Füchse Berlin

Valter Chrintz ist die schwedische Geheimwaffe der Füchse

Neu-Fuchs Chrintz trifft in der European League auf seinen alten Klub und soll die Berliner nicht nur im Fußball besser machen.

Valter Chrintz kam im Sommer aus Kristianstad zu den Füchsen Berlin und trifft am Dienstag auf seinen Ex-Klub.

Valter Chrintz kam im Sommer aus Kristianstad zu den Füchsen Berlin und trifft am Dienstag auf seinen Ex-Klub.

Foto: Moritz Eden / City-Press GmbH

Berlin. Kicken kann er ziemlich gut. Da sind sich Jaron Siewert und Paul Drux einig. Fragt man den Trainer und den Kapitän der Füchse Berlin, was Zugang Valter Chrintz so drauf hat, werden erst einmal die Fußball-Künste des jungen Schweden gelobt. „Er ist eine echte Verstärkung für Team Jung“, sagt Drux. Im Training wird beim Handball-Bundesligisten gern mal das Spielgerät getauscht, um das Duell „Jung gegen Alt“ mit den Füßen auszufechten.

Mit Chrintz haben sich die Füchse also eine echte Geheimwaffe gesichert. Nicht nur beim Fußball, auch was die Vorbereitung auf das Spiel in der European League gegen IFK Kristianstad an diesem Dienstag (20.45 Uhr, Schmeling-Halle) angeht. „Es ist echt verrückt, jetzt gegen sie zu spielen. Ich hab sie erst vor zwei Monaten verlassen“, sagt Chrintz, der drei Jahre für den schwedischen Topklub aufgelaufen war, „aber es wird lustig. Sie wissen alles über mich und ich alles über sie.“

Füchse Berlin reagierten auf Verletzung von Zachrisson

Deshalb hat Trainer Siewert in seiner Vorbereitung für das erste Gruppenspiel auf das Wissen seines Rechtsaußen zurückgegriffen. „Er kann manche Dinge viel besser einschätzen als ich im Videostudium“, sagt Siewert. Die Analyse seines 20 Jahre alten Profis: „Kristianstad hat eine Menge erfahrener Spieler, einige waren auch schon in der Bundesliga aktiv. Sie spielen schnellen Handball, haben zwei gute Torhüter. Deshalb wird es eine schwere Partie.“

Für Chrintz wird es merkwürdig sein, im schwarzen European-League-Trikot der Füchse aufzulaufen, statt das orangefarbene Shirt der Schweden überzuziehen. Solange ist der Linkshänder schließlich noch nicht in Berlin. Dass er überhaupt schon da ist, ist einem unglücklichen Umstand zu verdanken. Weil sich die Schulterverletzung von Mattias Zachrisson als langwieriger entpuppte als gehofft, wurde der Transfer von Chrintz vorgezogen.

Der junge Nationalspieler war im Sommer für ein Wochenende nach Berlin gekommen, um sich Verein und Stadt anzuschauen. Ein Wechsel 2021 war geplant, er sprach mit Sportvorstand Stefan Kretzschmar und auch mit Rechtsaußen-Routinier Hans Lindberg (39). „Da hatte ich ein gutes Gefühl“, erzählt Chrintz. Dann aber kam die Hiobsbotschaft, Ersatz für Zachrisson musste her. Und zwar sofort.

Wäsche waschen, einkaufen, putzen - kein Problem für Chrintz

„Das war erst mal ein Schock“, gibt Chrintz zu. Er beriet sich mit seinen Eltern, nahm sich eine Woche Bedenkzeit und entschied schließlich, „nach Berlin zu gehen und mich in der Bundesliga, in der besten Liga der Welt, zu beweisen.“ Mittlerweile hat er seine eigene Wohnung in Prenzlauer Berg bezogen, mag die Umgebung, die vielen kleinen Cafés und verschiedenen Restaurants.

Es ist ein neuer Lebensabschnitt für den jungen Schweden – das erste Mal raus aus der Heimat, gleich in ein fremdes Land, selbst Wäsche waschen, einkaufen und die Wohnung sauber halten. „Wenn du zu Hause wohnst, machen deine Eltern eine Menge, es ist selbstverständlich“, sagt Chrintz. „Jetzt muss ich es selbst machen, es ist viel zu tun. Aber ich hab das ganz gut im Griff.“

Dank seiner Teamkollegen fühlt sich der Neu-Berliner in der Hauptstadt schon recht heimisch. Vor allem Hans Lindberg nimmt sich viel Zeit für den beinahe halb so alten Chrintz. „Was Hans im ganzen Zusammenhang mit Valter – über Transfer bis Eingewöhnung und Unterstützung im Training – leistet, geht weit über das Normale hinaus“, sagt Trainer Siewert anerkennend.

Chrintz kommt mit seiner Art bei den Füchsen Berlin gut an

Der Däne Lindberg überzeugte Chrintz von einem Wechsel, zeigte ihm die Stadt und übersetzte auch gleich den Mietvertrag für die neue Wohnung. „Er ist ein wirklich guter Typ“, sagt Chrintz, „hat mir eine Menge geholfen. Ich bin echt froh, dass ich ein Team mit ihm auf Rechtsaußen bilde.“ Darüber sind sie auch bei den Füchsen froh. Chrintz kommt mit seiner Art gut an. Er sei ein super Typ, erzählt Kapitän Drux. Lebenslustig, mit viel Spaß beim Training.

Auch auf dem Feld versprüht der Profi viel Spielfreude. Bislang kam er zwar nur zu Kurzeinsätzen, wenn Stammkraft Lindberg mal eine Verschnaufpause brauchte, Chrintz konnte aber schon andeuten, warum ihn die Füchse unbedingt haben wollten. „Er ist ein riesiges Talent in Europa, gerade erst am Anfang seiner Entwicklung und sicherlich noch weit weg vom Leistungshorizont, den er erreichen kann“, ist sich sein Coach sicher. Chrintz ist ehrgeizig, will mehr, nicht nur der zweite Mann hinter Lindberg sein. „Er nimmt den Wettkampf gut an“, sagt Siewert. Wie ein Schwamm sauge Chrintz alles auf, schaut im Training genau hin, was sein 19 Jahre älterer Kollege Lindberg auf Rechtsaußen macht.

Vater Anders drückt Kristianstad die Daumen

Genau hinsehen wird auch Anders Chrintz. Der Vater des schwedischen Toptalents ist der Präsident von Kristianstad und war maßgeblich dafür verantwortlich, dass sein Sohn schon ein Jahr vor dem geplanten Wechsel die Freigabe erhielt. Am Dienstag wird auch er in der Schmeling-Halle sitzen, allerdings mit „gemischten Gefühlen“, wie er sagt. „Ich komme nicht in erster Linie als Vater von Valter, sondern als Präsident von Kristianstad. Aber ich hab kein Problem damit, wenn Valter zehn Tore macht, solange Kristianstad am Ende gewinnt.“

Bei den Füchsen haben sie etwas dagegen. Der Start in die Gruppenphase der European League soll erfolgreich werden. Ob Chrintz großen Anteil daran haben wird, bleibt abzuwarten. Bei einem ist sich Trainer Siewert aber sicher: „Wir werden noch viel Spaß an ihm haben.“ Vor allem mit dem Ball in der Hand.

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