EM 2016

Ein Deutscher namens Karl Wald erfand das Elfmeterschießen

Jetzt ist es soweit: Ab dem Achtelfinale gibt es Elfmeterschießen. Erfunden hat es ein Deutscher, der die alte Regelung ungerecht fand.

Sein verschossener Elfmeter machte die CSSR bei der Premiere des Elfmeterschießens 1976 zum Europameister: Ein konsternierter Uli Hoeneß im Gästetrikot

Sein verschossener Elfmeter machte die CSSR bei der Premiere des Elfmeterschießens 1976 zum Europameister: Ein konsternierter Uli Hoeneß im Gästetrikot

Foto: Karl Schnörrer / picture-alliance / dpa

Paris.  In England hat Karl Wald längst das Zeug zum Staatsfeind Nummer eins. Dramen im halben Dutzend hätte sich das Mutterland des Fußballs ersparen können, wäre der Schiedsrichter und gelernte Friseur, der 2011 im Alter von 95 Jahren in seiner Heimat Penzberg verstorben ist, nicht 1970 auf die Idee des Elfmeterschießens gekommen.

Der „Krimi vom Punkt“ (Wald), oder, wie in den Fifa-Statuten später stand, „Schüsse von der Strafstoßmarke zur Siegerermittlung“ – ist also die Idee eines Deutschen, die das Spiel bei Remis zuspitzte und Entscheidungen per Münzwurf ablöste.

Nur Engländer bezweifeln Sinn des Elfmeterschießens

„Dermaßen ungerecht war das! Es konnte so nicht weitergehen“, erzählte Wald, als die Regel nach erst 47 Sondersitzungen der Fifa-Kommission 1976 dann endlich ins Regelwerk kam – und ab heute auch in der K.o.-Runde der EM angewendet wird.

Längst bezweifelt niemand mehr den Sinn des Strafstoß-Krimis. Außer den Engländern vielleicht. „Im Prinzip kann jede Mannschaft jede andere im Elfmeterschießen schlagen. Es sei denn, England spielt gegen Deutschland“, sagt Stürmerlegende Gary Lineker nach drei heftigen Niederlagen seit 1990. Doch auch die DFB-Elf gewann nicht immer mit Elfermetern, da Uli Hoeneß im EM-Finale 1972 seinen verschoss.