Füchse Berlin

Paul Drux ist bei den Füchsen der direkte Draht

Paul Drux führt die Füchse seit dieser Saison als Kapitän an. Warum Trainer Siewert sich für den 25-Jährigen entschieden hat.

Paul Drux (M.) hat bei den Füchsen Berlin das Kapitänsamt von Hans Lindberg übernommen.

Paul Drux (M.) hat bei den Füchsen Berlin das Kapitänsamt von Hans Lindberg übernommen.

Foto: Modla /Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Die neue Aufgabe hat noch so ihre Tücken. Sonst ist Paul Drux vor Spielen der Füchse Berlin immer als Letzter aufs Feld gelaufen. Jetzt ist er der Erste. Und muss auch noch ständig diesen Wimpel für den Gegner mitnehmen. Als Kapitän hat man halt seine Pflichten. „Da werd ich mich definitiv bald dran gewöhnen“, ist sich der 25-Jährige sicher. Und bis es so weit ist, hat Drux mit Teambetreuer Thomas Otto, oder „Generale“, wie sie ihn bei den Füchsen liebevoll nennen, eine helfende Hand am Spielfeldrand, die den vergessenen Wimpel auch mal fix nachreicht oder ans pünktliche Einlaufen erinnert.

Vieles ist eben noch neu. Captain Drux hat erst in dieser Saison das Ruder beim Berliner Handball-Bundesligisten übernommen. In den vergangenen zwei Jahren hatte Hans Lindberg (39) die Füchse-Flotte angeführt und mit seiner Erfahrung aus 15 Jahren als Profi „einen extrem guten Job gemacht“, wie Drux findet. Auf Wunsch von Trainer Jaron Siewert, der im Sommer seinen Dienst als Cheftrainer antrat, sollte aber frischer Wind her.

Das Kapitänsamt bei den Füchsen ist der nächste logische Schritt

„Das war keine Entscheidung gegen Hans“, stellt der Coach klar, „sondern eine für Paul.“ Siewert und Drux kennen sich seit knapp zehn Jahren, spielten zusammen im Füchse-Nachwuchs und wurden gemeinsam mit der A-Jugend deutscher Meister. Das Duo „verbindet mehr als dieses Trainer-Spieler-Verhältnis“, erklärt Siewert. Und Drux ergänzt: „Wir wissen, wie der andere tickt. Es ist ihm schon wichtig, dass er da den direkten Draht hat.“

Drux soll nun mehr Verantwortung übernehmen, ist das Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Vereinsführung um Geschäftsführer Bob Hanning und Sportvorstand Stefan Kretzschmar. Und: „Ich erwarte, dass er diese Füchse-Mentalität reinbringt und verkörpert“, fordert Siewert. „Vom Kampfgeist her ist er immer vorbildlich, geht immer vornweg.“

Im Trainingslager im Spreewald Anfang August wurden Gespräche geführt, die finale Entscheidung der Mannschaft mitgeteilt. Ein bisschen überraschend sei das schon gewesen, erzählt Drux. „Dass es vielleicht irgendwann kommt, damit hab ich aber schon gerechnet.“ Schaut man sich den Karriereweg des gebürtigen Marienheiders an, scheint das Kapitänsamt nun der nächste logische Schritt zu sein.

Am Donnerstag geht es gegen Hannover-Burgdorf

2011 aus Gummersbach zu den Füchsen gewechselt, Erfolge in der Jugend gefeiert, den Durchbruch bei den Profis geschafft, zum Leistungsträger aufgestiegen, Titel gewonnen – und nun mehr Verantwortung. „Für die Entwicklung ist es sicherlich nicht schlecht, auch menschlich. Ich bin niemand, der danach geschrien hat, ich hab immer versucht, mich so ins Team einzubringen, dass es davon profitiert. Aber es wird auch bestimmt für mich für die Zukunft etwas bringen“, sagt Drux.

Der Nationalspieler kann mit Druck gut umgehen, wird für seine ruhige Art geschätzt. Doch der Rückraumspieler weiß auch, wann mal ein rauerer Ton angebracht ist, wie er seine Teamkollegen wachrütteln kann. Das war schon in den ersten Saisonspielen zu sehen, als Drux beim Arbeitssieg in Nordhorn (25:20) und beim umkämpften Remis in Leipzig (24:24) in manch einer Auszeit energisch auf den einen oder anderen Teamkollegen einredete. Nach der derben Derby-Pleite gegen den SC Magdeburg (22:32) suchte er keine Ausreden, monierte, dass sich die Mannschaft wie kleine Schulkinder verhalten habe.

Wenn die Füchse an diesem Donnerstag die TSV Hannover-Burgdorf in der Max-Schmeling-Halle empfangen (19 Uhr, Sky), soll alles schon ein wenig runder laufen als in den ersten drei Saisonspielen. „Wir wissen, dass die Situation nicht ganz so einfach war, mussten unsere Verletzten erst mal wieder einbinden“, erklärt Drux. „Das war natürlich keine Ausrede für das Spiel gegen Magdeburg. Aber man hat gesehen, dass die Mentalität in der Mannschaft stimmt, das haben wir gegen Leipzig schon gezeigt. Jetzt müssen wir das einfach spielerisch über 60 Minuten auch hinkriegen und nicht nur eine Halbzeit.“

Koch und Gojun könnten den Füchsen wieder helfen

Größtes Manko war bislang die fehlende Abstimmung. Trotz dreimonatiger Vorbereitung. Drux weist aber darauf hin, dass die Füchse auf einigen Schlüsselpositionen, wie in der Rückraum-Mitte oder im linken Rückraum Zuwachs bekommen haben. „Bis sich sowas findet, das dauert halt, um diese Automatismen zu entwickeln“, sagt er.

Drux selbst musste in den ersten drei Saisonspielen schon als Kreisläufer aushelfen und zuletzt in Leipzig auf halbrechts, obwohl er als Rechtshänder eigentlich eher im linken Rückraum unterwegs ist. Doch auf den Positionen war Not am Mann – sei es durch Verletzungen, Zeitstrafen oder Belastungssteuerung. Keine Dauerlösung. Deshalb hofft der Berliner, „dass wir gegen Hannover in besserer Mannschaftsstärke auflaufen können und jeder auf seiner gewohnten Position das abrufen kann, was er kann.“

Fabian Wiede soll nach seiner Schulterverletzung nach und nach mehr Spielzeit bekommen, Johan Koch könnte am Kreis zurückkehren und Abwehrchef Jakov Gojun als Verstärkung für die Defensive. „Wir sind qualitativ breiter aufgestellt“, findet Drux. „Das muss sich jetzt finden, die Zahnräder müssen zusammenpassen.“ Neuerungen brauchen eben ihre Zeit. Wer weiß das besser, als Kapitän Paul Drux.

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