Handball

Die Füchse gehen mit vier Basketballern auf Titeljagd

Füchse-Abwehrchef Jakov Gojun setzt im Kampf um die Ligaspitze und im Duell mit Minden auf seine Zwei-Meter-Kollegen in der Deckung.

Übertrumpfen den gegnerischen Angriff: Dainis Kristopans (M.) und Jakov Gojun (r.).

Übertrumpfen den gegnerischen Angriff: Dainis Kristopans (M.) und Jakov Gojun (r.).

Foto: Jan Huebner/Taeger via www.imago-images.de / imago images

Berlin. Wirklich feiern konnte Jakov Gojun nicht. Weil sich seine Frau eine hartnäckige Grippe eingefangen hatte, musste der Abwehrchef der Füchse Berlin nach dem Derbysieg gegen den SC Magdeburg (25:24) am vergangenen Sonntag schnell nach Hause. Sich um die kranke Frau und die Kinder kümmern. Mittlerweile ist im Hause Gojun aber wieder alles fit. Also kann sich der 33-Jährige nun voll auf die Aufgaben konzentrieren, die auf den Berliner Handball-Bundesligisten warten.

Auf das Auswärtsspiel in Minden an diesem Donnerstag (19 Uhr, Sky) zum Beispiel. Oder auf die Ziele, die der Tabellendritte verfolgt. „Für uns geht es jetzt nur nach vorn“, sagt Gojun. „Wir haben ein Ziel: kämpfen für den zweiten Platz. Wenn es möglich ist, auch für den ersten.“ Eine ehrgeizige Kampfansage, gar Titelambitionen, die allerdings in das aktuelle Selbstverständnis der Füchse passen.

Platz drei ist Füchse-Abwehrchef Gojun noch nicht genug

Allerdings stehen mit Flensburg-Handewitt und dem THW Kiel die beiden Mannschaften vor den Berlinern, die in den vergangenen 16 Jahren 13 Mal die Meisterschaft unter sich ausgemacht haben. „Wir sind jetzt Dritter, aber jeder Spieler will immer mehr“, sagt Gojun. „Tschuldigung, aber Flensburg ist nicht unbedingt eine bessere Mannschaft als wir. Kiel ist momentan die beste Mannschaft, aber die sind auch hierhergekommen und haben verloren. Das ist Bundesliga, alles ist offen.“

Gojuns Vertrauen in sich und seine Mannschaft kommt nicht von ungefähr. In der Bundesliga haben die Füchse fünf Spiele in Folge gewonnen und sich in der Spitzengruppe festgesetzt. Das hatte am Anfang der Saison noch ganz anders ausgesehen. Als die Berliner mit zwei Niederlagen aus drei Partien in die Spielzeit starteten und nach der peinlichen Pleite zu Hause gegen Minden am dritten Spieltag (25:29) harsche Kritik von den Verantwortlichen einstecken mussten.

Füchse-Nationalspieler Drux fällt mit Fußverletzung aus

Fünfeinhalb Monate später, vor dem nächsten Duell mit den Ostwestfalen „sind wir eine andere Mannschaft“, sagt Gojun. „Wir wissen jetzt, was unsere Ziele sind, dass da im Mai das Final Four im EHF-Pokal in der eigenen Halle kommt. Ich glaube nicht, dass Minden uns jetzt Probleme bereiten kann.“

Sie alle sind auf Wiedergutmachung aus für diesen schwachen Auftritt Anfang September. Trainer Velimir Petkovic, der wohl auf Rückraumspieler Paul Drux (Entzündung in der Fußsohle) verzichten muss, will sich „diese zwei Punkte zurückholen“. Und Gojun weiß: „Das war ein schlechter Tag für uns. Das Spiel habe ich nicht vergessen. Und das ist eine Motivation für unsere Mannschaft. Wir sind jetzt stark im Kopf, sind Dritter, jede Mannschaft hat jetzt mehr Respekt vor uns.“

Kristopans bereichert das Deckungsspiel der Füchse

Großen Anteil an diesem Höhenflug hat Gojun selbst. Als Abwehrchef hält er das Prunkstück der Mannschaft zusammen, konnte mit einer stabilen Deckung schon den einen oder anderen Sieg sichern. Seit der Verpflichtung von 2,15-Meter-Mann Dainis Kristopans vergangene Woche ist die Defensive der Füchse noch schwieriger zu überwinden, stehen dort neben dem neuen Rückraum-Riesen mit Marko Kopljar (2,10 Meter), Mijajlo Marsenic (2,03 Meter) und Gojun (2,04 Meter) drei weitere Spieler über zwei Meter. „Wir sind jetzt fast ‘ne Basketballmannschaft“, scherzt Gojun.

Allzu viel zu lachen haben die Gegner da aber nicht. Der Respekt ist groß, vor allem seit Kristopans dabei ist. „Das ist ein großer Mann, eine große Verstärkung“, sagt Gojun. „Wir sind mit ihm sofort eine bessere Mannschaft, haben eine noch bessere Deckung.“ Und die ist für den Kroaten so etwas wie ein Sieggarant. „Ohne gute Abwehr kannst du kein Spiel gewinnen“, sagt er. „Aber zu wissen, dass wir echt gute Abwehrspieler haben, macht uns stark. Jede Mannschaft, die gegen uns spielen muss, weiß das.“ Und hatte deshalb zuletzt nicht viel zu feiern.

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