Handball

Erneutes Kreuzband-Drama um Simon Ernst

Füchse-Spielmacher Simon Ernst hat sich im Spiel gegen den BHC zum dritten Mal das Kreuzband gerissen. Ein Drama für den 25-Jährigen.

Simon Ernst (l.) hatte erst vor zwei Monaten sein langersehntes Comeback gefeiert.

Simon Ernst (l.) hatte erst vor zwei Monaten sein langersehntes Comeback gefeiert.

Foto: Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Berlin. Es hatte so harmlos ausgesehen, als Simon Ernst am Sonntagnachmittag langsam Richtung Bank getrottet war. Am Montag aber entpuppte sich seine frühe Auswechslung im Spiel der Füchse Berlin gegen den Bergischen HC (27:24) zu einem wahren Drama. Der 25-Jährige hat sich das Kreuzband gerissen – zum dritten Mal in seiner Karriere, nur zwei Monate nach seinem Comeback.

Für eine solche Verletzungsmisere bietet die deutsche Sprache eine ganze Palette an Beschreibungen: Tragödie, Desaster, Super-GAU, traurige Gewissheit oder eben: „Das ist ein Riesenschock für uns alle, eine Katastrophe für ihn“, wie ein sichtlich mitgenommener Velimir Petkovic zusammenfasste. „Mir tut das so leid für ihn.“ Mit seinem Spielmacher gesprochen hatte der Trainer des Handball-Bundesligisten da noch nicht. So etwas wolle er nicht am Telefon machen. „Ich fahre jetzt zu ihm und nehme ihn in den Arm“, sagte Petkovic.

MRT-Untersuchung am Montag bringt traurige Gewissheit

Der Coach hatte schon am Sonntag befürchtet, dass Ernst den Kraftakt gegen den BHC nicht unbeschadet überstanden hatte. Nach einer Abwehraktion in der ersten Hälfte war der Rückraumspieler zwar noch mit nach vorne gelaufen, dann aber langsam zur Bank abgedreht und nicht mehr aufs Spielfeld zurückgekehrt. „Die Mannschaft hat auch gespürt, dass etwas nicht stimmt. Aber wir wollten abwarten“, sagte Petkovic.

Die bittere Diagnose, die die allerschlimmsten Befürchtungen bestätigte, ereilte die Füchse dann am Montagmorgen. Eine MRT-Untersuchung zeigte einen erneuten Kreuzbandriss des bereits operierten Knies. Damit fällt Ernst mindestens ein halbes Jahr aus. Zudem stellt sich nach der dritten schweren Knieverletzung die Frage, ob sein Körper den enorm hohen Belastungen des Profisports überhaupt gewachsen ist.

Als Ernst Mitte August sein Debüt für die Füchse gefeiert hatte, lagen bereits 16 Monate Leidenszeit und zwei Kreuzbandrisse hinter ihm. Das merkte man dem Europameister von 2016 auf dem Feld aber kaum an, die Lust am Handball war größer als je zuvor. Auch deshalb konnte Ernst sofort zeigen, warum man ihn im Sommer 2018 zu den Füchsen geholt hatte. Auch deshalb ist diese Diagnose ein Drama für den so ehrgeizigen Leistungsträger.

„Kackverletzung“: Teamkollegen reagieren via Instagram

„Mein Ziel ist es jetzt, langfristig gesund zu bleiben. Sowohl diese Saison, als auch bis ans Karriereende, das hoffentlich noch ein paar Jahre entfernt ist“, hatte Ernst kurz nach seinem Comeback im August gesagt, mit einem breiten Grinsen im Gesicht, bereit für einen Neustart seiner Profikarriere. Diesen Rückschlag zu verkraften, wird nun auch eine mentale Herausforderung.

Auch Geschäftsführer Bob Hanning reagierte fassungslos. „Das ist zweifelsohne mein traurigster Tag als Geschäftsführer. Ihn als Sportler und als Mensch zu ersetzen ist unmöglich.“ Man wolle Ernst auf seinem Weg zurück nun maximal unterstützen, sein Vertrag läuft noch bis 2021, von einem Karriereende sprach am Montag niemand. Seine Teamkollegen machten ihrem Frust über die erneute Verletzung via Instagram Luft. „Sport ist nicht fair. Kackverletzung“, schrieb Torhüter Silvio Heinevetter. Rückraum-Kollege Fabian Wiede beließ es bei einem englischen Fluchwort mit F.

Auch die Nationalmannschaft war nach den jüngsten Leistungen wieder ein Thema

Vor allem Wiede wird seinen Kompagnon Ernst auf dem Feld schmerzlich vermissen. Die Rückkehr des Langzeitverletzten hatte bei den Füchsen eine Lücke geschlossen, die vor allem in der vergangenen Rückrunde für schlechte Leistungen gesorgt hatte. In einer Rückraum-Achse mit Wiede und Nationalspieler Paul Drux glänzte der Rechtshänder als kreativer Spielmacher, Ideengeber und emotionaler Antreiber und dürfte sich mit seinen Auftritten auch wieder ins Blickfeld von Bundestrainer Christian Prokop gespielt haben. „Wir haben in den letzten Monaten gesehen, wie wichtig er für uns ist“, sagte auch Trainer Petkovic. „Ich habe selten einen Profi gesehen, der so viel, so ehrgeizig trainiert.“

Ernst wird eine ähnliche Einstellung brauchen, um auch diesen erneuten Weg zurückzugehen. Um Vertrauen in sein Knie zu fassen, das ihn nun zum dritten Mal im Stich gelassen hat. Um sich erneut zurückzukämpfen.