Euro2016

Frankreichs Stars Griezmann und Pogba droht die Bank

Zum Auftakt entging Frankreich nur knapp einer Blamage. Trainer Deschamps kritisiert seine Stars – profitieren könnte ein Youngster.

Mit Paul Pogba (r.) war Trainer Didier Deschamps  nicht zufrieden

Mit Paul Pogba (r.) war Trainer Didier Deschamps nicht zufrieden

Foto: Marius Becker / dpa

Marseille.  Die drei Feuerwerkskerzen in den Nationalfarben auf Kingsley Comans Geburtstagstorte waren auch ein Zeichen an alle Franzosen. Der Funke soll überspringen im Gastgeberland, und das nicht mit Glück wie beim Auftaktsieg gegen Rumänien, sondern mit Champagner-Fußball in Blau-weiß-rot. Im zweiten Gruppenspiel am Mittwoch (21 Uhr/ARD) in Marseille gegen Außenseiter Albanien kämpft Frankreich nicht nur um das vorzeitige Achtelfinal-Ticket, sondern auch um die noch zerbrechliche EM-Euphorie.

Genau deshalb zittern plötzlich die großen Namen um ihren Platz im Team. In französischen Medien wird spekuliert, dass Nationaltrainer Didier Des­champs über eine Umstellung der Taktik von 4-3-3 auf 4-2-3-1 nachdenkt und dafür die Stars Paul Pogba und Antoine Griezmann opfern könnte. „Für mich zählt nur die Leistung. Sie haben keine Garantie auf einen Stammplatz“, betonte der Welt- und Europameister. Es wäre ein Denkzettel für die beim Auftakt enttäuschenden Hoffnungsträger – und die große Chance für Coman.

Deschamps schwärmt von Coman

Der Shootingstar von Bayern München, der am Montag 20 Jahre alt wurde, würde im neuen System eine der beiden Außenpositionen neben Auftaktheld Dimitri Payet besetzen. „Er hat eine besondere Gabe im Dribbling“, schwärmte Deschamps, „er ist auch pfeilschnell und trifft das Tor.“

Bei seiner Geburtstagsfeier im Teamquartier Clairefontaine, von der der französische Verband ein Video ins Internet stellte, strotzte der jüngste Franzose, der jemals bei einem großen Turnier auflief, noch nicht vor Selbstbewusstsein. Zuerst ging ihm beim Ausblasen der Kerzen die Puste aus, dann stammelte er sich eine Mini-Rede zurecht. „Danke an alle“, sagte Coman: „Und das war’s.“

Auf dem Rasen soll es für ihn jetzt erst richtig losgehen. Vielleicht ja Seite an Seite mit dem ebenfalls 20-jährigen Anthony Martial. Der Profi von Manchester United kann die andere Außenbahn beackern, sollte Frankreich im 4-2-3-1 auflaufen. „Die jungen Spieler werden für mich die EM gewinnen“, sagte Außenverteidiger Patrice Evra (35): „Ich selbst brauche keine Küsschen links und rechts.“

Schlechte Erinnerungen an Albanien

Die Liebe der Fans konzentriert sich auch fast nur auf einen Mann: Dimitri Payet. Nach seinem Traumtor zum 2:1 gegen Rumänien hofft ganz Frankreich auf einen zweiten Geniestreich. Evra warnte: „Bitte dreht nicht alle durch!“ Zu spät. Schon jetzt soll es ein Wettbieten fast aller europäischen Topklubs um den 29 Jahre alten Offensivspieler von West Ham United geben.

Deschamps ist das egal, er denkt nur an das zweite EM-Spiel. „Wenn wir gegen Albanien gewinnen, sind wir wahrscheinlich für die nächste Runde qualifiziert“, sagte er. Doch Vorsicht: Das bislang letzte Länderspiel gegen Albanien vor einem Jahr verlor die Equipe Tricolore 0:1. Außerdem bewies der EM-Neuling beim 0:1 gegen die Schweiz (0:1), dass er ein unangenehmer Gegner ist.