Füchse Berlin

Mattias Zachrisson: Aufbruch in ein neues Leben

Mattias Zachrisson war bei allen Titeln der Füchse Berlin dabei. Jetzt muss er seine Karriere verletzungsbedingt beenden.

Beim EHF-Pokal-Triumph der Füchse Berlin machte Mattias Zachrisson sein wohl bestes Spiel.

Beim EHF-Pokal-Triumph der Füchse Berlin machte Mattias Zachrisson sein wohl bestes Spiel.

Foto: Jan Kuppert / picture alliance / Jan Kuppert/dpa

Berlin. Mattias Zachrisson sitzt im Auto. Er ist auf dem Weg nach Berlin. Um sein altes Leben hinter sich zu lassen. Und schon bald in ein neues zu starten. „Ja, jetzt kommt ein neues Leben. Ohne Handball. Ich bin gespannt“, sagt der 30-Jährige. Am Sonntag gaben die Füchse Berlin und der schwedische Handball-Verband bekannt, dass Zachrisson seine Karriere beendet.

Sofort. „Das war natürlich eine schwere Entscheidung. Ich bin traurig und enttäuscht“, erklärt Zachrisson. „In den letzten 15 Jahren war Handball mein Leben, meine Arbeit.“ Doch jetzt macht die Schulter nicht mehr das, was sie soll. Drei Operationen in vier Jahren, rechts ging noch alles gut. Aber als sich der Schwede vor eineinhalb Jahren an der Schulter seines Wurfarms verletzte, begann die Leidenszeit. 512 Tage ist es her, dass Zachrisson zum letzten Mal für die Füchse auf dem Feld stand. Am 9. Juni 2019 gegen Wetzlar.

Zachrisson machte 162 Bundesliga-Spiele für die Füchse Berlin

Jetzt wollte es das Schicksal so, dass der Rechtsaußen nach dem Spiel der Berliner am Sonntag verabschiedet wurde – wieder gegen Wetzlar. „Das ist schon ein lustiger Zufall“, sagt Zachrisson. Weniger lustig war der Weg zu seiner Entscheidung. Einige Monate habe er hin und her überlegt, mit seiner Familie und Freunden beraten. Den Ausschlag gab ein Arztbesuch im August.

„Ich habe alles versucht, um zurückzukommen“, erklärt Zachrisson, der die vergangenen Wochen in Schweden verbracht hat. „Aber der Arzt hat gesagt, dass ich nie wieder auf dem Niveau spielen kann, wie ich es getan hab. Ich wusste, dass meine Schulter schlecht war, aber ich hatte gehofft, noch fünf Jahre spielen zu können.“

Nun muss er seine Karriere nach fast 15 Jahren als Profi beenden. Sieben davon war er Teil der Füchse, machte 162 Bundesliga-Spiele seit 2013, erzielte dabei 463 Tore und war bei allen Titeln der Berliner dabei: 2014 gewann er den DHB-Pokal, 2015 und 2018 den EHF-Cup, dazu noch zweimal die Vereins-WM in Doha (2015, 2016). „Vereinstreue, Leidenschaft und Herzblut stehen bei ihm über allem“, sagt Geschäftsführer Bob Hanning. „Er ist ein großartiger Mensch und ein großartiger Sportler.“

Zachrisson war auf dem Feld ein Alleskönner

Ein großartiger Sportler, der im Team von Trainer Jaron Siewert nun fehlen wird. Das Gespräch mit der Mannschaft sei sehr hart gewesen. „Ein schwerer Moment, mit einer komischen Stimmung“, erzählt Zachrisson. Auch als er Stefan Kretzschmar seine Entscheidung mitteilte, flossen Tränen. „Das war das emotionalste Gespräch dieses Jahr“, sagt der Sportvorstand.

Zachrisson war eben einer, der immer da war. Dessen Wert man aber vor allem dann erkannte, wenn er mal verletzt fehlte. Denn der schwedische Nationalspieler war nicht nur auf Rechtsaußen umtriebig. Wenn den Trainern das Personal im rechten Rückraum ausging, war der 1,78 Meter große Linkshänder zur Stelle. „Immer, wenn man ihn gebraucht hat, war er da“, weiß Manager Hanning.

So wie im EHF-Pokalfinale im Mai 2018 in Magdeburg. Als Zachrisson im Endspiel gegen den französischen Klub St. Raphael (28:25) mit neun Toren sein wohl bestes Spiel im Füchse-Trikot machte. „Das war ein besonderer Moment, das werde ich nicht vergessen“, sagt er. „Ich bin wirklich stolz auf das, was ich mit den Füchsen erreicht habe.“

Für Zachrisson geht es zurück in die schwedische Heimat

Auch in der Nationalmannschaft gibt es Erlebnisse, an die er sich gern erinnert. Der zweite Platz bei Olympia 2012 in London, aber vor allem an die Europameisterschaft 2018. Als das schwedische Team im Halbfinale den haushohen Favoriten aus Dänemark schlug. „Das war eine Überraschung“, sagt Zachrisson, und man kann sogar durch das Telefon hören, dass er dabei lächelt. Im Finale gegen Spanien setzte es dann eine Niederlage. Stolz waren die Schweden trotzdem auf ihr EM-Silber.

Einer, der bei der EM vor zwei Jahren mit von der Partie war und die Karriere von Zachrisson maßgeblich geprägt hat, ist Kristjan Andresson. Der Schwede war nicht nur von 2016 bis 2020 Nationalcoach. Er gab der Laufbahn von Zachrisson auch Starthilfe, als er sechs Jahre sein Trainer beim IF Guif war. „Er hat mir viel Vertrauen gegeben, mir geholfen“, erinnert sich „Zacke“, der von 2006 bis 2013 in Eskilstuna gespielt hatte. Und Andresson riet dem damals 22-Jährigen, sein Glück in Deutschland, in Berlin bei den Füchsen zu suchen.

Jetzt geht es für Zachrisson wieder zurück, nach Eskilstuna, wo er sich ab Anfang nächsten Jahres um seine Karriere nach der Karriere kümmern will. Eine Ausbildung, vielleicht ein Studium, auf jeden Fall irgendwas mit Handball. „Mein Ziel ist es, bei einem Verein in Schweden eine Rolle zu finden“, sagt der Vater eines Sohnes. Davor aber steht sein Umzug an. Am Montag geht es mit Sack und Pack per Auto zurück nach Schweden. In ein neues Leben, erst mal ohne Handball.

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