Handball

Füchse-Boss Hanning: „Wir müssen als Verein Vorbild sein“

Füchse-Manager Bob Hanning über die Bedeutung des sozialen Engagements der Berliner und das anstehende Spiel im EHF-Pokal gegen Malmö.

Füchse-Manager Bob Hanning legt viel Wert auf soziales Engagement.

Füchse-Manager Bob Hanning legt viel Wert auf soziales Engagement.

Foto: Martin Hoffmann / imago/Martin Hoffmann

Berlin. Gute Nachrichten kommen nie ungelegen. Schon gar nicht, wenn sie früher kommen als eigentlich geplant. Und so war die Freude bei den Füchsen Berlin in dieser Woche groß, als die EHF am Freitag bekannt gab, dass das Final Four des Europapokals im kommenden Jahr (23./24. Mai) in Berlin stattfinden wird. Auch bei Bob Hanning, Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten, schürte die Entscheidung Vorfreude. Doch der 51-Jährige weiß, dass die Füchse an diesem Sonntag (16 Uhr, Max-Schmeling-Halle) zunächst gegen HK Malmö die Gruppenphase erreichen müssen, wenn sie eine Chance auf den Titel in der Heimatstadt haben wollen. Im Interview spricht der Manager über den Wert des EHF-Cups, die neue Botschaft auf den Europapokal-Trikots und warum es so wichtig ist, als Verein Vorbild zu sein.

Herr Hanning, mit welchem Gefühl würden Sie die Max-Schmeling-Halle an diesem Sonntag gern verlassen?

Mit dem Gefühl, ein schönes Handballspiel gesehen und den Fans was geboten zu haben. Und dass jeder aus der Halle rausgeht und sagt, es hat sich gelohnt, es hat Spaß gemacht, den Füchsen beim Einzug in die Gruppenphase zugeguckt zu haben.

Nach dem 34:27-Hinspielsieg in Malmö dürfte ja auch eigentlich nichts mehr anbrennen, oder?

Man weiß, dass im Sport trotz alledem immer alles möglich ist. Aber nach normalem Menschenverstand sollte das kein ernsthaftes Problem darstellen. Wichtig ist, dass man von Anfang gut ins Spiel findet und erst gar keine Zweifel aufkommen lässt.

Was bedeutet die Teilnahme am EHF-Cup für die Füchse – auch finanziell?

Finanziell ist das für uns jetzt eher mit einem wirtschaftlichen Risiko verbunden, durch das Thema des Final Fours, das viel Geld kostet und wofür wir unsere Partner alle nochmal mobilisieren müssen. Von daher ist das jetzt ein ganz besonderes Jahr für uns. Unabhängig von der Wirtschaftlichkeit ist es aber auch aus Imagegründen wichtig, wenn man nicht Fußball ist, auf jeden Fall europäisch zu spielen.

Stichwort Final Four: Die Gruppenphase ist die einzige Hürde, die die Füchse nehmen müssen, um beim Finalturnier dabei zu sein. Ist das ein besonderer Anreiz?

Erstmal müssen wir Malmö hinter uns lassen, dann müssen wir die Gruppenphase auch wirklich lösen. Aber ich glaube, dass das wieder ein tolles Spektakel werden kann. Keiner der Ausrichter nach uns hat es im Ansatz so hinbekommen wie wir damals 2014 und 2015. Göppingen (2017, Anm. d. Red.) ist noch am ehesten rangekommen. Wir wollen 2020 in der Max-Schmeling-Halle wieder zeigen, wie man sportlich fair in einer Stadt miteinander umgeht.

Und was würde ein Titelgewinn in der eigenen Stadt, in der eigenen Halle bedeuten?

Das ist natürlich was ganz Besonderes, wenn man das in der eigenen Stadt für sich verbuchen kann. Das haben wir ja schon einmal gehabt (2015, Anm. d. Red.), und davon haben wir auch lange zehren können. Von der Stimmung her, von der Atmosphäre, wir waren Stadtgespräch, der Erfolg und der Handball sind dann halt einfach wirklich relevant.

