Handball

Füchse-Keeper Heinevetter: Zurück in die Zukunft

Wenn die Füchse Berlin im Pokal-Viertelfinale gegen Melsungen antreten, spielt Silvio Heinevetter bei seinem neuen Klub vor.

Silvio Heinevetter wechselt im Sommer von den Füchsen zur MT Melsungen.

Silvio Heinevetter wechselt im Sommer von den Füchsen zur MT Melsungen.

Foto: Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Berlin. Mit einer Tasse Kaffee in der Hand schlenderte Silvio Heinevetter am Montag durch die Trainingshalle. Gewohnt entspannt, mit dem gewohnt gleichgültigen Gesichtsausdruck. Wer den Torhüter der Füchse Berlin in den vergangenen Monaten beobachtet hat, dem wird aufgefallen sein, dass der 35-Jährige nicht mehr das schillernde Aushängeschild des Handball-Bundesligisten ist. Es auch gar nicht mehr sein mag.

Hinter Füchse-Neuling Dejan Milosavljev ist Heinevetter nur noch die Nummer zwei im Tor. Als im Frühling sein Abgang aus Berlin bekannt gegeben wurde, folgten Streitereien mit Geschäftsführer Bob Hanning, in dessen Folge sich Heinevetter zurückzog. Vor dem Pokal-Viertelfinale an diesem Dienstag bei der MT Melsungen (19 Uhr) rückt der Torhüter aber zwangsläufig wieder in den Fokus. Immerhin ist der Klub aus Nordhessen Heinevetters zukünftiger Arbeitgeber. Für ihn ist die Reise nach Kassel, wo die MT ihre Heimspiele austrägt, also so etwas wie eine Reise zurück in die Zukunft.

Psychologischer Vorteil liegt nach Bundesliga-Sieg bei den Füchsen

„Das ist ein wichtiges Spiel für beide Mannschaften“, sagt der Nationalkeeper, der Berlin nach der Saison verlassen wird. „Wenn das Spiel eng ist, und es für beide um viel geht, dann kochen die Emotionen hoch.“ Einen – wenn auch kleinen – psychologischen Vorteil haben die Füchse allerdings. Das Duell in der Bundesliga am vergangenen Donnerstag haben sie souverän für sich entschieden (28:22), mit einer starken Leistung im Angriff und in der Abwehr. Und dank eines Heinevetters, der acht Paraden beisteuerte.

„Das ist ein anderes Kapitel. Das ist auswärts“, sagt er zum zweiten Duell, sieht’s aber pragmatisch, dass innerhalb von fünf Tagen zweimal der gleiche Gegner wartet: „Ich find’s ganz gut, da muss man nicht so viel Video gucken.“ Trainer Velimir Petkovic hat die Melsunger aber trotzdem noch einmal genau unter die Lupe genommen. Und weiß zudem um den Heimvorteil, der diesmal aufseiten der Hessen liegt. „Es ist wichtig, dass wir jetzt auf dem Boden bleiben, nicht überheblich werden“, sagt der 63-Jährige. „Melsungen spielt zu Hause, da sind sie Favorit. Diese Mannschaft ist richtig stark, die haben richtig gute Leute.“

Trainer Petkovic lobt Heinevetter professionelle Einstellung

Ob er gegen das Star-Ensemble um die Nationalspieler Kai Häfner, Julius Kühn und Tobias Reichmann Heinevetter zwischen die Pfosten stellt, ist ungewiss. „Das werden wir sehen“, sagt der Coach, der in dieser Saison immer wieder mit Rotation im Tor überrascht – ohne erkennbaren Rhythmus. Der Unmut darüber, dass er seinen Stammplatz an Milosavljev verloren hat, war Heinevetter vor allem zu Beginn dieser Spielzeit anzusehen. Mittlerweile scheint er sich aber mit der Situation arrangiert zu haben.

„Ich freue mich, dass Heine seine Professionalität zeigt“, sagt Petkovic. „Seine positive Ausstrahlung hilft der ganzen Mannschaft. Weil er ein wichtiger Mann im Team ist, und jeder guckt, wie er tickt, wie er sich beim Training benimmt. Und das ist sehr professionell.“ Viel anderes bleibt Heinevetter auch deshalb nicht übrig, weil er immer noch auf ein Ticket für die Europameisterschaft im Januar (10. bis 26.) hofft. Für die beiden vergangenen Länderspiele gegen Kroatien hatte Bundestrainer Christian Prokop den 192-maligen Nationalspieler nicht nominiert.

Eine ebenso ungewohnte Situation wie die als Bankdrücker bei den Füchsen. Nicht ganz so ungewohnt waren hingegen die „Heine, Heine“-Sprechchöre in der Max-Schmeling-Halle, als der Keeper im EHF-Cup gegen Malmö mit zwölf Paraden glänzte (27:26). „Ich bin seit elf Jahren in Berlin. Das ist kein Neuland für mich, aber am Ende zählt, dass wir weiter sind“, sagt Heinevetter. „Alles andere ist dann auch zweitrangig.“

Füchse haben in Hamburg noch eine Rechnung offen

Dass er an diesem Dienstag beispielsweise bei seinem zukünftigen Klub vorspielt. Besondere Situation? „Nein.“ Und wie war das mit einem vorzeitigen Wechsel im Sommer oder in diesem Winter nach Melsungen, über den gemunkelt wurde? „Kein Gedanke.“ Auch nicht an den Pokal, dem die Füchse mit einem Erfolg einen entscheidenden Schritt näher kommen.

Trainer Petkovic sieht das ein wenig anders, hat das Final Four in Hamburg (4./5. April) schon ins Visier genommen. „Mit diesem Sieg hast du die Chance, im Kampf um einen Titel zu bleiben. Einen Titel in Deutschland zu gewinnen, ist schwierig. Die Meisterschaft ist hart. Aber im Pokal brauchst du dann noch zwei Siege und hast den Titel“, weiß der Coach, der in Melsungen nur auf seinen dritten Torhüter Martin Ziemer (krank) verzichten muss. „Und das ist möglich mit dieser Mannschaft. Eine Mannschaft, die in Magdeburg (29:27, Anm. d. Red.) gewinnt, kann jeden schlagen. Das ist mein Motto.“

Außerdem haben die Füchse nach dem Final Four in der vergangenen Saison noch eine Rechnung in Hamburg offen. Im Halbfinale scheiterten die Berliner am späteren Pokalsieger Kiel (22:24). Und Heinevetter ging mit fünf Paraden gegenüber einem überragenden Niklas Landin im Kiel-Tor unter. Was der Torhüter der Füchse alles andere als gleichgültig hingenommen hat.

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