Handball

Paul Drux: Vom kleinen Verlierer zum großen Gewinner

Füchse-Rückraumass Paul Drux hatte bei der EM seine Probleme als Spielmacher, könnte aber von der Lage bei den Berlinern profitieren.

Hatte bei dieser EM so seine Schwierigkeiten: Füchse-Rückraumspieler Paul Drux (l.).

Hatte bei dieser EM so seine Schwierigkeiten: Füchse-Rückraumspieler Paul Drux (l.).

Foto: Robert Michael / dpa

Berlin. Es gab sie immer wieder bei dieser Handball-EM. Die Momente, in denen diejenigen, die es mit den Füchsen Berlin halten, angstvoll zusammenzuckten. Wenn sich Paul Drux durch die gegnerische Abwehr tankte und unliebsame Bekanntschaft mit dem harten Hallenboden machte. Wenn der Rückraumspieler des Berliner Handball-Bundesligisten diverse Ellbogenchecks in der Deckung einstecken musste und sich vor Schmerzen schüttelte.

Die gute Nachricht aber ist: Drux hat sich nicht verletzt. Was die Füchse zu einem Gewinner des zurückliegenden Turniers macht, das am Sonnabend für die deutsche Mannschaft mit Platz fünf gegen Portugal endete. Denn das Team von Trainer Velimir Petkovic ist jetzt auf den 24-Jährigen angewiesen, wenn am Sonntag gegen Balingen der Bundesliga-Alltag einkehrt (16 Uhr, Max-Schmeling-Halle). Die Füchse brauchen ihren Drux – weil mit Spielmacher Fabian Wiede (Reha nach Schulter-OP) der wichtigste Mann auf der Rückraum-Mitte lange ausfällt.

Füchse-Spieler Drux glänzt eher in der Abwehr

Der Berliner hat bei den Füchsen also nun die gleiche Rolle inne, wie es in der Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) der Fall war. Er ist der große Hoffnungsträger. Bei der EM allerdings konnte Drux die in ihn gesetzten Erwartungen nicht wirklich erfüllen, manch einer bezeichnete ihn gar als einer der größten Verlierer im deutschen Team. In der angedachten Position des Spielmachers fühlte sich das Eigengewächs der Füchse nicht richtig wohl. Glänzen konnte Drux eher mit einer robusten Abwehrleistung und dem einen oder anderen Überraschungspass beim Tempospiel.

„Im Rückraum sieht man gegenüber den Medaillen-Kandidaten einfach das größte Potenzial, das wir noch nicht ausgeschöpft haben“, gestand sich auch Bundestrainer Christian Prokop ein, der nach den ersten Partien immer öfter auf den Leipziger Philipp Weber als Spielmacher setzte. Der 27-Jährige überzeugte, wurde zu einem der großen Gewinner dieser EM. „Für den ganz großen Wurf fehlt uns noch etwas“, konstatierte aber DHB-Vizepräsident und Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

Bundestrainer Prokop will sich mit Vereinstrainern zusammensetzen

Denn eine zufriedenstellende Lösung auf der so wichtigen Königsposition des Spielmachers ist noch nicht gefunden. Muss aber schleunigst her, um beim Olympia-Qualifikationsturnier im April in Berlin (17. bis 19.4.) eines der zwei begehrten Tokio-Tickets zu ergattern. „Das wird vor allen Dingen die Arbeit der Vereinstrainer, der Spieler und von mir sein“, sagte Prokop, der sich in den nächsten Tagen mit den Rückraumspielern und ihren Vereinscoaches zusammensetzen will, bevor es für den Bundestrainer in den Skiurlaub geht.

Das DHB-Team könnte aus dieser misslichen Lage aber ebenfalls als Gewinner hervorgehen. Weil Drux nun auch bei den Füchsen auf der Position gefragt ist, die in der deutschen Nationalmannschaft das Sorgenkind ist. Durch den Ausfall von Wiede und ohne weitere Neuverpflichtungen bleibt die Arbeit des Spielmachers an Drux und Jacob Holm hängen. Der gebürtige Gummersbacher hat also noch zweieinhalb Monate und 16 Partien in der Bundesliga und im EHF-Pokal Zeit, um sich besser in die spielgestaltenden Rolle einzufinden.

Für die Füchse geht es um das EHF-Cup-Finale im Mai

Mitte der Woche wird der 1,92 Meter große Rückraumspieler wieder ins Training bei den Berlinern einsteigen. Nach einer kleinen Verschnaufpause, um Kraft für die anstehenden Aufgaben zu sammeln. Nicht nur die DHB-Auswahl hat in diesem Jahr mit einer Olympia-Medaille noch viel vor. Auch die Füchse verfolgen in der Bundesliga-Rückrunde und im EHF-Cup große Ziele. Eines davon: das EHF-Pokal-Final-Four in der heimischen Schmeling-Halle (23./24. Mai).

Dort hoffen die Berliner ebenso auf einen Heimvorteil wie die Nationalmannschaft bei ihrem Olympia-Turnier gegen Schweden, Slowenien und Algerien. „Der deutsche Handball hat genug Qualität, um das zu schaffen“, sagte auch Füchse-Trainer Petkovic, der seine Mannschaft durch das frühe Aus der Dänen und Serben recht schnell wieder beisammen hatte, um sich konzentriert auf die anstehenden Aufgaben vorzubereiten. Gefühlt also auch ein kleiner Gewinner dieser Handball-EM.