Euro2016

Kevin De Bruyne muss nur noch schnell das Land retten

Der Geheimfavorit Belgien trägt eine große politische Bürde. Trainer Marc Wilmots kämpft mit seinem Team für die Einheit des Landes.

Ist der wichtigste Mann im Team der Belgier: Kevin de Bruyne

Ist der wichtigste Mann im Team der Belgier: Kevin de Bruyne

Foto: Guillaume Horcajuelo / dpa

Lyon.  Den Titel holen, die Wunden des Terrors heilen, ein zerrissenes Land einen – wenn die Belgier am Montag (21 Uhr, ARD) gegen Italien in die Fußball-EM starten, schleppen Kevin De Bruyne und Co. einen schweren Rucksack mit ins Stade de Lyon.

Dass die „Roten Teufel“ (neben der Monarchie und den Pommes) der einzig verbliebene Kitt sind, der Wallonen, Flamen und deutschsprachige Minderheit zusammenhält, macht die Mission EM-Triumph für die Mannschaft von Trainer Marc Wilmots nicht eben einfacher.

Der Coach weiß um diese Bürde. „Es gibt viele Leute, die einen Hype um Belgien erschaffen“, sagt Wilmots. Doch der 47-Jährige hat selbst mit dafür gesorgt, dass die Nationalmannschaft zum Politikum wurde.

Wilmots kämpft für die Einheit

Immer wieder betont der frühere Profi von Schalke 04, der in seiner Heimat als einer der prominentesten Befürworter der Einheit gilt, dass sein Team das ganze Land repräsentiert. In den politischen Kampf für und gegen die belgische Einheit wird auch das Nationalteam – welches übrigens schon lange nicht mehr nur aus Flamen und Wallonen, sondern auch von zahlreichen Spielern mit Migrationshintergrund gebildet wird – immer wieder involviert. Medienwirksam, mit voller Absicht.

So wie im Herbst, als die Sozialisten im Parlament zu einem Applaus für die „Roten Teufel“ aufforderten, weil sie die Spitze der Weltrangliste erobert hatten. Die flämischen Nationalisten verschränkten demonstrativ die Arme. Nur weil die Nationalmannschaft funktioniere, bedeute das nicht, dass auch Belgien funktioniere, ließen die Flamen hinterher wissen.

Doch bei der EM soll Belgien funktionieren. Das haben sich Wilmots und sein verletzter Kapitän Vincent Kompany schon Wochen vor der Endrunde versprochen. „Unser Ziel muss das Finale sein“, sagte Wilmots mit Blick auf seine Starmannschaft um De Bruyne, Eden Hazard, Romelu Lukaku und Thibaut Courtois, die bei der WM im Viertelfinale an Argentinien gescheitert war (0:1). Sollte es der EM-Titel werden, verdient sich die „Goldene Generation“ eine goldene Nase: 704.000 Euro pro Spieler ist Rekord – und sicher ein Politikum.