Technik

Kabel, DVB-T oder Stream: Wer jubelt bei der EM zuerst?

Mit zahlreichen Apps und Gadgets macht die EM auch auf kleinen Displays einen Riesenspaß. Bei der Geschwindigkeit gibt es Unterschiede.

Die Europameisterschaft beginnt. Wer nicht im Stadion oder beim Public Viewing ist, hat viele Möglichkeiten, sie zu verfolgen.

Die Europameisterschaft beginnt. Wer nicht im Stadion oder beim Public Viewing ist, hat viele Möglichkeiten, sie zu verfolgen.

Foto: Abedin Taherkenareh / dpa

Berlin.  Endlich! Am Freitagabend beginnt die Fußball-Europameisterschaft. Gerade die Gruppenspiele finden leider oft zu Tageszeiten statt, an denen man sich nicht unbedingt vor den Fernseher setzen kann. Gar kein Problem: Mit der richtigen Vorbereitung werden Smartphone und Tablet zum perfekten EM-Begleiter.

Die EM für die Hosentasche

Wer Fußball via App schauen möchte, hat es bei der Wahl der entsprechenden Programme relativ leicht: Die meisten Spiele werden entweder von ARD oder ZDF übertragen, nur sechs Vorrundenspiele laufen bei Sat.1. Geradezu vorbildlich ist hier das Angebot der „ZDF-App“ (kostenlos, für Android, iOS). Unter dem Menüpunkt „EM 2016“ landet man in einem Untermenü, das etliche Informationen zur EM bietet. Neben neusten Nachrichten gibt es eine Spielplanübersicht sowie Infos und Statistiken zu den jeweiligen EM-Kadern. Noch spannender aber: Unter „MyView“ können bei Livespielen spannende Momente noch einmal aus verschiedenen Kameraperspektiven angeschaut werden – auch während der Liveübertragung kann man aus verschiedenen Kameraperspektiven wählen.

Für das erste Programm gibt es sogar drei Apps: „Das Erste“ (kostenlos, für Android, iOS, Windows Phone) und „ARD Mediathek“ (Android, iOS). Die beiden ARD-Apps beschränken sich dabei allerdings auf den schnöden Live­stream. Zusatzinfos gibt es hier keine. Die könnte man sich bei der frisch überarbeiteten „Sportschau“-App (kostenlos, für Android, iOS, Windows Phone) besorgen. Auch hier werden die ARD-Spiele live gezeigt, außerdem gibt es Zusatzinfos wie einen interaktiven Spielplan.

Die ProSieben-Sat.1-App heißt „7TV“ (kostenlos, für Android, iOS, Windows Phone) und bietet Zugriff auf zahlreiche Inhalte der Sendergruppe. Live-Fernsehen kostet allerdings 2,99 Euro pro Monat extra. Glücklicherweise kann man die Funktion 30 Tage lang testen – das reicht für die Vorrunde aus. Übrigens geht man laut App mit dem Test auch kein Abo ein.

Datenschleuder Livestream

Mit den oben genannten Apps und einem Smartphone bewaffnet kann man tatsächlich fast überall EM-Spiele schauen – dank mobilem Internet. Wer gedanklich jetzt schon alle Spiele im Park plant, sei gewarnt: Mit superschnellem LTE ist es zwar kein Pro­blem, eine Partie auch in scharfer HD-Qualität zu streamen – bloß dürften die meisten Nutzer auf diese Weise nicht einmal die erste Partie heute Abend zu Ende sehen können. Problem ist nämlich, dass Videos hohe Datenmengen verschlingen, scharfe HD-Videos natürlich allemal. So kann ein Spiel mit Halbzeitpause ruck, zuck ein oder gar zwei Gigabyte verbraten. Mehr als die meisten Nutzer im ganzen Monat zur Verfügung haben. So mag der Datenfunk taugen, um die ersten Minuten nach dem Anstoß zu zeigen, bevor man zu Hause ankommt – ganze Spiele sollte man aber besser nur mit WLAN-Verbindung schauen.

