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Warum Liebling David Alaba auf einmal in der Kritik steht

Der Bayern-Profi ist der große Star der Österreicher. Bislang aber zeigt er Schwächen, das Spiel aus der Mitte heraus zu gestalten.

Foto: imago sportfotodienst / imago/BPI

Paris.  Diese großen Kopfhörer sind ein Segen. Natürlich ist der Sound ausgezeichnet, und er spielt bei dem aus einer Musiker-Familie stammenden David Alaba eine wichtige Rolle. Aber das sind nicht die einzigen Vorteile.

Die Kopfhörer haben mittlerweile den Handy-Trick abgelöst bei Fußballern, die keine Lust haben auf Fragen in der sogenannten Mixed Zone. Alaba hat selten Lust dazu, bei seinem Klub FC Bayern fast nie, bei der österreichischen Nationalmannschaft ein bisschen häufiger.

Bis zu dieser EM zumindest, denn nun mag er auch da nicht mehr reden. Nur noch bei den von der Uefa vorgeschriebenen Kurzinterviews im Fernsehen gleich nach dem Spielen gab es etwas von ihm zu hören.

Symbolfigur des Scheiterns

Alaba macht in seiner Karriere derzeit eine neue Erfahrung. Bisher war er in seiner Heimat stets „Everybody‘s Darling“, aber nun bekommt er zum ersten Mal Gegenwind zu spüren. Nach zwei schwachen Auftritten gegen Ungarn und Portugal stand er in der Kritik.

Und falls Österreich im dritten Gruppenspiel gegen Island an diesem Mittwoch (18 Uhr, Sat.1) wieder nicht gewinnt und das Achtelfinale verpasst, wäre Alaba wohl die Symbolfigur des Scheiterns. Die Kollegen versuchen, den Fokus ein wenig von ihrem Star zu nehmen.

„Ich verstehe das ganze Getue und die Kritik nicht. Er ist unser bester Spieler, der beste Spieler seit ewigen Zeiten in Österreich. Und er hat uns mit seinen Toren doch überhaupt erst nach Frankreich gebracht“, sagt Stefan Islaker.

Heynckes: „Für Mittelfeld nicht reif genug“

Aber genau das ist ja das Problem. Alaba ist das Gesicht der Mannschaft, in guten wie in schlechten Zeiten. Er hat in der Qualifikation nicht nur wichtige Tore auf dem Weg zur EM erzielt, sondern führte auch Regie im Mittelfeld, auf einer Position, die er beim FC Bayern bisher nur selten gespielt hat.

Denn da verteidigt er auf der linken Seite, meistens jedenfalls. Er sei „der Prototyp des Linksverteidigers“, findet Jupp Heynckes, der Triple-Coach der Münchner, und auf dieser Position gar „derzeit der Beste auf der Welt“.

Alaba würde lieber im Mittelfeld spielen und betont dies gelegentlich, aber dafür, so sahen es seine bisherigen Bayern-Trainer, sei er noch nicht reif genug. Er verkörpere das noch nicht, denn „zentrales Mittelfeld ist strategisch gesehen das Schwierigste überhaupt“, erklärte Heynckes im österreichischen „Sport-Magazin“. Das müsse er erst lernen und verinnerlichen. „Das ist ein Prozess, der dauert.“ Und auch Pep Guardiola setzte Alaba nur gelegentlich, aber nie in entscheidenden Spielen im Mittelfeld ein.

„Er ist derjenige, der das Niveau vorgibt“

In Österreich haben sie in Christian Fuchs einen sehr guten Linksverteidiger, aber keinen mit der Begabung und den Anlagen eines Alaba. Für Nationalcoach Marcel Koller war deshalb logisch, dass der gebürtige Wiener mit nigerianisch-philippinischen Wurzeln als Spielmacher im Mittelfeld agieren muss.

„Er ist derjenige, der das Niveau vorgibt, an dem sich die anderen orientieren und hochziehen“, sagte der Schweizer nach der glänzenden EM-Qualifikation. Die Vielseitigkeit Alabas wusste zuletzt auch Guardiola zu schätzen.

Als dem Rekordmeister im Februar die Innenverteidiger ausgegangen waren, hatte er ihn kurzerhand ins Abwehrzentrum gestellt. Der 23-Jährige bewältigte auch diese Aufgabe besser als so manch ein gelernter Innenverteidiger in der Bundesliga.

Aber die Polyvalenz hat auch ihre Tücken, das stellte Koller schon früher bei Alaba fest – und bekräftigte dies bei der EM noch einmal. Es sei schon ein Problem, dass er beim FC Bayern auf einer anderen Position spielt. „Er muss sich dann immer ein bisschen umstellen, wenn er zu uns kommt.“

„Meiner Meinung nach nimmt er zu viel auf sich“

Allerdings hat auch er Alaba in den beiden EM-Spielen auf verschiedenen Positionen eingesetzt. Gegen Ungarn als Achter, gegen Portugal weiter vorn in der Rolle des verletzten Zlatko Junuzovic. „Aus meiner Sicht hat er das gut gemacht da vorn mit Martin Harnik zusammen.“

Ganz offensichtlich ist Koller bemüht, Alaba zu schützen. Einerseits, denn andererseits gab es auch eine klare Ansage nach der frühen Auswechslung gegen Portugal. „Es gibt keinen Grund, trotzig zu sein.“ Denn Alaba hatte deutlich gezeigt und später auch deutlich kommuniziert, wie sehr ihn die Entscheidung des Trainers, ihn in der 65. Minute aus dem Spiel zu nehmen, geärgert hat.

Nicht für alle in der zum Überschwang neigenden Alpenrepublik kommen Alabas Probleme überraschend. „Meiner Meinung nach nimmt er zu viel auf sich. Das merkt man auch daran, dass er zu viel gestikuliert. Ein Führungsspieler löst Probleme mit Smalltalk, nicht mit Handbewegungen“, sagte der ehemalige Nationalspieler Paul Scharner schon lange vor der EM. Immerhin gelangen Österreich ohne den damals verletzten Fixpunkt die wichtigen Siege gegen Russland in der Qualifikation.