Handball-Bundesliga

Füchse feiern einen Sieg für die Seele

Die Füchse zeigen beim überragenden Erfolg gegen die Rhein-Neckar Löwen, welch großes Potenzial in ihnen steckt.

Die Füchse feiern nach Spielende ihren Torhüter Dejan Milosavljev (M.) für die entscheidende Parade mit der Schlusssirene.

Die Füchse feiern nach Spielende ihren Torhüter Dejan Milosavljev (M.) für die entscheidende Parade mit der Schlusssirene.

Foto: Bernd König via www.imago-images.de / imago images/Bernd König

Berlin. Ein furioser Sieg über die Rhein-Neckar Löwen zaubert wohl jedem Handballer in der Bundesliga ein Lächeln ins Gesicht. Das war auch am Sonntagnachmittag zu beobachten, als die Spieler der Füchse Berlin nach dem 23:22 (12:10)–Erfolg gegen das mit zahlreichen deutschen Auswahlakteuren und internationalen Stars gespickte Topteam aus Mannheim vom Parkett der Schmeling-Halle gingen, ja federten, auch viele Minuten nach den Abpfiff noch getragen von den begeisterten Sprechchören der Fans. Und doch war noch etwas anderes zu beobachten in den Mienen der Profis und Verantwortlichen: Erleichterung.

„Wir haben über 60 Minuten gezeigt, was möglich ist und dass alles drin ist, wenn wir über 60 Minuten kämpfen“, sagte Trainer Velimir Petkovic, „das war ein phänomenaler Auftritt.“ Rückraumstar Paul Drux gab stellvertretend das Gefühl der Spieler wieder: „Wir haben die ganze Partie über an uns geglaubt und immer zusammengehalten.“ Und Geschäftsführer Bob Hanning atmete mehrmals tief durch, nachdem es am Ende noch einmal richtig eng geworden und der verdiente Sieg doch noch in Gefahr geraten war. „Wir haben vieles in diesem Spiel unfassbar richtig gemacht. Die Bereitschaft der ganzen Mannschaft, bis zur letzten Sekunde alles zu geben, hat mich beeindruckt. Dieses Gefühl habe ich mal wieder gebraucht.“

Sieg gegen Mannheim wirkt wie eine Befreiung

Die Füchse haben in dieser Saison die wohl beste Mannschaft ihrer Vereinsgeschichte. Mit dieser sollte der Anschluss an die Spitze in der Handball-Bundesliga gelingen, nachdem in der Vorsaison der Punkteabstand zu den Topteams zu groß ausgefallen war. Am Ende stand Platz sechs zu Buche. Immerhin qualifizierten sich die Berliner noch für den EHF-Cup. In der aktuellen Spielzeit sollte alles besser werden, doch die ersten Wochen gestalteten sich holprig. Es gab Kritik an Einstellung und Einsatzwillen.

Und dann erlebten die Füchse mit der dramatischen Verletzung von Simon Ernst, der Mitte Oktober seinen dritten Kreuzbandriss erlitt, einen weiteren Tiefschlag. Der Erfolg gegen die Rhein-Neckar Löwen wirkt jetzt wie eine Befreiung. „Und am Ende haben wir gezeigt, dass wir auch eine abgebrühte Mannschaft sind“, sagte der überragende Nationalspieler Fabian Wiede, dem fünf Treffer gelangen. Bester Berliner Werfer war Kapitän Hans Lindberg mit neun Toren (davon zwei Siebenmeter).

Die Partie gegen die Rhein-Neckar Löwen war Spiel eins, nachdem bekannt gegeben worden war, dass im Sommer 2020 Jaron Siewert den Cheftrainerposten von Velimir Petkovic übernimmt. Die sportliche Führung um den Coach und Manager Hanning war gespannt darauf, wie die Spieler reagieren würden. Auch, weil sich bis Jahresende jeder Spieler für einen neuen Vertrag bei den Füchsen empfehlen darf.

Mutmacher-Shirt für schwer verletzten Simon Ernst

Vor dem Anwurf gab es zahlreiche freundschaftliche Umarmungen zwischen den Profis. Man kennt sich gut. Und mit Jesper Nielsen, Steffen Fäth und Alexander Petersson stehen drei ehemalige Füchse-Spieler beim deutschen Meister von 2016 und 2017 unter Vertrag. Zum Warmmachen trugen die Berliner ein weißes T-Shirt, auf der Vorderseite mit dem Konterfei ihres Teamkollegen Ernst, der um die Fortführung seiner sportlichen Karriere bangen muss, mit dem aufmunternden Hashtag „StayStrong“ versehen.

Vor 9000 Zuschauern ging es in der ausverkauften Schmeling-Halle gleich mit hohem Tempo los. Die Abwehr der Füchse stand wie eine Mauer, die Spieler packten beherzt zu, zeigten schon mit ihrer Körpersprache, wer der Herr auf dem Platz ist. Und kamen so immer wieder in den Gegenstoß. Linkshänder Wiede war von Beginn an völlig entfesselt, ihm gelangen die ersten vier Berliner Tore bis zur 9. Minute (4:3.).

Torhüter Milosavljev überragt mit Paraden

Rasch war in dem Spitzenspiel zu sehen, dass Dejan Milosavljev im Tor der Füchse einen überragenden Tag erwischt hatte. Der Serbe stemmte sich erfolgreich mit seinem wuchtigen Körper gegen die Angreifer aus Mannheim, wehrte mal elegant die Würfe mit der Fußspitze ab oder fing manchen Ball sogar. 18 Paraden (davon drei Siebenmeter) standen am Ende auf seinem Erfolgszettel, das ist Weltklasse. „Milo, Milo“-Rufe schallten immer wieder durch die Arena.

„Unsere Defensive war heute wirklich gut“, sagte der 23-Jährige bescheiden, „der gehaltene Siebenmeter zu Beginn hat mir natürlich viel Selbstvertrauen gegeben. Am Ende aber steht der Sieg der Mannschaft über allem.“ Nach dem Spiel verdiente er sich ein Sonderlob von Manager Hanning. „Ich habe ihm gratuliert und gesagt, dass er nicht alle Bälle halten muss, sondern vor allem den letzten.“

In der Tat wehrte Milosavljev mit der Schlusssirene einen Wurf von Ausnahmehandballer Andy Schmid ab und sicherte somit den wichtigen Sieg seiner Füchse.