Handball

Neu-Fuchs Roth: „Wir müssen jetzt aufhören zu lamentieren“

Neu-Trainer Michael Roth steht mit den Füchsen direkt ein Endspiel um Europa bevor. Er will Reservisten eine neue Chance geben.

Michael Roths Marschroute für die Füchse Berlin ist klar: Ellbogen ausfahren und raus aus der Krise.

Michael Roths Marschroute für die Füchse Berlin ist klar: Ellbogen ausfahren und raus aus der Krise.

Foto: xim.gs / Philipp Szyza / picture alliance / xim.gs

Berlin. Michael Roth sitzt gerade im Taxi. Sein Auto wird erst in den nächsten Tagen nach Berlin gebracht. Bis dahin muss der neue Trainer der Füchse Berlin auf Alternativen umsteigen, um sich durch das Verkehrschaos in der Hauptstadt zu kämpfen. „Hier ist schon eine Menge los“, sagt der 58-Jährige. „Aber ich lebe seit eineinhalb Jahren in Hamburg, also bin ich die Großstadt schon gewöhnt.“

Für die nächsten Monate wird nun allerdings Berlin seine neue Heimat sein. Seit Freitag steht fest, dass der gebürtige Heidelberger den Handball-Bundesligisten bis zum Saisonende betreuen wird. Nach der Blamage gegen Tabellenschlusslicht Nordhorn (30:32) war für die Verantwortlichen um Sportvorstand Stefan Kretzschmar klar, dass gehandelt werden muss, um die ambitionierten Ziele der Füchse nicht aus den Augen zu verlieren. Trainer Velimir Petkovic musste seinen Posten räumen, Roth übernimmt.

Stimmung nach der Blamage gegen Nordhorn ist gut

„Der Anruf kam am späten Donnerstagabend“, erzählt der neue Coach. „Danach habe ich fast nicht geschlafen, mich dann am Freitagmorgen auf den Weg nach Berlin gemacht.“ Am Nachmittag stand das erste Treffen mit der Mannschaft an, ein erstes Training. Um zu schauen, in welcher Verfassung Kapitän Hans Lindberg und Co. sind – nach diesem Desaster gegen Nordhorn. „Die Spieler waren sehr motiviert, sehr wach“, sagt Roth. „Es wurde ein bisschen gelacht. Ich bin wirklich angetan, wie die Jungs mich aufgenommen haben.“

Roth soll nun einen neuen Impuls in die Mannschaft bringen, die sich unter Petkovic zuletzt unmotiviert und ideenlos präsentiert hatte. Allerdings gibt es durchaus einfachere Aufgaben für einen neuen Coach als direkt ein Endspiel um Europa. Ein solches wartet nämlich an diesem Sonntag auf die Füchse im EHF-Pokal, wenn sie in der heimischen Max-Schmeling-Halle die Spanier von Logrono La Rioja empfangen (16 Uhr, DAZN). „Da geht’s um viel“, weiß Roth. „Da heißt es: Augen offen und Brust nach vorn.“

Füchse müssen ihre Abwehr wieder stabilisieren

Nach dem Remis gegen Tatabanya (27:27) und der Niederlage vor einer Woche in Spanien (25:26) müssen die Füchse unbedingt punkten, wollen sie ihr großes Ziel, das Final Four Ende Mai in der eigenen Halle und damit die größte Titelchance in dieser Saison erreichen. „Ich werde versuchen, dass die Jungs freier im Kopf sind, ich werde ihnen das Handwerkszeug mitgeben und bin da, um ihnen zu helfen“, sagt Roth. Spieldisziplin, Tempo und eine stabile Abwehr waren Thema in der ersten Trainingseinheit.

Die dringendste Baustelle, an der der ehemalige Coach der MT Melsungen arbeiten muss, ist aber der Rückraum. Durch den Ausfall von Fabian Wiede (Reha nach Schulter-OP), Paul Drux (Entzündung in der Fußsohle) und Simon Ernst (Kreuzbandriss) fehlen den Füchsen dort drei Leistungsträger und damit auch Torschützen auf hohem Niveau. „Wir müssen jetzt aufhören zu lamentieren. Trotz der Verletzten ist noch genug Qualität da“, sagt Roth.

Der einstige Nationalspieler, der mit der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles Silber holte, kennt die Mannschaft nach zwei Tagen zwar noch nicht so gut, weiß aber trotzdem, wie er die personellen Engpässe im Rückraum lösen will. „Der eine oder andere Spieler, der bisher nicht so zur Geltung kam, wird jetzt seine Chance bekommen“, sagt Roth. „Michael Müller und auch Stipe Mandalinic.“

Roth konnte bisher nur als Spieler Titel gewinnen

Routinier Müller (35) kennt Roth, fünf Jahre arbeiteten die beiden in Melsungen zusammen. Unter Petkovic war Müller aber zuletzt nicht mal mehr eingewechselt worden. Rückraum-Shooter Mandalinic bekam zwar Spielzeit, fiel aber eher durch technische Fehler statt mit wuchtigen Würfen auf. Für dieses Duo und manch anderen Spieler, der zuletzt mehr auf der Bank als auf dem Feld zu finden war, ist der Trainerwechsel eine große Chance. Um Potenzial zu zeigen, um sich auch für die kommende Saison bei den Füchsen zu bewerben.

Doch bevor Jaron Siewert in der neuen Spielzeit an der Seitenlinie übernimmt, ist nun erstmal Michael Roth dran. Und der hätte auch nichts dagegen, in seinen drei Monaten bei den Füchsen den EHF-Pokal zu holen. „Ich bin nicht lange da, aber die Zeit müssen wir nutzen. Und ich habe zwar schon Titel gewonnen, aber nur als Spieler“, sagt Roth. Mit dem MTSV Schwabing (1986) und dem TV Großwallstadt (1987 und 1989) gewann der ehemalige Rückraumspieler den DHB-Pokal und wurde 1990 mit Großwallstadt deutscher Meister.

Dass auch den Berlinerin eine erfolgreiche Zukunft bevorsteht, da ist sich Roth sicher. „Ich bin fasziniert von dem Trainingszentrum hier, alles ist hochprofessionell. Da ist alles vorbereitet für Großes.“ Bevor es so weit ist, muss nun aber Roth die Gegenwart möglichst erfolgreich gestalten. Und die Füchse aus der Krise führen.

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