Im EHF-Cup ist also alles auf einem guten Weg, in der Bundesliga geht es extrem eng zu. Auf die Füchse wartet in den nächsten Wochen ein schwieriges Programm mit Duellen gegen Hannover und Kiel. Mit welchem Tabellenplatz bzw. mit welcher Punkteausbeute könnten Sie denn entspannte Weihnachten feiern?

Das kann man gar nicht in Punkten sagen. Das hat auch mit dem Spielstil und der Leistung zu tun. Am liebsten wäre mir, dass wir im EHF-Cup die Gruppenphase erreichen, im DHB-Pokal ins Halbfinale kommen und dass wir in der Liga an den europäischen Plätzen dran sind. Alle drei Themenfelder sind möglich. Im Europapokal ist es Pflicht, im DHB-Pokal sehe ich die Chancen bei 50 zu 50, und wie gut wir in der Liga sind, da bin ich selbst gespannt, weil jetzt tatsächlich die Spiele der Wahrheit kommen. Wenn du aus fünf Spielen noch vier Punkte bis Weihnachten abgibst, wärst du aber auch noch oben im Rennen.

Stichwort Weihnachten, die Zeit, in der sich viele Menschen sozial engagieren. Auch die Füchse zeigen mit ihrem neuen Trikot im EHF-Pokal „Ein Herz für Kinder“. Was war der Anlass dazu?

Also ich bin erstmal kein Freund von Menschen, die sich Weihnachten anders verhalten, als sie es das Jahr über tun. Und die meinen, wenn sie an Weihnachten in die Kirche gehen, haben sie ihre Pflicht erfüllt. Sich sozial zu engagieren, ist bei uns immer ein grundsätzlicher Anspruch gewesen. Wir wollen den Profisport auf der einen Seite maximal erfolgreich gestalten, aber eben auch unser Geld in den Nachwuchs stecken und da helfen, wo wir sozial helfen können. Wir haben mit den Roten Nasen (gemeinnützige Organisation von Clowns in medizinischen und sozialen Einrichtungen, Anm. d. Red) in diesem Jahr ja auch schon ein Charity-Projekt mitangestoßen und uns auch in den Jahren zuvor immer wieder engagiert. Der Wunsch unseres Hauptsponsors Deutsche Wohnen war es, mit uns auch nochmal was Soziales zu machen. Deshalb haben sie uns das Trikot für „Ein Herz für Kinder“ freigegeben. Da sind wir besonders stolz und freuen uns darauf, weil die Zusammenarbeit sehr vielschichtig ist und in viele Richtungen ausstrahlt.

Wie wichtig ist soziales Engagement gerade in Zeiten sozialer Entfremdung?

Ich finde, jeder kann was tun. Nicht nur die Profiklubs in Berlin als Leuchttürme. Jeder kann was Kleines tun. Deswegen reden wir auch lauter darüber, weil wir auch ein Stückchen dazu animieren wollen. Gerade in unserer heutigen Gesellschaft, in der es Entfremdung gibt, haben wir auch die Verantwortung als Bürger, uns aktiv sozial zu engagieren – jeder so, wie er kann. Das muss man nicht über Spenden machen, das ist eine Möglichkeit. Aber ehrenamtliche Arbeit in einem Sportverein oder in sozialen Einrichtungen hat aus meiner Sicht noch mehr Wertigkeit, als sich über eine Spende freizukaufen. Von daher finde ich es immer wieder gut, über die Sportvereine ins Gespräch zu kommen. Weil von zehn Jugendlichen, die straffällig geworden sind, neun noch nie in einem Ballsportverein gespielt haben. Das zeigt, welchen sozialen Auftrag Sportvereine auch haben.

Hat da gerade ein Verein wie die Füchse, für den Jugend- und Nachwuchsarbeit an erster Stelle steht, eine Vorbildfunktion?

Absolut. Das ist unser ganz klares Ziel. Wir müssen als Verein Vorbild sein, und die Leuchttürme dieser Stadt eignen sich am besten dazu.

Sind in dieser Saison noch weitere Aktionen im Zusammenhang mit „Ein Herz für Kinder“ geplant?

Da sind wir noch in Abstimmungsprozessen, werden auch in der Halle die eine oder andere Aktion machen. Mit „Ein Herz für Kinder“ wollen wir außerdem Projekte anstoßen und mit den Roten Nasen und unseren Spielern in die Krankenhäuser gehen.