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Sigurdsson: „Ich glaube, wir machen Werbung für unser Land“

Der deutsche Handball-Nationaltrainer Dagur Sigurdsson äußert sich zu Islands Nationalmannschaft und zur Begeisterung in der Heimat.

Hat in Island auch Fußball gespielt: Deutschlands Europameister-Trainer Dagur Sigurdsson

Hat in Island auch Fußball gespielt: Deutschlands Europameister-Trainer Dagur Sigurdsson

Foto: Uwe Anspach / dpa

Paris.  Dieser Mann weiß, wie EM-Titel geholt werden: Anfang des Jahres hat Dagur Sigurdsson als Bundestrainer mit den deutschen Handballern alle überrascht und die Europameisterschaft in Polen gewonnen. In diesen Tagen ist der 43-jährige Isländer allerdings ausschließlich in Sachen Fußball unterwegs. Intensiv verfolgt er die Auftritte seiner sportverrückten Heimatnation bei der EM in Frankreich. Er gerät ins Schwärmen.

Im Handball, Basketball und Fußball mischt Ihr Heimatland vorne mit. Woran liegt es, dass das kleine Island eine so starke Sportnation ist?

Dagur Sigurdsson: Das stimmt. Gemessen an der Einwohnerzahl sind wir in vielen Sportarten, nicht nur im Fußball, sehr erfolgreich unterwegs. Das Geheimrezept? Ganz einfach. Harte Arbeit, ein super Team-Spirit und das Ergebnis einer guten Infrastruktur, die wir in Island geschaffen haben. Die Isländer haben nämlich seit Anfang der 2000er-Jahre viel Geld in Sportanlagen, Trainerausbildung und Fußballhallen investiert, damit dort das ganze Jahr trainiert werden kann. Diese Investitionen zahlen sich nun aus. Wir brauchen uns vor großen Nationen nicht mehr zu verstecken.

„Ich bin einfach nur Fan der Mannschaft“

Wie verfolgen Sie die Europameisterschaft, sind Sie vor Ort in Frankreich?

Das erste Gruppenspiel der Isländer gegen Portugal habe ich live vor Ort gesehen. Das zweite Spiel gegen Ungarn habe ich in Island vor dem Bildschirm verfolgt. Zum letzten Gruppenspiel gegen Österreich werde ich wieder vor Ort in Frankreich sein, dann werde ich auch für das ZDF im Einsatz sein. Wenn Island die Vorrunde übersteht, muss ich schauen, ob es noch eine Chance für mich gibt, weitere Spiele zu sehen.

Haben Sie Kontakt zu den isländischen Fußballern?

Ich kenne einige der Jungs, ich habe ja auch selbst lange Zeit Fußball gespielt in meiner Jugend. Aber während des Turniers habe ich weniger Kontakt zu ihnen und bin wie meine Landsleute einfach nur Fan der Mannschaft.

„Über 10.000 isländische Fans waren allein beim Spiel gegen Ungarn im Stadion“

Was trauen Sie Island bei der Europameisterschaft noch zu?

Das Spiel gegen Österreich wird entscheidend sein. Ich drücke den Jungs die Daumen und hoffe, dass sie noch einmal so gut aufspielen, aber es wird nicht leicht. Die Mannschaft kann aber bereits jetzt sehr stolz auf ihre Leistungen sein.

Es sind unheimlich viele isländische Fans vor Ort. Welche Bedeutung hat die EM-Teilnahme für das Land? Womöglich könnte Island durch diese starke Medienpräsenz auch für etliche Touristen als Reiseziel attraktiv werden ...

Die Isländer stehen zu einhundert Prozent hinter ihrer Mannschaft und sind stolz darauf. Man muss sich das einmal vorstellen. Über 10.000 isländische Fans waren allein beim Spiel gegen Ungarn im Stadion. Weitere Tausende Isländer sind in Frankreich unterwegs und dabei haben wir nur knapp über 320.000 Einwohner. Sie machen wirklich eine unglaubliche Stimmung und helfen ihrer Mannschaft auf dem Platz. Ich glaube auch, dass wir gerade nicht nur Werbung für die isländische Nationalmannschaft machen, sondern auch für unser Land.

So wollen sie spielen:

Island: Halldorsson - Saevarsson, Sigurdsson, Arnason, Skulason - Gudmundsson, Sigurdsson, Gunnarsson, Bjarnason - Sigthorsson, Bödvarsson.

Österreich: Almer - Klein, Dragovic, Hinteregger, Fuchs - Alaba, Baumgartlinger - Harnik, Schöpf, Arnautovic - Janko.

Schiedsrichter: Marciniak (Polen).