Euro2016

Ex-Polen-Star: „Wir sind gut vorbereitet“

Polens jetziger Fußball-Präsident Zbigniew Boniek hat in seiner neuen Funktion vieles zum Positiven verändert.

Zbigniew Boniek führt den polnischen Fußballverband seit vier Jahren. Einst durfte er als erster Spieler seines Landes bei einem Westklub anheuern und trug drei Jahre das Trikot von Juventus Turin, drei weitere von AS Rom

Zbigniew Boniek führt den polnischen Fußballverband seit vier Jahren. Einst durfte er als erster Spieler seines Landes bei einem Westklub anheuern und trug drei Jahre das Trikot von Juventus Turin, drei weitere von AS Rom

Foto: Uefa / dpa

La Baule.  Wenn Zbigniew Boniek das weiß-rote Medienzelt in La Baule betritt, sinkt der Geräuschpegel. Vor 28 Jahren beendete der beste Fußballer der polnischen Geschichte seine Karriere, der Respekt ist geblieben. Wenn nicht sogar gewachsen, seit der mittlerweile 60-Jährige vor vier Jahren das Amt des Verbandspräsidenten übernommen hat.

Unter dem einstigen Star von Juventus Turin ist einiges besser geworden. „Als ich Präsident wurde, musste vieles geändert werden: Trainer, Spielvorbereitung, Logistik. Mittlerweile ist es ein Vergnügen, unsere Mannschaft spielen zu sehen“, sagt Boniek, der nach der WM 1982 in Spanien als einer der ersten Staatsamateure des Ostblocks die Erlaubnis erhielt, bei einem Profiklub im Westen anzuheuern.

Die aktuelle Nationalmannschaft muss sich nun aber auch an den allerhöchsten Ansprüchen, die der frühere Mittelfeldstratege einst selbst verkörperte, messen lassen. Boniek: „Unser Team ist eine explosive Mischung aus der alten Garde und jungen Talenten. Es ist unsere Pflicht, zumindest die Vorrunde zu überstehen.“

Gegen Deutschland reicht wohl ein Unentschieden

Nach dem 1:0-Auftaktsieg des WM-Dritten von 1982 gegen Nordirland dürfte gegen Deutschland am Donnerstag dafür schon ein Unentschieden reichen. Ungeachtet aller Fortschritte sieht Boniek seine Landsleute gegen den westlichen Nachbarn als Außenseiter.

„Deutschland ist klarer Favorit, aber wir werden alles versuchen, um Punkte zu holen“, verspricht der Verbands-Boss. Dass Polen anders als 2008 und 2012 nicht in der Gruppenphase scheitert, dafür wird nach Bonieks Ansicht Robert Lewandowski mit seinen Nebenleuten in der Offensive sorgen. „Früher war er quasi auf sich allein gestellt. Jetzt sind wir offensivstärker denn je“, sagt er.

Wie es gegen das DFB-Team funktionieren könnte, zeigte sich gegen die Nordiren. Zwar rieb sich der Bayern-Star in Zweikämpfen auf, doch dadurch entstanden Lücken. Eine davon nutzte Arkadiusz Milik zum Siegtreffer. Schon auf dem Weg zur EM-Endrunde ließ Polen die sportlichen Probleme der Vergangenheit hinter sich.

Nur ein Spiel in der Qualifikation verloren

In der Qualifikation ging nur eines von zehn Spielen verloren, und es gelang der erste Sieg gegen Deutschland (2:0). Lewandowski und Co. erzielten 33 Treffer – Bestwert in Europa. Für Boniek gibt es aber keine Garantie, dass der Torreigen nun weitergeht: „Man sagt uns nach, offensivstark zu sein, aber das müssen wir erst beweisen. Wir kennen unsere Stärken und Schwächen und sind gut vorbereitet.“ 15 der 33 Tore wurden allerdings gegen Gibraltar geschossen.

Der Respekt vor diesem Kontrahenten ist in der deutschen Mannschaft dennoch sehr groß. „Die Polen sind der gefährlichste Gegner in dieser Gruppe“, sagt Lukas Podolski, „sie haben einen großen Sprung gemacht in den vergangenen Jahren. Sie haben viele Profis, die bei großen Vereinen im Ausland spielen und dazu neue, junge Spieler.“

Der Stürmer mit den polnischen Wurzeln glaubt: „Sie haben die Qualität, weiter zu kommen als nur bis ins Achtelfinale. Aber“, fügt er schlemisch hinzu: „Am Donnerstag wird es schwer für sie.“