Handball

Mandalinic beißt sich bei den Füchsen durch

Im Topspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen an diesem Sonntag hofft Füchse-Rückraumspieler Stipe Mandalinic auf seine Chance.

Stipe Mandalinic (M.) konnte sich in dieser Saison noch nicht überzeugend in Szene setzen.

Stipe Mandalinic (M.) konnte sich in dieser Saison noch nicht überzeugend in Szene setzen.

Foto: Sport Moments/Basting / picture alliance / Sport Moments/Basting

Berlin. Stipe Mandalinic entsperrt kurz seinen Handybildschirm und zeigt lächelnd auf das Foto, das dort auftaucht. Sein kleiner Sohn Lovre. Sein großer Stolz. Ein Jahr und vier Monate ist der Nachwuchs mittlerweile alt und hält seinen Papa ganz schön auf Trab. „Er kann seit ein paar Wochen laufen“, erzählt der Rückraumspieler der Füchse Berlin. „Das ist echt anstrengend. Kommt da ein Hund vorbei, ist das Kind schneller weg, als du gucken kannst.“

Kroate durchlebt schwierige Phase bei den Füchsen

Den Kleinen stattdessen zu tragen, kommt aber auch nicht in Frage. „Nach dem Training hast du keine Kraft mehr, die ganze Zeit zehn oder elf Kilo durch die Gegend zu schleppen“, sagt Mandalinic und lacht. Der 27-Jährige blüht auf, wenn er über seinen Sohn, über seine kleine Familie spricht. Sie gibt ihm Kraft, lenkt ihn ab von der schwierigen Phase, die der Kroate zurzeit beim Berliner Handball-Bundesligisten durchlebt.

Dabei wäre Mandalinic gerade eigentlich der gefragte Mann. Nach der Verletzung von Simon Ernst (Kreuzbandriss) muss Trainer Velimir Petkovic – auch für das Spiel der Füchse an diesem Sonntag gegen die Rhein-Neckar Löwen (13.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle) – sein Personal im Rückraum neu sortieren. Fabian Wiede und Paul Drux sind als Spielmacher gefragt, auf halbrechts und halblinks ist also Entlastung nötig. Doch Mandalinic, im linken Rückraum zu Hause, sitzt trotzdem nur auf der Bank.

Mandalinic kann noch nicht an seine alte Form anknüpfen

„Das ist ein schwieriges Thema für mich“, sagt der Rechtshänder, der 2017 vom damaligen kroatischen Meister RK Zagreb nach Berlin wechselte. „In Zagreb habe ich immer 60 Minuten gespielt. Dann bin ich hierhergekommen, habe mich verletzt. Das war ärgerlich. Aber jetzt bin ich fit und sitze auf der Bank.“ Im März feierte Mandalinic nach einem Kreuzbandriss und zehn Monaten Pause sein Comeback, konnte bisher aber noch nicht an seine Leistungen anknüpfen, wegen derer man ihn zu den Füchsen geholt hatte.

Mandalinic kennt den vermeintlichen Grund: „Wenn du in einem Spiel nur zwei bis drei Minuten Spielzeit kriegst, hast du keine Chance“, sagt er. „Ich muss erstmal einen Überblick bekommen, wo steht mein Deckungsspieler, wo der Teamkollege? Dann mache ich einen Fehler, zwei Fehler und muss raus. Das ist richtig schwierig für den Kopf. Beim nächsten Mal gehe ich schon mit dem Gedanken, einen Fehler zu machen, auf das Feld. Und dann mache ich auch einen Fehler.“

Bislang hat Mandalinic zehn Tore erzielt, allerdings auch 13 Fehlwürfe produziert. In vier Spielen kam er gar nicht zum Einsatz. Und das obwohl Stammspieler Drux durchaus mal eine Pause gebrauchen könnte und vor der Länderspielpause noch gefordert hatte, „die Last auf mehrere Schultern zu verteilen“. Seinen Teamkollegen im Rückraum Michael Müller und Frederik Simak ergeht es ähnlich. Auch sie fristen den Großteil ihres Daseins auf der Bank. „Das ist für jeden Spieler schwer, die sind auch nicht happy. Jeder muss für seine Position kämpfen“, sagt Mandalinic.

Trainer Petkovic setzt auf das Leistungsprinzip

Trainer Petkovic aber geht nach dem Leistungsprinzip. „Wir müssen Punkte sammeln, und ich schaue immer, mit wem ich das kann“, sagt der 63-Jährige. „Die Saison ist lang, jeder muss Geduld haben, trainieren. Tut mir leid, so ist das Profigeschäft.“ Petkovics Aussage lässt darauf schließen, dass er mit den gezeigten Trainingsleistungen von Mandalinic nicht wirklich zufrieden ist. Die Konsequenz für den 42-maligen Nationalspieler?

„Ich will spielen. Ich warte auf meine Chance, ich arbeite hart. Und wenn das noch nicht genug ist, arbeite ich eben noch mehr. Kein Problem“, sagt Mandalinic. „Ich bin ein richtiger Kämpfer, ich gebe nicht auf. Nichts stoppt mich, es geht immer weiter. Meine Motivation ist so groß.“ Es ist fast ein wenig bewundernswert, mit welchem Kampfgeist der Rückraumspieler seine Situation bei den Füchsen annimmt. Obwohl sein Kampf, seine Extraschichten in der Trainingshalle und im Kraftraum bisher wenig nutzen.

Motivation holt sich Mandalinic bei seiner Familie

Seine unerschütterliche Motivation holt sich Mandalinic bei seiner Familie. „Wenn ich nach Hause komme, traurig oder niedergeschlagen bin, dann ist da meine Familie, und es geht weiter. Meine Frau sagt oft: Deine Zeit kommt“, erzählt der Familienvater, der vor einiger Zeit auch den Tod seiner Mutter verkraften musste. „Auch meine Mama gibt mir Motivation. Sie passt von da oben auf mich auf!“

Wenn am Sonntag das Topspiel gegen die Löwen aus Mannheim ansteht, wird Mandalinic wieder auf seine Chance hoffen. Aber der Rückraum-Akteur, bei seiner Verpflichtung für seine große Wurfkraft gelobt, ist ein Profisportler durch und durch. „Mein Wunsch ist, dass wir gewinnen. Egal, ob ich null Minuten oder 60 Minuten spiele“, sagt Mandalinic. „Aber wenn wir gewinnen und ich gar nicht spiele, bin ich absolut happy, weil wir zwei Punkte haben.“ Und weil er nach dem Spiel seinen Sohn wiedersieht. Spätestens dann ist sowieso vergessen, dass er vielleicht wieder die gesamte Partie zuschauen musste.