Handball

Füchse besiegen Pokal-Fluch gegen Magdeburg

Die Füchse Berlin ziehen mit einem starken Auftritt gegen Magdeburg ins Viertelfinale des DHB-Pokals ein und träumen nun vom Titel.

Die Füchse Berlin feiern gegen Magdeburg den Einzug ins Viertelfinale des DHB-Pokals.

Die Füchse Berlin feiern gegen Magdeburg den Einzug ins Viertelfinale des DHB-Pokals.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Silvio Heinevetter, Hans Lindberg und Co. hüpften ausgelassen über das Feld, reckten ihre Fäuste Richtung Hallendecke und schrien ihre Freude heraus. Eine so ausgelassene Jubeltraube, ja, die hatte man bei den Füchsen Berlin wirklich schon lange nicht mehr gesehen. Am Dienstagabend aber hatte der Handball-Bundesligist allen Grund dazu, ausgiebig zu feiern. Mit dem 31:30 (15:16)-Sieg gegen den SC Magdeburg zogen die Berliner ins Viertelfinale des DHB-Pokals ein. „Das war kein glücklicher Sieg. Wir haben hochverdient gewonnen“, sagte Trainer Velimir Petkovic trotz des knappen Ergebnisses. „Ich bin einfach nur glücklich.“

Mit dem Erfolg haben die Berliner nicht nur den ungeliebten Nachbarn besiegt, sondern auch den Pokal-Fluch, der auf den Partien gegen Magdeburg lastete. In drei Begegnungen waren die Füchse bisher immer als Verlierer vom Feld gegangen. Hängende Köpfe aber sah man dieses Mal nur auf SCM-Seite. Beim Hauptstadtklub lebt stattdessen der Traum von Hamburg, der Traum vom Final Four Anfang April und damit der Traum vom Gewinn des DHB-Pokals.

Petkovic stellt Milosavljev statt Heinevetter ins Tor

Doch bis dahin war es der erwartet heiße Kampf vor 7696 Zuschauern in der Max-Schmeling-Halle, in dem sich beide Mannschaften nichts schenkten. „Das war Werbung für den Spitzensport“, schwärmte Nationalspieler Fabian Wiede.

Aufreibende Zweikämpfe, hitzige Wortduelle und schnelle Angriffe bestimmten die erst Halbzeit, in der die Füchse in der neunten Minute zum ersten Mal in Rückstand gerieten (3:4). Die Offensivreihe um Spielmacher Simon Ernst und die Rückraum-Asse Paul Drux sowie Wiede ließen sich von den wild aufspielenden Gästen aus Magdeburg aber wenig beeindrucken und reagierten mit kreativen Angriffsbemühungen.

Zwischenzeitlich rotierte Trainer Petkovic, der überraschend Dejan Milosavljev statt Ex-Magdeburger Heinevetter zwischen den Pfosten anfangen ließ, auch im Tor. In der 14. Minute ersetzte Heinevetter seinen bis dahin glücklosen Kollegen. Die Pfiffe, mit denen der Nationalkeeper begrüßt wurde, übertönten beinahe die Jubel-Schreie der Berliner Fans. Spätestens da war klar: dieses Duell wird nicht nur auf dem Feld ausgetragen.

Das Duell wird auch auf den Rängen ausgetragen

In der 22. Minute eroberten dann aber die Füchse-Anhänger die Dezibel-Hoheit, als Kapitän Lindberg per Siebenmeter für den Ausgleich sorgte. Wenig später konnte Rückraumspieler Wiede sogar zur 13:12-Führung erhöhen. Und als Milosavljev kurz vor dem Pausenpfiff sowohl den Siebenmeter von SCM-Nationalspieler Matthias Musche als auch den Nachwurf parierte, war die Schmeling-Halle endgültig zum Hexenkessel geworden.

Doch das Duell auf Augenhöhe war eben deshalb eines, weil sich keine Mannschaft ihrer Überlegenheit sicher sein konnte. Nicht nur der Ballbesitz wechselte im Sekundentakt, auch die Führung tat es. Nicht einmal eine Zwei-Tore-Führung, wie die der Füchse Anfang der zweiten Hälfte (18:16/35.), hatte lange Bestand.

Nur auf einer Position agierten die ungeliebten Ost-Rivalen nicht auf Augenhöhe – und das machte den Unterschied. Milosavljev überragte im Füchse-Tor in der zweiten Hälfte und parierte insgesamt elf Mal – eine Top-Leistung. Der Champions-League-Sieger aus Serbien war ein so sicherer Rückhalt für seine Mannschaft, dass die Berliner Mitte der zweiten Hälfte dank des Treffers von Kapitän Lindberg auf fünf Tore davonziehen konnten (24:19/44.). „Wir haben in der ersten Hälfte gut gespielt, aber hatten ein, zwei kleine Fehler drin“, sagte Wiede, „das haben wir in der zweiten Halbzeit abgestellt und clever zu Ende gespielt.“

Am Sonntag wartet in Flensburg der nächste Gradmesser

Denn auch wenn sich die Gäste von der Elbe noch einmal auf zwei Tore (30:28/59.) heranrobbten, vorbeiziehen konnten sie nicht mehr. Die Füchse spielten souverän, im Stile einer Spitzenmannschaft, so, wie man es nach dem holprigen Saisonstart kaum vermutet hätte. Ernst, Drux und Rückraumspieler Jacob Holm glänzten mit fünf Toren, bester Werfer aber wieder einmal Weltmeister Lindberg mit sieben Treffern. „Das war heute eine Standortbestimmung. Und die Spieler werden noch besser“, sagte Geschäftsführer Bob Hanning mit Blick auf die Langzeitverletzten, die erst jüngst ihre Comebacks gefeiert hatten.

Bevor es nun im Viertelfinale des DHB-Pokals am 3. oder 4. Dezember um den Einzug ins Final Four geht, steht erstmal der nächste Gradmesser für den Tabellenzweiten der Bundesliga bereit: Am Sonntag reisen die Füchse zum deutschen Meister nach Flensburg (13.30 Uhr, Sky).