Euro2016

Die Polen stürzen sich furchtlos ins Getümmel

Kapitän Lewandowski peilt mit Polen gegen die Ukraine den Gruppensieg vor Deutschland an. Sie treffen dabei auf einen dankbaren Gegner.

Robert Lewandowski führt auch im Training sein Team an

Robert Lewandowski führt auch im Training sein Team an

Foto: Federico Gambarini / dpa

Marseille.  Für das Fernduell mit den deutschen Weltmeistern haben Robert Lewandowski und seine Mannschaftskollegen in den vergangenen Tagen ihre Kräfte geschont. Die gemütliche Radtour durch den malerischen Küstenort La Baule machte Spaß und lockerte die Beine, die freien Stunden mit den Liebsten brachten die polnischen Nationalspieler auf andere Gedanken. Doch spätestens beim täglichen Gang in die Kältekammer zur Abhärtung wurde allen das Ziel wieder bewusst: Die Gruppe C vor Deutschland gewinnen!

Um das sicher zu schaffen, muss Polen im letzten EM-Vorrundenspiel am Dienstag (18 Uhr, Sat.1) in Marseille gegen die Ukraine einen um zwei Tore höheren Sieg einfahren als zeitgleich das DFB-Team in Paris gegen Nordirland.

Auf dem Papier hat Polen die leichtere Aufgabe, weil die Ukraine keine Chance mehr auf das Achtelfinale hat. Doch Robert Lewandowski warnte, die Partie sei eine größere Herausforderung als beim respektablen 0:0 zuvor gegen den Weltmeister. „Es wird schwieriger“, so der Stürmerstar von Bayern München und mahnte: „Hurra-Optimismus ist nicht angebracht.“

„Wir wollen weiter Gas geben“

Gierig sind die Polen dennoch darauf, sich erstmals als Gruppensieger für die K.o.-Runde qualifizieren. „Wir wollen weiter Gas geben“, kündigte der in Frankreich noch torlose Kapitän an. Damit der Kopf nicht zum Problem wird, gönnte Nationaltrainer Adam Nawalka seinen Spielern etwas Pause. Polnische Boulevardblätter erwischten Lewandowski mit seiner Frau Anna, wie beide Arm in Arm die Promenade im Teamcamp-Ort La Baule entlangschlenderten.

Der Olympiasieger von 1972 will sich auf seinem Erfolgsweg nicht abbringen lassen. „Wir müssen uns zu 100 Prozent nur auf uns konzentrieren. Wir kämpfen um die beste Position, das ist Platz eins in der Gruppe“, sagte Mittelfeldspieler Kamil Grosicki. Nach dem Vorrundenaus 2008 und 2012 sieht der Legionär von Stade Rennes großes Potenzial in dem Team. „Diese Mannschaft wächst, wir wollen immer mehr und mehr. Unser großes Ziel ist das Achtelfinale, aber dann wollen wir noch mehr“, sagte Grosicki.

Nationaltrainer Nawalka bleibt seiner besonnenen Linie treu. „Wir konzentrieren uns auf unsere Stärken, denn wir wissen, dass wir große Qualitäten haben. Ich glaube, es sieht in jedem Spiel immer besser aus“, erklärte der 58-Jährige, der beim letzten Duell der Polen mit der Ukraine noch nicht im Amt war. Im Oktober 2013 unterlagen Lewandowski & Co. in der WM-Qualifikation mit 0:1.

Lewandowski: „Es ist schwierig, ich bin vorn oft allein“

„Das Spiel gegen die Ukraine wird nicht leicht, wir müssen voll konzentriert weiter spielen“, warnte der Dortmunder Lukasz Piszczek. „Die Ukraine spielt, um ihr Gesicht zu wahren. Wir hingegen spielen, um zu gewinnen“, sagte Verteidiger Bartosz Salamon. Ersatztorwart Artur Boruc zeigte sich vom enttäuschenden Auftreten des Kontrahenten durchaus verblüfft. „Ich bin schon ein bisschen überrascht, weil sie ein paar individuell gute Spieler haben. Sie haben das aber nicht zeigen können“, sagte er.

Ganz Polen hofft, dass vor allem der bislang torlose Lewandowski besser ins Spiel findet. Er rackert, er zieht zwei oder mehr Gegenspieler auf sich – aber der Torschützenkönig der Bundesliga (30 Treffer) und EM-Qualifikation (13) strahlt noch keine Torgefahr aus. „Es ist schwierig, ich bin vorn oft allein“, sagt er. Gegen die Ukraine sollte bei ihm der Knoten platzen, ansonsten wird es wohl schwer mit dem Gruppensieg.

Mit dem ersten Platz würde man der Schweiz im Achtelfinale aus dem Weg gehen und stattdessen in der K.o.-Runde einen Gruppendritten als Gegner bekommen. Doch Verteidiger Bartosz Salamon versichert: „Wir haben vor niemandem Angst.“ Sehr wahrscheinlich wird der am Oberschenkel verletzte Stammtorhüter Wojciech Szczesny gegen die Ukraine noch nicht zurückkehren. Auf anderen Positionen dürfte Trainer Nawalka ein paar Veränderungen vornehmen, denn vier Spieler sind mit Gelb vorbelastet und drohen bei einer weiteren Verwarnung für das Achtelfinale auszufallen.