Handball

Die Füchse und ihre Torhüter: Konkurrenzkampf deluxe

Füchse-Torhüter Milosavljev überragt schon nach wenigen Monaten und stachelt Teamkollege Heinevetter zu alten Höchstleistungen an.

Glänzt in unnachahmlicher Weise auf dem Feld: Torhüter Dejan Milosavljev.

Glänzt in unnachahmlicher Weise auf dem Feld: Torhüter Dejan Milosavljev.

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Es ist dieser eine Satz, der ganz anschaulich zeigt, wie sich Dejan Milosavljev mittlerweile eingelebt hat. „For me ist alles gut“, sagt der Torhüter der Füchse Berlin in einem Mix aus Englisch und Deutsch. Drei Monate ist der Serbe jetzt in Berlin, fühlt sich „perfekt“ und fremdelt fast gar nicht mehr mit der neuen Sprache. „Ich verstehe schon fast alles, was meine Teamkollegen und der Trainer sprechen“, sagt Milosavljev vor dem Heimspiel des Tabellenachten an diesem Sonntag gegen den Bergischen HC (16 Uhr, Max-Schmeling-Halle) und grinst ein bisschen stolz.

Es ist nicht nur sein Talent für Fremdsprachen, mit dem er gerade glänzt. Der 23-Jährige beeindruckt die Handball-Bundesliga vor allem mit seiner Leistung zwischen den Pfosten und hat dem Hauptstadt-Klub genau das gebracht, was man in der vergangenen Saison so schmerzlich vermisst hatte. Einen Konkurrenzkampf im Tor – auf dem allerhöchsten Niveau.

Hanning lobt die Einstellung von Tribünen-Sitzer Ziemer

Denn die Berliner haben nicht nur zwei starke Keeper, die den Platz im Tor für sich beanspruchen. Trainer Velimir Petkovic hat mit Milosavljev, Silvio Heinevetter und Martin Ziemer gleich ein Trio, das um Einsatzzeiten ringt. „Das ist für mich auch nicht einfach“, sagt Pektovic, „der Torwart ist was Besonderes. Das sind besondere Sportler. Mit denen darfst du nicht spielen.“

Deshalb ist das Fingerspitzengefühl des 63-Jährigen gefragt. Mit dem hat Petkovic bereits den Ältesten im Bunde, Ziemer (36), auf die Tribüne gesetzt. Was aber nicht bedeutet, dass Milosavljev und Heinevetter eine Einsatzgarantie für diese Saison haben. „Martin verhält sich zu 1000 Prozent professionell. Er setzt die anderen Torhüter durch gute Trainingsleistungen unter Druck“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning. „Das ist das, was wir wollen.“

Und Ziemer unterstützt seine Konkurrenten – vor allem den 13 Jahre jüngeren Milosavljev. „Ich hab einen guten Draht zu Martin. Wir sprechen viel vor den Spielen, nach den Spielen, auch in der Halbzeitpause“, sagt der 1,96 Meter große Serbe. „Er ist sehr bundesligaerfahren und unterstützt mich einfach richtig gut.“ Das konnte man vor allem in den ersten Saisonpartien beobachten, als Ziemer aufgrund von verletzten Spielern noch im Kader stand.

Milosavljev zählt schon zu den besten Bundesliga-Keepern

Der Zugang von Hannover-Burgdorf reichte Milosavljev in jeder Pause die Wasserflasche, das Handtuch, gab ihm Tipps und bejubelte jede Parade. Daneben saß Heinevetter – mit fast desinteressiertem Blick. „Manche Torhüter sind einfach andere Typen. Die müssen alleine sein, um sich zu konzentrieren, reden nicht mit ihrem Teamkollegen. Das ist normal“, sagt Milosavljev.

Völlig unbeeindruckt ist der deutsche Nationalkeeper jedoch nicht von dem Mann, der ihm da vor die Nase gesetzt wurde. Während der serbische Champions-League-Sieger mit bislang 69 Paraden (davon elf Siebenmeter) glänzt, die meiste Spielzeit bekommt und zu den besten Torhütern der Liga zählt, fühlt sich auch Heinevetter bemüßigt, an seine Topleistungen anzuknüpfen.

Coach Petkovic legt sich auf keine Reihenfolge fest

Der 34-Jährige hat bisher nur halb so lange gespielt wie Milosavljev, dafür aber in den Partien gegen Stuttgart (36:27) und Ludwigshafen (29:19) mit jeweils zwölf Paraden maßgeblich zum Erfolg beigetragen. „Ich brauche Heine. Er ist jemand, der für uns allein ein Spiel gewinnen kann“, weiß auch Trainer Petkovic. Dass der neue Keeper den zuletzt etwas formschwachen Heinevetter genau dazu anstachelt, wird dem Coach entgegenkommen.

Deshalb wird Petkovic in seinem Konkurrenzkampf deluxe weiterhin auf den Überraschungseffekt setzen. „Es gibt keine Rotation, keine Reihenfolge. Ich will, dass beide konzentriert sind, dass jeder heiß ist, bis es losgeht“, sagt der Trainer. Denn dann wird meist auch für die Füchse alles gut.