Handball

Füchse bekommen mit Siewert einen besonderen Trainer

Jaron Siewert wird mit 26 Jahren neuer Füchse-Trainer und damit jüngster Coach im Profihandball. Er verfügt über besondere Qualitäten.

Taktikfuchs mit besonderen Ideen: Jaron Siewert wird im Sommer 2020 neuer Füchse-Trainer.

Taktikfuchs mit besonderen Ideen: Jaron Siewert wird im Sommer 2020 neuer Füchse-Trainer.

Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Berlin. Das Treffen vor sieben Jahren hatte wegweisenden Charakter. Jaron Siewert war gerade 18 Jahre alt und saß mit Bob Hanning zusammen. Hauptthema des Gesprächs zwischen dem Jugend-Nationalspieler der Füchse und dem Geschäftsführer des Bundesligaklubs war die weitere Karriereplanung des Teenagers. „Ich habe ihm damals geraten, mit dem Handballspielen aufzuhören“, erinnert sich Hanning mit einem Schmunzeln. „Er hat mich mit großen Augen anguckt, aber ich war von Anfang an von ihm überzeugt. Ich wusste, dass er das Zeug hat, ein richtig guter Trainer zu werden.“ Siewert tat, wie ihm geheißen. Mit Erfolg: Im Sommer 2020 wird er bei den Füchsen als Chefcoach das Amt von Velimir Petkovic (63) übernehmen. Mit dann 26 Jahren wird Siewert, Inhaber der A-Lizenz, der jüngste Trainer im deutschen Profihandball sein.

Siewert trainiert aktuell noch den Tusem Essen

Derzeit trainiert Siewert noch den Zweitliga-Tabellenführer Tusem Essen, der 25-Jährige freut sich aber bereits auf seine Aufgabe bei den Füchsen, mit denen er als Spieler vier Mal deutscher Jugendmeister wurde, in der Champions League auflief und später als erfolgreicher Jugendtrainer fungierte. „Damit geht für mich als gebürtiger Berliner ein Kindheitstraum in Erfüllung. Ich darf nun zu dem Verein, bei dem ich groß geworden bin, nach Hause zurückkehren“, sagt Siewert.

Für Hanning schließt sich mit der Verpflichtung Siewerts der Kreis. „Jaron hat nun auch in Essen bewiesen, dass er junge Spieler besser machen und aus einem abstiegsbedrohten Zweitligisten, trotz geringerem Budget, einen Aufstiegskandidaten formen kann“, sagt der Manager, der Siewerts Qualitäten ja bereits früh erkannt hatte. „Er war immer das Besondere bei uns in der Mannschaft, er war immer der Spieler, der eine Idee hatte und Lösungen auf dem Feld gefunden hat.“ Hanning hat Siewert viele Jahre lang selbst trainiert.

Sport-Vorstand Kretzschmar ist überzeugt von Siewert

Es war daher nur eine Frage der Zeit, wann Siewert die Füchse übernehmen würde. Die ist 2020 gekommen, auch sehr zur Freude des designierten Sportvorstandes der Füchse, Stefan Kretzschmar. „Seine Klarheit und sein Handballsachverstand haben mich davon überzeugt, dass er in den kommenden Jahren die richtige Wahl für die Füchse Berlin ist. Er besitzt Persönlichkeit und trotz seines jungen Alters eine beeindruckende Reife.“

Mit Kretzschmar und Siewert starten die Füchse eine neue Offensive. Ziel ist es, den Klub nach der zuletzt etwas stagnierenden Entwicklung in die nationale Spitze zu führen und wieder Titel zu gewinnen, national und auch international. Dafür soll der Kader verändert werden, „denn wir sind aktuell nicht glücklich mit dem, was wir abrufen“, sagt Hanning, „wir haben Spitze gekauft, aber wir sind keine Spitze.“ Die Füchse stehen aktuell nur auf Rang acht der Bundesliga, am Sonntag empfangen sie Top-Klub Rhein-Neckar Löwen in der Schmeling-Halle (13.30 Uhr). Im DHB-Pokal stehen sie im Viertelfinale, der EHF-Cup hat für die Berliner noch nicht begonnen.

Casting für die Spieler bis zum Jahresende

Am Dienstagmorgen haben Hanning und Petkovic die Mannschaft über den Trainerwechsel informiert. Sorgen, dass jemand nachlässt, haben sie nicht. Im Gegenteil. Bis Ende des Jahres wird sich die sportliche Führung genau angucken, mit wem es dann in die neue Saison unter Neu-Trainer Siewert gehen soll. Jeder kann sich also beim Casting bewähren.

Velimir Petkovic, der seit Dezember 2016 die Füchse trainiert und mit den Berlinern als bisherigen Höhepunkt 2018 den EHF-Cup gewann, will sich bis zum Ende seines Vertrags mit ganzer Leidenschaft engagieren. „Ich bin bereit, alles für den Erfolg zu geben“, sagt er, „ich möchte mit meinen Spielern noch einen Pokal gewinnen. Für diesen Wunsch müssen wir alle zusammenhalten.“ Ob er bis zum Saisonende tatsächlich im Amt bleibt, das weiß er freilich nicht. „Hoffentlich bleibe ich, aber das entscheiden nicht Bob Hanning und ich, sondern auch die Spieler mit ihren Leistungen in den nächsten Wochen. Aber ich hatte hier bislang eine schöne Zeit und hoffe, dass diese noch bis Juni 2020 anhält.“