Handball

Füchse gegen Flensburg – Topspiel mit vertauschten Rollen

Die Füchse treten am Sonntag bei Meister Flensburg als Favorit an – dank vier Siegen in Folge und einer Menge Selbstvertrauen.

Die vergangenen Partien gegen Flensburg waren für die Füchse, hier mit Jacob Holm (M.), ein harter Kampf.

Die vergangenen Partien gegen Flensburg waren für die Füchse, hier mit Jacob Holm (M.), ein harter Kampf.

Foto: Kohring /Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Nein, die Ostsee war in den vergangenen Jahren wirklich nicht das bevorzugte Reiseziel der Füchse Berlin. Nicht nur beim THW Kiel war für den Handball-Bundesligisten aus der Hauptstadt wenig zu holen. Auch aus Flensburg mussten die Berliner den Rückweg meist ohne Punkte im Gepäck antreten. Der letzte Sieg gegen den amtierenden deutschen Meister gab es im April 2017, seitdem kassierte die Mannschaft von Trainer Velimir Petkovic vier Niederlagen in Folge.

Wenn die Füchse an diesem Sonntag (13.30 Uhr, Sky) bei der SG Flensburg-Handewitt antreten, sind die Vorzeichen aber ein wenig andere. Der Meister strauchelt gerade durch die Liga, weilt nur auf Platz fünf und musste am vergangenen Donnerstag auch noch das bittere Aus im Pokal-Achtelfinale gegen Bundesliga-Primus Hannover-Burgdorf hinnehmen.

Allesamt keine Fakten, die den Respekt vor den Flensburgern ins Unermessliche steigern würden. Vor allem dann nicht, wenn man sich anschaut, was die Füchse dem entgegenzusetzen haben: vier Liga-Siege in Serie, Rang zwei und neben Hans Lindberg – mit 55 Toren der treffsicherster Torschütze der Liga – auch noch den Torhüter mit der besten Quote. Dejan Milosavljev glänzt mit 34,88 Prozent gehaltener Bälle.

Ein Sieg würde den verpatzten Saisonstart vergessen machen

Überbewerten wollen sie all das bei den Füchsen nicht. Auch nicht den aussichtsreichen zweiten Tabellenplatz. Aber er gibt Selbstvertrauen, ist eine Bestätigung für den Weg, den die Berliner raus aus der Krise gegangen sind. „Wir haben einen guten Lauf, haben viel Selbstvertrauen getankt“, sagt Trainer Petkovic. „Jetzt haben wir uns gefunden, haben uns stabilisiert und es gibt jetzt keinen Schritt mehr zurück.“

Auch deshalb ist das Topspiel am Sonntag eine Partie mit vertauschten Rollen. Die Berliner treten die Auswärtsaufgabe an der Förde als Favorit an – und würden mit einem Erfolg einmal mehr zeigen, dass sie nun wirklich zu den Spitzenmannschaften der Liga gehören. „Wenn wir das schaffen würden, dann wäre mit einem Spieltag alles pari. Dieses Spiel kann alles aufheben, was vorher war. Alles wäre dann auf Null gesetzt“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

Mit diesem „alles“ meint der Manager den durchwachsenen Saisonstart mit teils indiskutablen Leistungen. Allerdings scheint die Schwächephase angesichts der jüngsten Auftritte und dem Sieg im DHB-Pokal gegen den SC Magdeburg (31:30) am vergangenen Dienstag schon jetzt eine Erscheinung längst überstandener Zeiten zu sein.

Trainer Petkovic hat seinen Kampfgeist wiederentdeckt

„Ich bin richtig zufrieden, wie meine Deckung in letzter Zeit funktioniert – zusammen mit meinen Torhütern“, sagt Coach Petkovic, der ebenfalls sein Selbstbewusstsein wiedergefunden hat: „Es gibt keine Mannschaft in der Bundesliga, die gegen uns im Sechs gegen Sechs gewinnen kann.“ Doch der 63-Jährige weiß auch, dass Selbstvertrauen und Siegesserien gegen ein solches Topteam wie Flensburg wenig wert sein können.

„Die Tagesform ist entscheidend. Wir sind heiß, auch Flensburg wird heiß sein“, sagt Petkovic. Die Mannschaft von Trainer Maik Machulla will schließlich gutmachen, was sie in den vergangenen Partien mit Niederlagen gegen Hannover und Kiel und einem Unentschieden gegen Wetzlar verpatzt haben. „Das ist eine riesige Herausforderung, zu der wir bereit sind. Wir müssen alles reinschmeißen“, sagt Machulla, der mit seiner Mannschaft in der Gruppenphase der Champions League immerhin schon zwei Siege und ein Unentschieden einfahren konnte.

Negativ-Serie kann auch eine Chance sein

Aus Erfahrung wissen auch die Füchse, wie wertvoll ein solcher Negativlauf für einen Neubeginn sein kann. Mut schöpfen die Berliner aber auch aus den zurückliegenden Auftritten gegen die SG. „Seitdem ich hier bin, hatten wir immer Riesenchancen in Flensburg, haben immer gut gespielt“, erinnert sich Petkovic. „Das war immer knapp.“ Vielleicht war das am Ende nicht am Ergebnis abzulesen, die Duelle waren aber – zumindest zum Teil – auf Augenhöhe.

Und an diesem Sonntag haben die Berliner auch noch einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem stolpernden Meister. „Wir sind jetzt gesund, wir sind gut gelaunt. Siege machen gute Stimmung“, weiß Trainer Petkovic. Und davon haben die Füchse inklusive Pokal-Erfolg gleich fünf in Folge – die Flensburger gehen indes mit zuletzt zwei Niederlagen in das große Kräftemessen. Die Chancen stehen also gar nicht so schlecht, dass sich die Reise an die Ostsee für die Füchse dieses Mal lohnt.