Handball

Bei den Füchsen gilt: Ein Kopljar für alle Fälle

Weil im Topspiel gegen den THW Kiel Füchse-Abwehrchef Jakov Gojun ausfällt, ist Marko Kopljar in der Deckung als Stabilisator gefragt.

Marko Kopljar (r.) kämpfte sich nach 18 Monaten Verletzungspause bei den Füchsen zurück.

Marko Kopljar (r.) kämpfte sich nach 18 Monaten Verletzungspause bei den Füchsen zurück.

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Berlin. Der Papa musste geflunkert haben. Anders konnte sich der Sohn von Marko Kopljar das nicht vorstellen. Sein Vater stand zwar im Handbuch der Füchse Berlin zur aktuellen Saison, aber ein Handball-Spieler? Das hatte der Vierjährige mit eigenen Augen noch nicht gesehen. „Da war mir klar, ich muss auf jeden Fall noch ein Spiel machen. Er muss mich auf der Platte sehen“, sagt der Rückraumspieler des Handball-Bundesligisten.

Dass sein Sohn Zweifel am Wahrheitsgehalt der väterlichen Karriere hegte, lag daran, dass Kopljar den Berlinern 18 Monate lang gefehlt hatte. Ein Achillessehnenriss aus dem März 2018 hatte den Kroaten auf die Liste der Langzeitverletzten gesetzt. Erst vor zweieinhalb Monaten feierte der 33-Jährige mit zwei Toren gegen Ludwigshafen (29:19) sein Comeback – oder sein Debüt, wenn man seinem Sohn glauben mag. „Aber er war nicht zufrieden“, sagt Kopljar und lacht. „Er hat das Spiel gesehen und gesagt: Papa, zwei Tore, das ist nicht so viel.“

Bester Abwehrspieler der Füchse

Sein Sohn ist eben sein härtester Coach. Aber ihm hat der 2,10 Meter große Abwehrspieler auch zu verdanken, dass er jetzt wieder da ist. „Er war meine größte Motivation“, sagt Kopljar und erinnert sich an seine langwierige Reha. An den erneuten Riss seiner Achillessehne. An die zweite OP. An Tage, an denen der Fortschritt nicht schnell genug kam, an denen die Zweifel aufkamen. Und daran, dass der eine oder andere nicht mehr an eine Rückkehr aufs Feld geglaubt hatte. „Ich musste immer wieder die Kraft finden, weiterzumachen. Aber ich liebe Handball, ich liebe es, auf dem Feld zu stehen“, sagt Kopljar. „Ich bin dankbar, dass ich noch Handball spielen kann.“

Bei den Füchsen sind sie mindestens genauso dankbar, dass ihr Rückraumriese wieder gesund ist. Für einige ist er der beste Abwehrspieler im Klub. Sie sind zufrieden mit dem Linkshänder. Und mit seiner Entwicklung, die er in den vergangenen Monaten genommen hat. Mittlerweile ist er nämlich ein Kopljar für alle Fälle. Und wird dringend gebraucht, wenn an diesem Donnerstag der Tabellenführer THW Kiel in Berlin zu Gast ist (19 Uhr, Max-Schmeling-Halle).

Weil Abwehrchef Jakov Gojun mit einer Rippenverletzung ausfällt, muss das Herzstück der Füchse-Deckung neu besetzt werden. Kopljar wird im Mittelblock benötigt, gegen Kiels starke Shooter wie Niclas Ekberg, Nikola Bilyk oder Harald Reinkind. „Das ist die beste Mannschaft in Deutschland. Da müssen wir volle Pulle spielen“, weiß Kopljar. Die Statistik spricht klar gegen den Tabellensiebten. Seit 2007 trafen sich beide Teams 24 Mal in der Bundesliga, nur einmal gingen die Berliner als Sieger vom Feld (im September 2010/26:23).

Füchse-Coach Petkovic lobt schnelle Anpassungsfähigkeit

Trotz all der schlechten Vorzeichen und gleich drei fehlenden Leistungsträgern (die Torhüter Dejan Milosavljev und Silvio Heinevetter fallen mit Knieverletzungen ebenfalls aus) ist Trainer Velimir Petkovic froh, dass er immerhin in der Defensive eine so leistungsstarke Alternative zu Gojun hat. „Er ist ein überragender Spieler der in Abwehr und Angriff spielen kann“, sagt der Coach. „Ein großer, intelligenter Spieler wie Marko braucht nicht viel Zeit, um sich zu integrieren oder um sich an ein System anzupassen.“

Aber auch wenn sich Kopljar schnell wieder eingewöhnt hat, ganz zufrieden ist er noch nicht. „Ich finde, dass ich noch besser spielen kann“, sagt er. „Aber ich bin gesund und komme immer mehr an 100 Prozent ran.“ Die wird er brauchen, um er Abwehr gegen den Rekordmeister die nötige Stabilität zu verleihen. Ein Sieg wäre für die Füchse enorm wichtig, um den Kontakt zu den Spitzenteams und damit zum europäischen Geschäft zu halten. „Ich hab Vertrauen in mich und ich hab Vertrauen in die ganze Mannschaft“, sagt Kopljar. „Wir können eine gute Deckung spielen, das haben wir schon gezeigt in dieser Saison.“

Auch im Angriff bringt Kopljar Entlastung

Allerdings hat die Mannschaft von Trainer Petkovic auch gezeigt, wohin es führt, wenn die Abwehr nicht wie gewünscht funktioniert. Zum Pokal-Aus in Melsungen zum Beispiel (30:33). Oder zur Topspielniederlage in Hannover (28:31). „Es ist immer schwer, wenn nicht alle Leute gesund sind. Aber wir haben nicht so viele Lösungen in der Abwehr“, weiß der ehemalige kroatische Nationalspieler. „Also muss jeder jetzt ein bisschen mehr machen.“ Damit die Abstimmung zwischen dem ungewohnten Torhüter-Duo Martin Ziemer und Fredrik Genz und der Deckung passt, haben die Füchse in dieser Woche hart trainiert.

Das hilft auch Kopljar, um an sein volles Potenzial heranzukommen. Der rechte Rückraumspieler ist schließlich nicht nur als Abwehrmann gefragt. Auch Spielmacher Fabian Wiede freut sich, wenn er auf halbrechts mal ein wenig entlastet wird. „Wenn du erst im Mittelblock spielst und dann im Angriff, das ist hart“, sagt Kopljar. „Dafür brauch ich noch ein paar mehr Spiele, ein bisschen mehr Training, damit diese spezifische Kraft kommt.“ Und mit ihr das Torewerfen. Damit dann auch sein Sohn zufrieden ist.

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