Euro2016

Boateng lässt seine Familie bei der EM nicht ins Stadion

Weil der Innenverteidiger Angst vor Anschlägen hat, soll seine Familie nicht dabei sein – dabei tut Frankreich viel für die Sicherheit.

Jérôme Boateng mit seinen Töchtern Soley (l.) und Lamia

Jérôme Boateng mit seinen Töchtern Soley (l.) und Lamia

Foto: sampics / picture alliance / sampics / Ste

Paris.  Die Angst vor Anschlägen ist allgegenwärtig. Wenn die deutsche Nationalmannschaft in Frankreich um den EM-Titel spielt, wird deshalb auch die Familie von Jérôme Boateng nicht im Stadion sein - sondern in Sicherheit. „Das Risiko ist mir einfach zu groß“, sagte der Bayern-Star zwei Tage vor dem Eröffnungsspiel der EM am Freitag in Paris der „Sport Bild“. Es wird ein Fußballfest im Ausnahmezustand.

„Es ist natürlich einerseits traurig, dass man sich mit solchen Themen auseinandersetzen muss. Andererseits sind zuletzt eben viele Dinge passiert, die einen nachdenklich machen“, sagte der Abwehrchef des Weltmeisters: „Ich für meinen Teil will mich bei der EM allein auf Fußball konzentrieren können, und da fühle ich mich einfach wohler, wenn meine Familie nicht im Stadion sitzt.“

Bei den Anschlägen von Paris im vergangenen Jahr wurden 130 Menschen ermordet und Hunderte weitere teils schwer verletzt. Boateng stand an jenem 13. November im Stade de France auf dem Platz, als sich auch vor dem Stadion ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengte. Zwar findet die EM nun gut ein halbes Jahr später unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Garantien kann es aber nicht geben.

Ausnahmezustand bis zum Ende der Tour de France

„Wir tun alles Mögliche, um einen Terroranschlag zu verhindern“, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve, dessen Behörde während des Turniers Millionen Touristen schützen muss: „Null Prozent Vorsorge bedeuten 100 Prozent Risiko. Aber 100 Prozent Vorsorge bedeuten nicht, dass wir null Prozent Risiko haben.“

Staatspräsident Francois Hollande vermittelte, dass es „diese Bedrohung für eine lange Zeit geben“ werde. Nachrichten wie vom Montag, als die Festnahme eines mutmaßlichen Terroristen mit zwei Panzerfäusten, fünf Maschinengewehren und 125 Kilogramm Sprengstoff im Gepäck an der ukrainischen Grenze bekannt wurde, belegen das. Der Franzose hatte in seinem Heimatland 15 Anschläge geplant.

Mehr als 90.000 Sicherheitskräfte sollen das Risiko rund um die zehn Arenen und beim Public Viewing so gut es geht minimieren. Die Regierung hat bis nach dem Ende der Tour de France (2. bis 24. Juli) den Ausnahmezustand verhängt. Zudem hat das französische Innenministerium eine Handy-App vorgestellt, mit der Nutzer im Fall eines Terroranschlags gewarnt werden sollen.