Handball

Hanning zu Trainer-Wechsel: „Haben das nicht gut gelöst“

DHB-Vizepräsident Bob Hanning reagiert selbstkritisch auf die Umstände rund um den Trainerwechsel bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft.

DHB-Vize Bob Hanning, Verbandspräsident Andreas Michelmann und Bundestrainer Alfred Gislason (v.r.) bei der Pressekonferenz in Hannover.

DHB-Vize Bob Hanning, Verbandspräsident Andreas Michelmann und Bundestrainer Alfred Gislason (v.r.) bei der Pressekonferenz in Hannover.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Hannover. Der neue Hoffnungsträger für den deutschen Handball kam im Shirt, während die Verbandsführung in dunklen Anzügen auf dem Podium saß. Bei der offiziellen Vorstellung als Bundestrainer musste sich Alfred Gislason mit der ungewohnten Nebenrolle abfinden. Bei der Pressekonferenz in einem Flughafenhotel in Hannover drehte sich am Freitag wenig um den 60 Jahre alten Isländer und vieles um den unrühmlichen Rauswurf seines Vorgängers Christian Prokop. „Wir verstehen, dass der Wechsel von Christian als unfair wahrgenommen wird und bedauern dies“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann.

Hanning musste Prokop die Nachricht überbringen

Mit wortreichen Erklärungen versuchte die kritisierte DHB-Spitze die Trennung von Prokop zu rechtfertigen. „Es tut mir leid für Christian“, sagte Michelmann. „Das war nicht geplant.“ Vizepräsident Bob Hanning, der anders als in den Vorjahren keine führende Rolle bei der Trainerentscheidung spielte, räumte ein: „Wir haben das definitiv nicht so gelöst, wie es einem solchen Verband gerecht werden sollte“, sagte der 51-Jährige, der auch Geschäftsführer des Bundesligisten Füchse Berlin ist.

Der Deutsche Handballbund hatte Prokop ungeachtet des verpassten Halbfinales bei der EM das Vertrauen ausgesprochen, nach einer internen Analyse aber zu Wochenbeginn Kontakte zu Gislason geknüpft. Am Donnerstag informierte Hanning den Leipziger dann telefonisch von dessen Beurlaubung.

Hannings DHB-Engagement endet 2021

„Christian darüber zu informieren, war eines meiner beschissensten Telefonate der vergangenen Jahre“, erklärte Hanning. An persönliche Konsequenzen, so der DHB-Vizepräsident weiter, habe er anders als 2018 diesmal nicht gedacht. Er werde aber nach dem Ende der aktuellen Wahlperiode 2021 nicht erneut kandidieren: „Auch meine Zeit ist endlich. Ich werde mich freuen, wenn es danach andere besser machen.“

Liga-Präsident Uwe Schwenker sprach von einer situationsbedingten Strategieveränderung, „die drei, vier Tage vorher noch nicht abzusehen war“. Im Klartext: Weil Gislason bereits mit einem anderen Verband verhandelte, warf der DHB sein bis 2022 ausgelegtes Personalkonzept über den Haufen und ersetzte Prokop nach kurzen Verhandlungen durch den langjährigen Erfolgstrainer des deutschen Rekordmeisters THW Kiel. „Ich war schon mit einem anderen Verband einig über ein langfristiges Projekt. Vier, fünf Stunden nach meiner Landung in Berlin kam der Anruf von Uwe Schwenker“, berichtete Gislason. Schwenker hatte sich zuvor auf der turnusmäßigen Präsidiumssitzung als Strippenzieher des Deals betätigt. „Ich war der einzige, der Kontakt zu Alfred hatte, und wusste, dass er zu Verhandlungen im Ausland war, um dort einen Vertrag zu unterschreiben“, berichtete er.

Gislason muss mit DHB-Auswahl Olympia-Ticket lösen

Gislason geht seine bevorstehende Aufgabe derweil mit riesiger Vorfreude an. „Es ist ein Traumjob, für Deutschland zu arbeiten“, sagte der Isländer, der seine Tätigkeit beim DHB am 9. März bei einem Lehrgang in Aschersleben aufnimmt. Die Zeit drängt, gilt es doch, beim Qualifikationsturnier vom 17. bis 19. April in Berlin noch das Ticket für die Olympischen Spiele zu lösen. In der Max-Schmeling-Halle kämpfen die Gastgeber gegen Schweden, Slowenien und Algerien um einen von noch zwei zu vergebenden Startplätzen für Tokio. Mit dem Heimvorteil im Rücken eine sportlich machbare Aufgabe, aber auch kein Selbstläufer.