Euro2016

Kroatische Hooligans wollten ihrem Team bewusst schaden

Gewaltbereite Fans bereiten in dem Land schon seit 25 Jahren Probleme, doch Verbandsboss Davor Suker wird zu wenig geholfen.

Mit ins Stadion geschleuster Pyrotechnik wollten kroatische Hooligans den Spielabbruch erzwingen

Mit ins Stadion geschleuster Pyrotechnik wollten kroatische Hooligans den Spielabbruch erzwingen

Foto: Max Rossi / REUTERS

Saint-Étienne.  Der Skandal wird zur Staatsaffäre, die Angst vor dem Ausschluss wächst: Nachdem die eigenen Fans der kroatischen Nationalmannschaft auf dem Weg zum EM-Mitfavoriten brutal in den Rücken gefallen sind, ist das ganze Land in Aufruhr.

Das Staatsoberhaupt ächtete die Krawallmacher von Saint-Étienne. Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic, Staatsoberhaupt von Kroatien, sagte: „Das sind Staatsfeinde, die ihre Mannschaft und ihr Land hassen. Schämt euch!“ Das Schämen für die Randale während der zweiten EM-Partie der Kroaten gegen Tschechien (2:2) wird allerdings nicht ausreichen.

Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat die Krawalle „nachdrücklich verurteilt“. Die Disziplinarkommission eröffnete ein Verfahren gegen den kroatischen Verband HNS. Der Fall wird am ­Montag verhandelt.

Ziel der Chaoten war ein Spielabbruch

Zur Last gelegt werden den Kroaten das „Zünden von Feuerwerkskörpern, Werfen von Objekten, Zuschauerausschreitungen sowie rassistisches Verhalten“. In den kroatischen Medien wird bereits über einen Ausschluss des „Wiederholungstäters“ spekuliert, da die Liste der Verfehlungen mittlerweile lang ist.

Das Fass könnte nach einer Vielzahl von Vergehen in der jüngsten Vergangenheit (Rassismus, Faschismus, Pyrotechnik) übergelaufen sein - auch wenn Verbandschef Davor Suker nicht daran glauben will. „Sie werden uns nicht rauswerfen“, sagte Suker, der im Uefa-Exekutivkomitee sitzt.

Nach übereinstimmenden kroatischen Medienberichten ist eine Gruppe von 10 bis 15 Personen, offenbar radikale HNS-Gegner, für die Ausschreitungen verant­wortlich. Sie hätten das Zünden und Werfen der Feuerwerkskörper geplant und es sogar vorab mit dem Beginn in der 85. Spielminute in den sozialen Netzwerken angekündigt. Das Ziel der Chaoten sei ein Spiel­abbruch gewesen.

Fans kritisieren korrupten kroatischen Verband

In diesem Zusammenhang kritisierte der Verband HNS die französische Polizei. „In der Vorbereitung auf die Partie hat der Verband alles getan, um Zwischenfälle zu vermeiden - zu diesem Zweck wurden die Uefa und Polizei vor Hooligans gewarnt“, hieß es in einer Mitteilung. Zudem habe die Polizei viel zu spät eingegriffen, als die Schlägereien kroatischer Fans im Block tobten.

Das Blatt „Vecernji List“ sah ein „blamiertes Kroatien.“ Der „Guardian“ unterdessen berichtete, dass der Konflikt in Kroatien seit Jahren schwelt. Die Kritik vieler Fans richtet sich gegen Zdravko ­Mamic, den Vizepräsidenten des kroatischen Verbandes, und gegen Damir Vrbanovic, den Generalsekretär.

Beide saßen im vergangenen Jahr in Kroatien wegen „Machtmissbrauch“ und Steuervergehen in Untersuchungshaft. Verbandspräsident Suker, einst Welt­klassespieler von Real Madrid, wird von Kritikern als ­Marionette dieses Duos gesehen.

„Mein Herz blutet“

Das Ziel der Kritiker sei, die Verbandsspitze los zu werden – selbst um den Preis, dass die eigene Nationalmannschaft bloßgestellt wird. Suker wirkte hilflos: „Mein Herz blutet. Wir haben seit Jahren ein Hooliganproblem, keiner kümmert sich darum. Keine Politiker, keine Regierung, keine Richter. Ich weiß nicht, an wen ich mich wenden soll.“

Robert Prosinečki, ehemaliger Star von Real Madrid und FC Barcelona, sagte: „Das war eine gezielte Provokation. Aber das ist auch ein Problem des kroatischen Staates. Es sind immer die gleichen 50 Hooligans. Sie wissen auch genau, wer das ist. Trotzdem passiert nichts.“

Der umstrittene Mamic, der als mächtigster Mann im kroatischen Fußball gilt, dreht den Spieß um: „Die Hauptschuld trägt die politische Elite, die mit den Hooligangruppen kollaboriert, um billige politische Punkte zu machen. 200 Hooligans erpressen Kroatien bereits seit 25 Jahren.“

Man darf gespannt sein, welche Strafen die Uefa verhängen wird.