Euro2016

Die Deutschen kehren an den Ort des Grauens zurück

Bei der Rückkehr nach Paris muss das DFB-Team die Erinnerungen an die Terrornacht im November ausblenden. Helfen sollen Löws Routinen.

Betont locker: Das Nationalteam um Mario Gomez, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Joshua Kimmich und Mats Hummels will sich von der Rückkehr ins Stade de France nicht beeinflussen lassen

Betont locker: Das Nationalteam um Mario Gomez, Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller, Joshua Kimmich und Mats Hummels will sich von der Rückkehr ins Stade de France nicht beeinflussen lassen

Foto: Christian Charisius / dpa

Évian-les Bains.  Auch wenn es sich nur um ein Abschlusstraining handelt: Es wird eine Konfrontation. Das deutsche Nationalteam kehrt heute Abend in das Stade de France zurück, dorthin, wo es vor 216 Tagen beim Länderspiel gegen den EM-Gastgeber die grausamen Terroranschläge von Paris hautnah miterlebt hatte.

„Man hat das im Hinterkopf“, gibt Manuel Neuer zu. Der Münchner stand auch am 13. November 2015 beim damals plötzlich belanglosen 0:2 im Tor.

Ein mulmiges Gefühl dürfte viele im DFB-Tross spätestens dann beschleichen, wenn sie jenen Kabinentrakt betreten, in dem sie damals gemeinsam mit den französischen Kollegen die gesamte Nacht ausharren mussten.

„Im Moment ist das kein Thema“

Noch schieben die Nationalspieler die Erinnerungen von sich weg. „Im Moment ist das kein Thema. Wir konzentrieren uns auf das Sportliche“, versicherte Jerome Boateng, der damals auf dem Feld die Explosionen zweier Bomben außerhalb des Stadions hören konnte.

Er wolle sich mit dem Thema Sicherheit nicht ständig auseinandersetzen, hatte Bundestrainer Joachim Löw schon vor dem Turnier gesagt. Stattdessen müssten, klar, Gegner und Taktik im Vordergrund stehen. Das Training im Stade de France soll dazu beitragen, dass spätestens beim Anpfiff am Donnerstag (21 Uhr) der Fokus ganz auf Gegner Polen ausgerichtet ist.

Einiges spricht dafür, dass Löw dann jene elf Akteure auf den Rasen schicken wird, die auch beim 2:0 gegen die Ukraine das Startmandat erhalten hatten. Das zeigt auch Löws Turnierlehre, die bei der EM 2008, WM 2010, EM 2012 und WM 2014 jeweils hieß: „Never change a winning team.“ Seinen Siegern vom Auftakt vertraute Löw immer in der zweiten Turnierpartie.

Hummels ist die personelle Schlüsselfrage

Nach der ausbaufähigen Leistung gegen die Ukraine hatte Löw hervorgehoben, wie gut sich die Elf im Spielverlauf gefunden habe. „In der zweiten Halbzeit hatten wir eine sehr gute Aufteilung, haben den Ball laufen lassen und damit auch den Gegner“, lobte der 56-Jährige.

Die personelle Schlüsselfrage lautet, ob Löw schon den von einem Muskelfaserriss in der Wade genesenen Weltmeister Mats Hummels wieder in die Innenverteidigung stellt. Dafür müsste Torschütze Shkodran Mustafi weichen, dessen Zweikampfstärke der Bundestrainer explizit lobte.

Löw ist als Trainer ein Vertrauer. Özil, Götze, Podolski – die Liste derer, die sich in zehn Jahren der Rückendeckung des Bundestrainers sicher sein durften, ist lang. Auch im „vorentscheidenden Spiel“ gegen Polen wird er nun wohl wieder auf Beständigkeit setzen.

Die Abläufe in der Vorbereitung änderte Löw jedenfalls nicht. Das letzte Training am Genfer See fand wieder im Geheimen statt, auch die Abfahrtszeit am Spieltag – 9.45 Uhr – blieb gleich. Never change a winning Ablauf. Die Rückkehr ins Stade de France ist schließlich Besonderheit genug.