Nationalmannschaft

Neuers mögliche Nachfolger halten nicht, was sie versprechen

Beide Ersatztorhüter sahen beim Test gegen die Slowakei schlecht aus. Dabei haben sie genug internationale Erfahrung.

Foto: Alex Grimm / Bongarts/Getty Images

Ascona.  Marc-André ter Stegen strebte zügig dem Ausgang des Augsburger Stadions entgegen. Ein guter Abend war es nicht gewesen. Nicht für ihn, nicht für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Beim 1:3 gegen die Slowakei hatte der Torwart eine unglückliche Figur gemacht.

Ein nicht gerade fulminant getretener Ball rutschte ihm durch die Hände und Beine ins Tor. „Natürlich ärgert mich das Gegentor. Aber ich bewerte das nicht über, weil ich weiß, was da passiert ist“, sagte der 24-Jährige.

Seine Sicht war beeinträchtigt durch die Gischt eines Unwetters, der Platz nass, der Ball rutschig. „Ich will ihm keinen Vorwurf machen, ich weiß, was er kann und dass er so einen Ball normalerweise hält“, urteilte Bundestrainer Joachim Löw milde.

Ein Fluch? „Quatsch“

Dennoch bleibt die Beziehung des früheren Gladbachers zur Nationalelf belastet. In seinen ersten drei Länderspielen seit seinem Debüt 2012 kassierte er zwölf Gegentreffer, manche hatte er selbst verschuldet. In Augsburg trug er zum sechsten Mal das Trikot der Nationalelf und lieferte eine weitere unterdurchschnittliche Leistung ab.

Ein Fluch? „Quatsch“, sagt ter Stegen. Dabei war er erst in der Halbzeit für Bernd Leno eingewechselt worden. Dessen Debüt verlief ebenfalls unglücklich, weil er hauptsächlich damit beschäftigt war, die Bälle aus dem Tor zu holen. Zwei drauf, zwei drin.

Nicht(s) zu fassen: Die deutschen Torhüter hielten kaum einen Ball. Ein Umstand, der Löw nicht gerade in größte Sorge versetzt. Doch ist es erstaunlich, dass auf dieser Position keine vertrauenswürdige Alternative zur Nonplusultra-Nummereins Manuel Neuer (30 Jahre) gefunden zu sein scheint.

Große Erfahrung in der Champions League

Wenn die kommende Saison in der Champions League beginnt, werden sich deutsche Schlussmänner ständig in den großen Arenen Europas über den Weg laufen: Ron-Robert Zieler heuert vermutlich beim englischen Meister Leicester City an, ter Stegen spielt beim spanischen Meister FC Barcelona, Kevin Trapp hütet das Tor des französischen Titelträgers Paris Saint-Germain, Neuer mit Bayern München und Leno mit Leverkusen gesellen sich hinzu.

Selbst dahinter tummeln sich überdurchschnittlich talentierte Männer wie Ralf Fährmann (Schalke) und Timo Horn (Köln), die auf eine Einladung in den Kreis der Elite hoffen durften. Vergeblich.

Löw nominierte den im Adlertrikot unerfahrenen Leno und den im schwarz-rot-goldenen Auftrag fahrigen ter Stegen. Zwei, deren Verhältnis angespannt ist, seit sie Konkurrenten in der U21 waren. „Von den Problemen, die es mal gegeben hat, ist hier nichts zu sehen“, sagt Bundestorwarttrainer Andres Köpke, „die beiden gehen sich nicht aus dem Weg.“ Vermutlich aber wäre es ganz gut für die Ambitionen der deutschen Mannschaft, wenn Manuel Neuer während des Turniers einer Sperre oder einer Verletzung aus dem Wege ginge.