Handball

Handball-Liga: „Keine Zweifel mehr“ am Abbruch der Saison

Die Handball-Bundesliga steht vor der Entscheidung. Dienstag könnte der Beschluss über einen vorzeitigen Abbruch der Saison fallen.

Füchse-Spieler Paul Drux wird diese Saison wohl nicht mehr zum Ball greifen.

Füchse-Spieler Paul Drux wird diese Saison wohl nicht mehr zum Ball greifen.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Hamburg. Die sorgenvollen Gedanken der Bosse kreisen bereits um die nächste Saison, ein vorzeitiges Ende der Handball-Bundesliga ist offenbar nur noch Formsache. „Ich habe keine Zweifel mehr daran, dass es zu einem Abbruch der Saison kommt,“ sagt Liga-Präsident Uwe Schwenker vor der mit Spannung erwarteten Videokonferenz der Verantwortlichen am Dienstagvormittag. Schon danach könnte der THW Kiel als erster deutscher Corona-Meister feststehen.

„Wir haben unsere Punkte in chronologischer Reihenfolge abgearbeitet und die Klubs transparent mitgenommen“, sagt Schwenker. Es gebe keine Alternative mehr zu einem Abbruch, die Zeit sei nicht mehr da. Das sieht offenbar auch die große Mehrheit der 36 Erst- und Zweitligisten so, obwohl die notwendige Dreiviertelmehrheit am Montagmittag noch nicht vorlag. Offiziell können die Klubs bis spätestens Freitag über einen Saison-K.o. abstimmen.

Füchse-Vorschlag findet keine Zustimmung

Zuletzt hatten die Füchse Berlin um Geschäftsführer Bob Hanning noch angeregt, auch über Geisterspiel-Szenarien zu grübeln. Doch das ist offenbar vom Tisch. „Ich unterstütze es, wenn kreative Ideen im Handball eingebracht werden, aber man muss sie auch zu Ende denken“, sagte Schwenker: „Es ist einfach nicht umzusetzen, daher hat der Vorschlag auch keine Zustimmung gefunden.“

Die Sehnsucht nach Klarheit scheint groß in der Branche und der Abbruch wohl maximal eine Frage von Tagen. „Es wäre gut, bald einen Schlussstrich unter die Saison ziehen zu können und auch über die Wertung eine Klarheit zu haben“, sagte Geschäftsführer Viktor Szilagyi vom Spitzenreiter THW Kiel am Sonntagabend im NDR Sportclub.

Er wünsche sich, dass sein Klub nun auch die Anerkennung für die Saison bekommt. Also den 21. Meistertitel, auf den die „Zebras“ fünf Jahre warten mussten und der bei Anwendung der vom Deutschen Handballbund (DHB) empfohlenen Quotientenregel (Punkte geteilt durch Spiele) fix wäre. Dierk Schmäschke, Chef des Erzrivalen SG Flensburg-Handewitt, hatte bereits bestätigt, eine derartige Entscheidung zu akzeptieren.

Mehr Sorgen bereitet die nächste Saison

Im Gegensatz zum Eishockey und Volleyball deutet alles darauf hin, dass die HBL ihre Saison wertet. „Eine komplette Annullierung halte ich für nicht wahrscheinlich“, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem Portal „Sportbuzzer“. Die Entscheidung läge im Verantwortungsbereich des Liga-Präsidiums, das bereits jetzt den Blick auch auf die kommende Saison richtet.

Denn die wirtschaftlichen Probleme der schwer getroffenen Bundesligisten sind mit einem vorzeitigen Ende der bislang unterbrochenen Saison nicht aus der Welt und die Klubs nicht gerettet. „Die Planungen für die Finanzierung der kommenden Saison sind praktisch nicht möglich“, sagte Bohmann. Die existenziell wichtige Zeit beginne erst mit Start der nächsten Spielzeit, meint Schwenker.

Wann und in welchem Format die kommende Saison losgehen kann, ist noch nicht absehbar. Klar ist dagegen, dass die Corona-Pandemie dem Handball noch stark zusetzen wird.