithalten. Der Innenverteidiger des FC Liverpool hat die Trophäe viermal gewonnen. Aber erst im schon gesetzteren Alter schien er sich befreien zu können von diesem Druck, der ihm jahrelang zusetzte. Im Nationalteam wohlgemerkt, denn beim SSC Neapel spielt Hamsik schon lange eine herausragende Rolle.

Sein Spitzname ist „Außerirdischer“

Mit 17 war er einst von Brescia nach nur fünf Spielen in der slowakischen zweiten Liga in die Serie A geholt worden. Gut zwei Jahre später, mit knapp 20, wechselte er nach Neapel, und auch dort machte sich der junge Mann aus Banska Brystrica unentbehrlich.

Mittlerweile führt er die Mannschaft als Kapitän an. Die Fans lieben den Supertechniker, rufen ihn wegen seiner Fähigkeiten am Ball „Außerirdischer“ und honorieren seine im Fußball-Geschäft ungewöhnliche Treue.

Obwohl Neapel stets im Schatten der großen Klubs aus Mailand und Turin steht, trotz einiger Champions-League-Teilnahmen, fühlt er sich dort wohl. Er wolle beim SSC „wie Totti in Rom und Del Piero in Turin werden. Ich wohne hier nicht zur Miete, ich bin hier zu Hause“, sagte er einmal.

Auch Raubüberfälle schrecken ihn nicht ab

Und daran konnten bisher weder ein paar Raubüberfälle noch die Aussicht, bei einer der europäischen Topadressen spielen zu können, mit höherem Verdienst und größerer Aufmerksamkeit, etwas ändern.

Vielleicht kann es diese EM. „Ich freue mich darüber, was ich bisher erreicht habe. Aber sicher ist da noch Luft nach oben“, sagte er. Er weiß, dass er in der Nationalmannschaft noch ein Versprechen einzulösen hat. In 88 Länderspielen traf er 19 Mal, die Quote ist nicht schlecht, aber auch nicht grandios.

Als sich die Slowakei für die WM 2010 in Südafrika qualifiziert hatte, hofften die Landsleute daheim auf viele Sternstunden von Hamsik. Das Team qualifizierte sich zwar fürs Achtelfinale, scheiterte dort aber am späteren Finalisten Niederlande.

Ausschlaggebend dafür war die geschlossene Mannschaftsleistung mit einem soliden, jedoch nicht überragenden Hamsik. Das ist seit der Qualifikation für die EM anders. Sein Nationaltrainer Jan Kozak findet nun, er spiele schon länger überragend. „In Neapel hat er ein neues Fußball-Level erreicht, nun ist er bereit für einen richtig großen Klub.“