DVB-T am Handy

Wer regelmäßig unterwegs EM-Spiele auf seinen Mobilgeräten schauen möchte, hat aber eine Alternative: Antennenfernsehen – dank DVB-T-Adapter für Tablet und Smartphone. Sie lassen sich per Micro-USB oder Lightning-Anschluss an Android- bzw. iOS-Gerät anstecken und zeigen dann das Antennensignal auf dem Display an. Qualitativ ist das Bild zwar merklich schlechter als ein gutes Live­stream-Signal, dafür werden keine mobilen Daten benötigt. Anbieter sind etwa Geniatech mit EyeTV Mobile (iPhone&iPad, ca. 85 Euro) und EyeTV Micro (Android, ca. 60 Euro) oder auch Medions WLAN-DVB-T-Empfänger (Smartphone, Tablet, Notebook, ca. 70 Euro). Achtung: Spätestens zur nächsten WM braucht man dann einen neuen DVB-T2-HD-fähigen Ersatz.

Aus Klein mach Groß

Mit Smartphone und App kann man EM-Spiele also auch im Garten schauen – für Gruppen sind die kleinen Displays aber ungeeignet. Eine einfache Möglichkeit, um das Videobild der vorgestellten Apps auch auf Fernseher oder Beamer wiederzugeben, ist etwa Googles Chromecast (ca. 40 Euro). Der kleine Hardware-Stecker wird in den HDMI-Port des TVs gestöpselt und bringt so das Videosignal der Apps per WLAN auf den großen Bildschirm. Ebenfalls gut funktionieren Amazons Fire-TV-Stick (ca. 40 Euro) oder für iOS-Geräte Apple TV (ab 80 Euro). Auf Nachfrage gab das ZDF übrigens an, dass MyView-Kameraperspektiven mit Chromecast eher nicht auf TVs gestreamt werden können, das funktioniere nur „vereinzelt mit Androidgeräten“. Mit Fire TV und AppleTV solle dies aber klappen.

App-Tipps für Tipp-Apps

Was wäre die EM ohne gemeinsame Tipprunden. Wer große Papierplakate oder Excel-Tabellen scheut, kann auch dies per App erledigen. Der derzeit wohl schönste Vertreter ist die App „Tipp­ster“(kostenlos, für Android, iOS). Grafisch frisch und witzig gestaltet kann man hier recht schnell eine Tipprunde erstellen und seine Tipps abgeben. Derzeit fehlen noch einige Funktionen, die Entwickler versprachen der Redaktion aber, dass diese spätestens Mitte kommender Woche nachgeliefert würden. Weniger schön, aber komplett ist ansonsten auch die „Kicktipp“-App (kostenlos, für Android, iOS, Windows Phone).

Geschwindigkeit

Wer über Satellit oder DVB-T 2 Fußball schaut, kann fast zeitgleich mit den Fans im Stadion jubeln. Hier gibt es kaum Verögerungen. Das normale Satelliten-Programm bei der Übertragung von ARD und ZDF in Standardauflösung ist am schnellsten, wie das Portal t-online.de berichtet. Die HD-Versionen beider Sendewege hinkten demnach leicht, aber kaum spürbar hinterher. Wer hingegen über Kabel fern sieht, auf den kommen Verzögerungen von 4 bis 8 Sekunden zu. Die Verzögerung variiert je nach Kanal und Auflösung.

Noch länger warten muss, wer IPTV-Angebote wie „Entertain“ von der Telekom nutzt. Hier vergehen zwischen dem Tor im Stadion und der Ausstrahlung auf dem eigenen Fernseher bis zu 15 Sekunden. Streaming-Dienste schneiden bei der Geschwindigkeit am schlechtesten ab. Wer über die Mediatheken der TV-Sender schaut, der wartet gute 30 Sekunden.

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