Handball

Füchse-Boss Hanning: „Neuverpflichtung ist kein Thema“

Füchse-Boss Hanning will den Ausfall von Simon Ernst mit eigenen Spielern kompensieren. Dafür müssen sich aber noch einige steigern.

Stipe Mandalinic (l.) muss Trainer Velimir Petkovic (M.) noch von seiner Qualität überzeugen.

Stipe Mandalinic (l.) muss Trainer Velimir Petkovic (M.) noch von seiner Qualität überzeugen.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Als das Flugzeug am Montag Richtung Zagreb abhob, war für Fabian Wiede Tapetenwechsel angesagt. Raus aus dem tristen Bundesliga-Alltag, rein in die Wohlfühloase Handball-Nationalmannschaft. Für den Rückraumspieler der Füchse Berlin stehen – zusammen mit Teamkollege Paul Drux – zwei Länderspiele gegen Kroatien an. Bundestrainer Christian Prokop richtet den Blick langsam auf die EM im Januar. Zeit für Wiede, den Blick ebenfalls nach vorn zu richten.

Seinem Frust hatte der Spielmacher der Berliner nämlich schon am Sonntagabend Luft gemacht. Als er nach der 30:31-Niederlage in der Bundesliga gegen Aufsteiger Balingen-Weilstetten scharfe Kritik an der – eben nicht vorhandenen – Wechseltaktik von Trainer Velimir Petkovic übte. „Wenn man unsere Bank sieht, haben wir genug Spieler. Wir haben einen Michael Müller, der nicht spielt, einen Stipe Mandalinic, der nicht spielt, einen Freddy Simak, der nur einen Angriff spielt. Wenn die Spielzeit bekommen und sich das Vertrauen des Trainers erarbeiten, dann haben wir Spieler“, sagte Wiede sichtlich angefressen.

Am Dienstag steht ein Gespräch mit den Trainer an

Es sind diese drei Namen, um die sich bei den Füchsen gerade alles dreht. Nicht um neue Namen. Denn anders als Trainer Petkovic, der nach dem Kreuzbandriss von Simon Ernst sofortige Verstärkung gefordert hatte, will Berlins Geschäftsführer Bob Hanning nicht auf dem Transfermarkt aktiv werden. „Solange wir unseren eigenen Ersatz nicht ausschöpfen, ist eine Neuverpflichtung gar kein Thema“, sagte der 51-Jährige am Montag. „Was nützt uns ein neuer Spieler, wenn unsere eigenen Spieler nicht spielen. Das ist deshalb die geringste Notwendigkeit.“

Dringender ist ein Gespräch mit dem Trainer, das Hanning am Dienstag führen will, „um seine Sichtweise zu verstehen“, wie der Manager sagte. Wer darin ein Indiz für eine neue Trainerdiskussion sieht, liegt allerdings daneben. „Die habe ich beim letzten Mal nicht aufgemacht und mache es auch dieses Mal nicht“, so Hanning. „Das wird jetzt eine gemeinsame Suche nach Lösungen.“

Petkovic hatte die Breite der Bank bereits ausgenutzt

Dabei hatte man nach der ersten kleinen Krise zu Anfang der Saison schon den Eindruck bekommen, dass die Berliner eine Lösung gefunden hatten. Nach dem blamablen Auftritt gegen Minden (25:29) hatten sich die Füchse mit einer starken Mannschaftsleistung gegen Göppingen (28:25) und einem anschließenden 36:27-Kantersieg gegen Stuttgart zurückgekämpft.

Und vor allem gegen den TVB war der Schlüssel zum Erfolg die Breite der Berliner Ersatzbank. Trainer Petkovic hatte alle zur Verfügung stehenden Spieler eingesetzt und so ein Offensivspektakel geboten bekommen. Weil die Leistungsträger um Wiede und Drux Verschnaufpausen erhielten. Weil Rückkehrer Marko Kopljar, Mandalinic und Co. die Zeit nutzten, sich zu zeigen.

Nach der Länderspielpause steht das Topspiel gegen die Löwen an

Dass der Trainer danach wieder zu seiner Stammformation zurückgekehrt ist, lässt darauf schließen, dass die Leistungen der zweiten Garde um Müller, Mandalinic und Simak bisher nicht überzeugend genug waren. Auch ein Satz in Wiedes General-Kritik deutet darauf hin: „Dafür müssen die sich aber im Training zeigen.“ Vor allem Mandalinic, 2017 als großer Hoffnungsträger mit ordentlich Vorschusslorbeer in die Hauptstadt gekommen, steht nach seinem überstandenen Kreuzbandriss noch immer neben sich. In seinen seltenen Kurzeinsätzen hat der Kroate bislang mehr Fehler als gelungene Aktionen gezeigt.

Es bleibt zu hoffen, dass die Sorgenkinder die Länderspielpause nutzen, um sich das Vertrauen des Trainers zu erspielen. Und dass der Coach das Potenzial wieder voll ausschöpft, das in seiner Mannschaft schlummert. Immerhin wartet nach der Pause das Topspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen.