Handball

Ein Herz für die Mannschaft

Neu-Fuchs Michael Müller feiert an diesem Sonntag sein Debüt in der Schmeling-Halle und freut sich auf seine neue Aufgabe in Berlin.

Michael Müller (r.) half im ersten Saisonspiel gegen Leipzig bereits im Innenblock aus.

Michael Müller (r.) half im ersten Saisonspiel gegen Leipzig bereits im Innenblock aus.

Foto: Gabor Kriegvia www.imago-images.de / imago images / Picture Point LE

Berlin. Michael Müller ist in seinem Freundeskreis gerade sehr beliebt. Seit der 34-Jährige in diesem Sommer zu den Füchsen Berlin gewechselt ist, hat schon der eine oder andere Freund vorbeigeschaut. „So viel Besuch hatte ich die letzten Jahre nicht. Nach Kassel wollte nie jemand kommen“, sagt der Rückraumspieler des Handball-Bundesligisten lachend. Ein Besuch in der Heimat von Müllers ehemaligem Verein MT Melsungen ist eben nicht so reizvoll wie ein Abstecher in die Hauptstadt.

Einen Vorteil hat der große Andrang jedenfalls. „So haben wir ein wenig die Stadt erkundet, dafür war sonst noch nicht so viel Zeit“, sagt Müller, der mit seiner Frau und seinem knapp acht Monate alten Sohn in der Nähe der Trainingshalle in Hohenschönhausen wohnt. „Wir haben uns hier aber schon sehr gut eingelebt.“

Schmeling-Halle ist für Müller die schönste in Deutschland

Müller fühlt sich wohl. In Berlin. In der Mannschaft. Und in der Rolle, die er im Team von Trainer Velimir Petkovic übernehmen soll. Nach der Niederlage in Leipzig (23:24) zum Saisonstart, bei der Müller nach vielen Jahren im gleichen Verein zum ersten Mal wieder gegen seinen Zwillingsbruder Philipp antreten musste, fehlt also nur noch ein gelungenes Debüt in der heimischen Max-Schmeling-Halle. „Ich freu mich riesig drauf“, sagt Müller, der an diesem Sonntag gegen den HC Erlangen (16 Uhr, Sky) zum ersten Mal in der für ihn „schönsten Handball-Halle Deutschlands“ auflaufen darf.

Dass viele Fans die Vorfreude auf Müllers Heim-Premiere nicht teilen, interessiert den rechten Rückraumspezialisten herzlich wenig. Er ist es gewohnt, mit Gegenwind umzugehen und in der Bundesliga nicht unbedingt zu den beliebtesten Spielern zu zählen. „Ich habe immer alles für den Verein gegeben, für den ich gespielt habe, und das werde ich jetzt für die Füchse auch machen“, sagt der Linkshänder, der auf dem Feld gern in verbale Scharmützel mit dem Gegner verstrickt ist. „Vielleicht war das dem einen oder anderen nicht so recht, wie ich bei meinen alten Vereinen gespielt habe, aber das ist meine Art. Und das wird sich jetzt auch nicht ändern.“

Aus Gegnern werden Zimmernachbarn

Nur eines bleibt nicht, wie es war. Zu seinen Lieblings-Kontrahenten im Kampf um die Provokations-Hoheit zählte Silvio Heinevetter. Der Nationaltorhüter ist nun aber sein Teamkollege und Zimmernachbar – und hat den Neuling gleich problemlos integriert. „Die Jungs haben mich gut aufgenommen. Es macht echt Spaß mit der Mannschaft“, sagt Müller.

Die Mannschaft. Sie ist für den 1,97 Meter großen Profi sowieso das wichtigste. Persönliche Befindlichkeiten müssen hintanstehen. „Ich freue mich auf meine Aufgabe bei den Füchsen, ich bin ein absoluter Mannschaftsspieler. Mir geht es nur um den Erfolg des Teams und nichts anderes“, sagt Müller. Das hat er im Laufe seiner Karriere gelernt, verinnerlicht und lebt es mittlerweile auf und neben dem Feld. Deshalb stört es den ehemaligen Nationalspieler auch nicht, dass er als Ersatzmann für Fabian Wiede im rechten Rückraum zu den Füchsen geholt wurde.

Die Rolle als Ersatzmann kennt der 34-Jährige gut

„Fabi ist ein sensationeller Spieler. Da brauchen wir gar nicht drüber zu reden“, sagt Müller. „Aber es schafft kein Spieler, der Welt jede Partie in der Bundesliga über 60 Minuten zu spielen. Und wenn er ein bisschen Pause und Entlastung braucht, werde ich ihn unterstützen.“ Die Rolle als hochkarätige Zweitbesetzung kennt der gebürtige Würzburger aus seiner mittlerweile mehr als zehn Jahre währenden Bundesliga-Karriere.

Als Müller 2009 vom TV Großwallstadt zu den Rhein-Neckar Löwen wechselte, hatte er auf seiner Position Islands „lebende Legende“ Olafur Stefansson vor sich. In der Nationalmannschaft musste er sich seit seinem Debüt im März 2008 erst mit Holger Glandorf, später mit der jungen Generation um Wiede, Steffen Weinhold und Kai Häfner auseinandersetzen. „Das war natürlich etwas unglücklich. Aber ich hatte da eine schöne Zeit, die ich nicht missen will“, sagt Müller, der 78 Mal für die Auswahl des Deutschen Handballbundes auflief.

Über sein Karriereende denkt der Linkshänder noch nicht nach

Schön sollen nun auch die zwei Jahre werden, die er bei den Berlinern unter Vertrag steht. Vielleicht sind sie das letzte Kapitel seiner Karriere. Vielleicht aber auch nicht. „Natürlich nagt die Zeit an einem“, sagt Müller. „Aber ich werde in zwei Jahren schauen, wie fit ich noch bin und dann entscheiden, wie es weitergeht.“

Die Entscheidung darüber, wie erst einmal die kommenden Wochen auf dem Feld aussehen, trifft jedenfalls ein anderer. Trainer Petkovic versetzte seinen neuen Mann gegen Leipzig zwischendurch in den Mittelblock und ließ ihn in der Abwehr rackern. Den Vorschlag, bald auch noch auf Rechtsaußen auszuhelfen, wo Kapitän Hans Lindberg gerade die Solo-Besetzung ist, quittiert Müller mit einem Lachen. „Ich spiele da, wo der Trainer mich hinstellt, wo ich gebraucht werde“, sagt er. Eine Einstellung, mit der Müller auch im Kreise der Mannschaft sicherlich recht beliebt ist.