Handball

Ohne Heinevetter: Das EM-Casting ist eröffnet

Ohne Heinevetter, dafür mit zwei anderen Berlinern trifft die deutsche Handball-Nationalmannschaft am Mittwoch zum Test in Kroatien an.

Bundestrainer Christian Prokop will die Länderspiele nutzen, um sein Personal für die Handball-EM zu sichten.

Bundestrainer Christian Prokop will die Länderspiele nutzen, um sein Personal für die Handball-EM zu sichten.

Foto: Federico Gambarini / dpa

Berlin/Zagreb. Es ist ein wenig verzwickt. Soll er jetzt hoffen, dass sich der aktuelle Kader der deutschen Handball-Nationalmannschaft in den beiden anstehenden Länderspielen gegen Kroatien schwer tut und man ihn schmerzlich vermisst? Oder lieber darauf setzen, dass eine erfolgreiche Lehrgangswoche Mut auf eine ebenso erfolgreiche Europameisterschaft Anfang Januar macht? Es wird Silvio Heinevetters Geheimnis bleiben, wie es um seine Gemütslage bestellt ist.

Ausbootung des Torhüters ein klares Zeichen

Dass der Torhüter der Füchse Berlin von Bundestrainer Christian Prokop nicht für diese „wichtige Etappe“ und „entscheidende Woche“ auf dem Weg zur EM nominiert wurde, habe Heinevetter sehr „sachlich“ aufgenommen, wie Prokop am Dienstag noch einmal betonte. Die Ausbootung des 35-Jährigen ist allerdings ein klares Zeichen: Heinevetters Leistungen, die er bei den Berlinern in der Bundesliga gerade zeigt, überzeugen den Bundestrainer nicht.

Ob der Keeper das begehrte Trikot der Nationalmannschaft noch einmal überstreifen wird, scheint weniger als drei Monate vor dem EM-Start mehr als ungewiss. Zumal Dario Quenstedt berechtigten Anspruch auf eines der zwei EM-Tickets zwischen den Pfosten angemeldet hat. Der 30-Jährige vom THW Kiel zähle „aktuell zu den zwei stärksten deutschen Torhütern“, wie Prokop sagte. Gemeinsam mit Andreas Wolff (Kielce) soll das Duo an diesem Mittwoch (19.30 Uhr, zdfsport.de) und am Sonnabend (14.30 Uhr/ARD) gegen den zweimaligen Olympiasieger Kroatien das Tor der DHB-Auswahl hüten.

Auch Groetzki und Musche sind vorerst draußen

Dass Prokop bei der Zusammenstellung seines Kaders nicht auf Namen achtet, hätte er kaum deutlicher machen können. Neben Heinevetter müssen auch Rechtsaußen Patrick Groetzki (30) und Linksaußen Matthias Musche (27) tatenlos mitansehen, wie die teils jüngere Konkurrenz vorspielen darf. Timo Kastening (24) vom Tabellenführer TSV Hannover-Burgdorf zum Beispiel. Oder Göppingens Top-Torschütze Marcel Schiller (28).

„Ich bin sehr glücklich über den aktuellen Kader, aber man kann natürlich noch überhaupt keine abschließende Aussage treffen“, sagte Prokop mit Blick auf die EM, die für das deutsche Team am 9. Januar mit dem Auftaktspiel gegen die Niederlande in Wien beginnt.

Berliner Drux und Wiede sind als Anführer gefragt

Zwei Berliner dürften ihr EM-Ticket schon sicher haben. Vorausgesetzt sie bleiben gesund. Füchse-Spielmacher Fabian Wiede (25) und Rückraum-Kollege Paul Drux (24) zählen in Prokops Mannschaft zu den Leistungsträgern, sind in der Schaltzentrale des deutschen Spiels als Anführer gefragt. Ob sich Füchse-Teamkollege Heinevetter dazu gesellen wird, entscheidet sich am 5. Dezember. Dann muss Bundestrainer Prokop dem europäischen Verband EHF einen 28 Spieler umfassenden erweiterten EM-Kader melden, von dem 16 Spieler den Sprung in den Turnier-Kader schaffen.