Euro2016

Ibrahimovic kämpft um einen würdigen Abschied

Seine Landsleute hoffen auf einen Wunder, denn einen so enttäuschenden Abschied aus der Nationalmannschaft gönnt dem Superstar keiner.

Ibrahimovic albert mit seinem Friseur, abgeschnitten wurde der berühmte Zopf dann aber nicht

Ibrahimovic albert mit seinem Friseur, abgeschnitten wurde der berühmte Zopf dann aber nicht

Foto: Instagram / BM

Nizza.  Dieses Bild war ein wahrer Schock für viele Schweden. Zlatan Ibrahimovic sitzt, Augen und Mund weit aufgerissen, auf dem Stuhl des Promifriseurs Roby Myozaki. Sein charakteristischer Pferdeschwanz liegt zwischen den scharfen Seiten der Haarschere.

Schnipp, schnapp – er wird doch wohl nicht? Myozakis Instagram-Post sorgte für große Aufregung in Schweden, Verbandspressesprecher Niklas Bodell sah sich sogar zu einer öffentlichen „Entwarnung“ gezwungen: „Es war nur ein Witz.“

Ibrahimovic liebt zwar die Provokation, doch so ein radikaler (Haar-)Schnitt vor dem enorm wichtigen letzten EM-Gruppenspiel der Schweden am Mittwoch (21 Uhr, ZDF) gegen Belgien ist dann doch tabu. „Würde mir jemand den Zopf abschneiden“, sagte er einmal, „ginge meine Kraft verloren.“

Und die braucht er für sein 116. und womöglich sogar letztes Spiel im Nationaltrikot, für sein letztes Hurra. Denn sollte Schweden gegen Belgien nicht gewinnen und in der Vorrunde ausscheiden, und das vielleicht sogar torlos, droht dem Superstar ein Abgang mit Schimpf und Schande.

Belgier rechnen mit motiviertem Ibra

„Noch eine Chance von 15 Prozent - schenk’ uns ein Wunder, Zlatan!“, schrieb die schwedische Zeitung „Svenska Dagbladet“. Noch ist der Stürmer in seiner Heimat der Heilsbringer, doch die bislang enttäuschenden Auftritte und sein verweigerter Gang zu den Fans nach dem 0:1 gegen Italien lassen das Denkmal bröckeln. „Ibrakadabra“ oder „Ibrahimonix“ – der 34-jährige Superstar steht gegen Belgien gehörig unter Druck.

Der Gegner stellt sich deshalb auf einen extrem motivierten Ibrahimovic ein. „Vielleicht war er in den ersten beiden Spielen nicht so gut“, sagte Belgiens Nationaltrainer Marc Wilmots, „aber große Spieler wachen dann im dritten auf.“

Die Taktik des Ex-Schalkers, dem ein Remis zum Achtelfinaleinzug reichen würde, ist klar: „Wir müssen die Pässe auf Zlatan verhindern. Wenn er den Ball hat, wird es gefährlich. Wir spielen nicht auf Unentschieden, ich werde meine beste Mannschaft aufs Feld schicken.“

Will er Rache an Pep Guardiola?

Schwedens Spieler wollen Ibrahimovic helfen, auch wenn sie damit bislang grandios scheiterten. „Wir glauben immer noch ans Achtelfinale“, versicherte Dirk Nowitzkis Schwager Martin Olsson. Glaube wird den Schweden gegen Belgien aber nicht genügen. Sie sind auf einen Geistesblitz von Ibrahimovic angewiesen. Die Zeit dieser Abhängigkeit wird nun sehr bald vorbei sein.

Denn am Dienstag hat sich Ibrahimovic erstmals zu seiner Zukunft geäußert. „Mein letztes Spiel für Schweden wird bei dieser EM sein. Und ich hoffe nicht, dass es morgen sein wird“, stellte Ibrahimovic klar. Auch bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro werde er nicht mehr für die schwedische Auswahl spielen. „Es wird nicht einfach, aber wir glauben an uns. Wir haben noch eine Chance“, betonte der Star, der sich künftig ganz auf seinen neuen Klub konzentrieren will.

„Ich will die Champions League gewinnen“, sagt Ibrahimovic, der nach dem Vertragsende bei Paris St. Germain nun bei Manchester United anheuert. „Ich glaube, dass er auf Rache an Guardiola aus ist“, sagte sein Berater Mino Raiola. Der Trainer, wegen dem er 2010 den FC Barcelona nach nur einer Saison verließ, arbeitet ab Sommer beim Lokalrivalen Manchester City.

So wollen sie spielen

Schweden: Isaksson - Johansson, Lindelöf, Granqvist, Olsson - Ekdal, Källström - Larsson, Forsberg - Guidett, Ibrahimovic.
Belgien: Courtois - Meunier, Alderweireld, Vermaelen, Vertonghen - Witsel, Nainggolan - Carrasco, De Bruyne, Hazard - R. Lukaku.
Schiedsrichter: Brych (Deutschland).