Handball

Gehaltsverzicht: Handballer hoffen auf Solidarität

Die Klubs der Handball-Bundesliga kämpfen in der Corona-Krise um ihre Existenz. Spieler sollen auf Teile ihres Gehalts verzichten.

Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning hofft auf eine Fortsetzung der Saison der Handball-Bundesliga.

Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning hofft auf eine Fortsetzung der Saison der Handball-Bundesliga.

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Es war schon vorbildlich, dass sich die Verantwortlichen der Handball-Bundesliga (HBL) am Montag zu einer Telefonkonferenz zusammenschalteten. Da soziale Kontakte in diesen Tagen dringend vermieden werden sollen, griffen die Geschäftsführer der 18 Vereine eben zum Hörer. Um zu beraten, wie es mit der bis Ende April unterbrochenen Saison weitergehen soll. Um zu überlegen, wie die wirtschaftlichen Schäden möglichst gering gehalten werden. Um das Nichtplanbare zu planen.

Es ist wahrlich eine unbefriedigende Situation. Niemand weiß, was in wenigen Tagen ist, wie sich die Corona-Pandemie entwickelt. Somit ist es auch schwierig, Prognosen darüber abzugeben, ob und wann die aktuelle Spielzeit fortgeführt wird. „Wir können alle nicht über Wasser laufen“, sagt Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin. „Aber wir haben immer noch die Hoffnung, egal wann, dass wir die Saison zu Ende spielen.“

Einige Vereine haben bereits Kurzarbeitergeld beantragt

Bis dahin müssen die Folgen auf einem möglichst verträglichen Niveau bleiben. Vor allem finanziell. Denn die Unterbrechung der aktuellen Saison bringt den einen oder anderen Klub an den Rande der Existenzbedrohung. „Wir müssen die Situation so gut es geht lösen. Das kann nur funktionieren, wenn Spieler, Staat und Sponsoren zusammenarbeiten“, sagt Hanning.

Einige Klubs haben bereits Kurzarbeitergeld beantragt. Zudem wurde beschlossen, dass die Spieler zu einem Gehaltsverzicht bewegt werden sollen. Solch eine Entscheidung würde die Handball-Profis deutlich härter treffen als ihre millionenschweren Kollegen aus dem Fußball. Aber Hanning ist sich sicher: „Ohne das ist es, glaube ich, kaum darstellbar.“

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Weltmeister Larsen von den Rhein-Neckar Löwen mit Corona infiziert

So sieht es auch die HBL: „Die größtmögliche Solidarität untereinander ist unabdingbar. Alle Beteiligten sind nun gefordert, ihren Beitrag zur Sicherung von Stabilität und Zukunft des professionellen Handballs zu leisten“, hieß es in einer Mitteilung. Besondere Situationen erfordern eben besondere Maßnahmen. Eine zwanghafte, zeitnahe Fortsetzung der Saison kommt aber trotz der Existenzbedrohung nicht infrage. „Die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung hat dabei selbstverständlich höchste Priorität“, so die HBL.

Kurz vor der Telefonkonferenz am Montagmorgen war außerdem bekannt geworden, dass sich nun auch der erste Bundesliga-Profi mit dem Coronavirus infiziert hat. Mads Mensah von den Rhein-Neckar Löwen wurde positiv auf das Virus getestet und in häusliche Quarantäne geschickt. „Wir befinden uns in ständigem Kontakt mit unserem Mannschaftsarzt, dem Gesundheitsamt sowie den Behörden und werden alles tun, was in unserer Macht steht, um eine Verbreitung des Virus zu verlangsamen“, sagte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann.

Nächste Besprechung der Verantwortlichen am Mittwoch

Der dänische Weltmeister hatte in der vergangenen Woche über grippeähnliche Symptome geklagt, mittlerweile gehe es ihm aber wieder besser. Nach eigener Aussage fühle er sich „fit und belastbar“. Auch Holger Glandorf gehe es gut. Obwohl sich der Ex-Nationalspieler von der SG Flensburg-Handewitt ebenfalls in Quarantäne befindet. Der Sohn des 36-Jährigen hatte Kontakt zu einer mit dem Virus infizierten Person gehabt.

Das Coronavirus macht also – genau wie in allen anderen Sportarten – auch nicht vor dem Handball halt. Umso wichtiger erscheint es den Verantwortlichen, die weitere Ausbreitung einzudämmen. Um die aktuelle Situation erneut zu analysieren und mögliche weitere Maßnahmen zu besprechen, wollen sich die 18 Bosse am Mittwoch erneut zusammensetzen. Natürlich nur via Telefon.