Euro2016

ZDF-Sport-Chef: Claudia Neumann „steht ihren Mann“

Dieter Gruschwitz findet Beleidigungen gegenüber der Reporterin „erschütternd“ und kann sich einen Einsatz beim DFB-Spiel vorstellen.

Im Zentrum der Kritik: Claudia Neumann

Im Zentrum der Kritik: Claudia Neumann

Foto: Rainer Jensen / dpa

Berlin.  Sich über die Béla Réthys und Marcel Reifs auszulassen, ist längst schwer in Mode, „Reporter-Bashing“ heißt dieses Phänomen auf Neudeutsch. Was in den vergangenen Tagen über Claudia Neumann (51) hereinbrach, sprengte aber nicht nur die gängigen Shitstorm-Dimensionen, sondern auch die Grenzen des Erträglichen.

„Frauen können ja gerne Frauenfußball kommentieren, aber keine richtigen Spiele.“ „Hat die überhaupt eine Erlaubnis, sich außerhalb der Küche aufzuhalten?“ Oder: „Die Tante soll Kunstturnen kommentieren.“ Bei Facebook und Twitter entstand ein „Worst of“ kleingeistiger Chauvinisten-Statements.

Und warum das alles? Weil erstmals in Deutschland bei einer Fußball-EM der Männer Spiele von einer Frau kommentiert wurden. Und das aus fachlicher Sicht tadellos. „Die Vorurteile und die Härte der Formulierungen sind erschütternd“, sagt ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Die „asoziale Kritik in sozialen Netzwerken“ habe die Einsatzplanung des ZDF jedoch zu keinem Zeitpunkt ins Wanken gebracht.

„Ich habe ein dickes Fell“

Nach ihrer Premiere am 11. Juni (Wales gegen Slowakei) kommentierte Neumann am Freitag planmäßig das Spiel Italien gegen Schweden und begleitete den eher drögen Kick durchaus unterhaltsam. Und: Anders als zuvor sprangen ihr diesmal etliche Zuschauer im Netz zur Seite, lobten ihre sachliche Art.

Neumann sagt, sie könne die Verbalinjurien ihrer Kritiker aushalten. „Ich habe ein dickes Fell, und wenn es dabei hilft, dass es jüngere Kolleginnen irgendwann leichter haben – okay. Ich lasse mir nicht meine Leidenschaft kaputtmachen.“

Weitere Live-Spiele wird sie bei dieser EM – wie geplant – nicht kommentieren. Aus Paris liefert sie ab sofort Zusammenfassungen. Darüber, dass Neumann auch künftig bei Männerspielen am Mikrofon sitzt, gibt es für Gruschwitz aber „keine Diskussion“.

Auch einen Einsatz bei einer DFB-Partie schließt er nicht aus. Sorgen um das Seelenheil Neumanns macht er sich nicht. „Diese Frau“, lobt Gruschwitz, „steht wirklich ihren Mann.“