EM2016

Selbstbewusste Kroaten sehen sich als Titelfavoriten

Nach dem 2:1-Sieg gegen Spanien ist der Optimismus bei den Kroaten riesig. Die Mannschaft ist so stark wie seit 1998 nicht mehr.

Ivan Perisic feiert sein spätes Siegtor gegen Spanien

Ivan Perisic feiert sein spätes Siegtor gegen Spanien

Foto: Michael Dalder / REUTERS

Bordeaux.  Er hätte allen Grund zur Freude gehabt, doch Ivan Perisic blickte fast ein bisschen böse. „Das ist erst der Anfang“, sagte er. Nein, Siegtorschütze Perisic ließ nach dem imponierenden 2:1 (1:1) gegen Titelverteidiger Spanien keine Zweifel an der EM-Mission der Kroaten aufkommen. „Wir wollen noch lange im Turnier bleiben. Wir haben ein tolles Team und sind bereit“, betonte der Matchwinner mit entschlossener Miene.

Geht es nach dem Selbstverständnis der „Vatreni“, soll das Achtelfinale am Sonnabend in Lens (21 Uhr) nicht mehr sein als eine Zwischenstation auf dem Weg zum Endspiel im Stade de France. Nach dem dritten Platz bei der WM 1998 in Frankreich träumt Kroatien nun vom Titel. „Ich glaube, dass wir hier jedes Spiel gewinnen können“, erklärte Trainer Ante Cacic – und klang dabei nicht mal überheblich.

Den Titelverteidiger haben sie schon mal überrumpelt. Durch den späten Siegtreffer von Perisic (88. Minute) entrissen die kroatischen Quälgeister Spanien noch den Gruppensieg. Der ehemalige Bundesliga-Profi verhinderte dadurch ein Achtelfinalduell gegen Italien. Stattdessen hat Kroatien nun vermeintlich leichtes Spiel in der K.o.-Runde. Auf Schwergewichte wie Weltmeister Deutschland oder Gastgeber Frankreich träfen sie erst im Finale.

„Wenn wir jetzt nachlassen, verlieren wir alles“

Die „Feurigen“ sind plötzlich Titelanwärter, zumindest sehen sie sich selbst so. „Italien muss froh sein, dass sie nicht gegen uns spielen müssen“, sagte Perisic. Auch Marko Pjaca, einer der jungen Wilden im Team von Trainer Cacic, strotzt vor Selbstvertrauen. „Wer Spanien besiegt“, sagte der Angreifer, „kann weit kommen.“

Gegen den Titelverteidiger hatte Nikola Kalicic (45.) die Führung durch Alvaro Morata (7.) ausgeglichen. Keeper Danijel Subasic ebnete dann mit seinem gehaltenen Foulelfmeter gegen Spaniens Kapitän Sergio Ramos (71.) den Weg zu Perisics Siegtreffer. Und es ist offensichtlich: Kroatien hat derzeit wohl das beste Team seit der WM 1998, als Spieler wie Davor Suker, Zvonimir Boban oder Robert Prosinecki zu Helden wurden.

Perisic und Co. wollen ihnen nun unbedingt nacheifern. „Wir müssen fokussiert bleiben. Wenn wir jetzt nachlassen, verlieren wir alles“, sagte der Angreifer von Inter Mailand. Suker, mittlerweile kroatischer Verbandspräsident, betonte: „Wir haben noch nichts erreicht.“ Der Überraschungscoup gegen Spanien, er soll für die Kroaten erst der Anfang gewesen sein.