Euro 2016

Die Schweiz rettet ein knappes 1:0 gegen tapfere Albaner

Im ersten Bruderduell der Europameisterschaft setzt sich Granit Xhaka gegen seinen älteren Bruder durch. Ein Schweizer überragt.

Der Schweizer Admir Mehmedi (l.) im Zweikampf mit Albaniens Taulant Xhaka. Dahinter sein Bruder Granit

Der Schweizer Admir Mehmedi (l.) im Zweikampf mit Albaniens Taulant Xhaka. Dahinter sein Bruder Granit

Foto: Evrim Aydin / picture alliance / AA

Lens. Sie hatten geschrien, geklatscht und gesungen, sich 93 Minuten lang völlig verausgabt. Rund 20.000 albanische Fans peitschten ihre Mannschaft bei deren EM-Premiere gegen die Schweiz lautstark und leidenschaftlich nach vorn, am Ende aber blieb nur eine Mischung aus Enttäuschung und Erschöpfung.

Trotz Unterzahl brachte Albanien die Eidgenossen zwar an den Rand einer Blamage, vergab seine Chancen allerdings kläglich und verlor durch ein Tor des Hoffenheimers Fabian Schär (5. Minute) mit 0:1 (0:1).

Die Augen der 33.805 Zuschauer im Stade Bolaert-Deleis hatten sich vor allem auf das erste Bruderduell der EM-Geschichte gerichtet. Granit Xhaka (23), gerade von Borussia Mönchengladbach zum FC Arsenal gewechselt, traf auf den 18 Monate älteren Taulant im Trikot der Albaner. Mutter Elmaze wollte sich auf der Tribüne nicht für eine Seite entscheiden.

Sie trug ein T-Shirt mit jeweils der Hälfte der Schweizer und der albanischen Flagge. Die markantesten Momente des Geschwister-Kampfes fanden allerdings vor und nach dem Spiel statt, als sich die Brüder umarmten und ihre Trikots tauschten.

Trotz Unterzahl: Albanien ist dem Ausgleich nahe

Stattdessen wurde die Partie von den beiden Torhütern entschieden. Albaniens Keeper Etrit Berisha verschätzte sich bei einem Eckball des früheren Bayern-Profis Xherdan Shaqiri, sodass Schär zum frühen 1:0 einköpfen konnte. Auf der anderen Seite avancierte der Gladbacher Yann Sommer zum Matchwinner. In Halbzeit eins rettete er in höchster Not gegen Armando Sadiku (31.).

Drei Minuten vor Ende der regulären Spielzeit parierte er dann gegen den freistehenden Shkelzen Gashi. „Ich bin glücklich, dass ich der Mannschaft so helfen konnte, dass wir das Spiel gewonnen haben“, sagte der 27 Jahre alte Schlussmann. „Für uns war der Druck groß, Albanien hatte nichts zu verlieren. Das war nicht einfach.“

Der frühe Führungstreffer hätte den spielerisch deutlich überlegenen Schweizern Rückenwind und Selbstvertrauen geben können. Doch die Mannschaft von Trainer Vladimir Petkovic, der die Hertha-Profis Fabian Lustenberger und Valentin Stocker nicht für die EM nominiert hatte, wirkte lange Zeit nervös. So auch Blerim Dzemaili, der das 2:0 auf dem Fuß hatte, aber an Berisha scheiterte (15. Minute).

Gelb-Rot für Albaner Lorik Cana

Albanien indes kam zunehmend besser in die Partie. Ihre erste große Möglichkeit hatten die Turnier-Neulinge nach einer halben Stunde, doch Armando Sadiku vergab völlig freistehend vor Sommer. Weitaus ärgerlicher war jedoch der Platzverweis von Kapitän Lorik Cana (37.), der sich ein ungeschicktes Handspiel leistete und Gelb-Rot sah.

Ein Fauxpas, der den Schweizern zunächst in die Karten spielte. In Überzahl erspielten sie sich weitere gute Möglichkeiten, die beste vergab erneut Dzemaili, der einen Freistoß nur an den Pfosten setzte (38.). Auch Haris Seferovic von Eintracht Frankfurt hatte insgesamt drei gute Gelegenheiten (43., 53., 66.) zur Ergebnisverbesserung.

Albanien aber kämpfte, wollte sich nicht geschlagen geben. Angetrieben von den eigenen Fans brachten sie die mehrfach schlecht sortierten Schweizer in Verlegenheit. Sadiku hatte nach 77 Minuten die Gelegenheit zum Ausgleich, traf aber nur das Außennetz.

Taulant Xhaka wird ausgewechselt

„Wir hatten unbeschreibliche Chancen“, sagte Albaniens Trainer Gianni De Biasi, „aber wir haben uns in den ersten 20 Minuten nicht so eingebracht, wie ich mir das vorgestellt habe. Mein Team hat sich von den Emotionen überwältigen lassen. Das frühe Gegentor und der Platzverweis haben es noch schwieriger gemacht.“

Und das Geschwisterduell? Das entschied Granit klar für sich, gewann deutlich mehr Zweikämpfe (21) als sein Bruder (12) und dominierte auch bei den Ballkontakten (121:42.).

Trainer De Biasi konnte der Leistung von Taulant Xhaka wenig abgewinnen, nahm ihn bereits nach gut einer Stunde vom Platz. Xhaka reagierte stinksauer und feuerte eine Trinkflasche gegen die Verschalung der Ersatzbank. Der Kampf der Brüder, er war vorzeitig beendet.

Vladimir Petkovic bemängelte zwar die Passivität nach dem 1:0, konnte mit dem Ergebnis aber gut leben. „Wir haben den ersten wichtigen Schritt gemacht“, sagte der Schweizer Coach. „Unser Sieg war glücklich, aber auch verdient.“

Mittwoch (18 Uhr) trifft die Schweiz auf Rumänien, Albanien bekommt es mit Gastgeber Frankreich zu tun (21 Uhr). Die Enttäuschung der Fans wird bis dahin verflogen sein.