Handball

Hans Lindberg: Noch immer unverzichtbar

Kapitän Hans Lindberg startet am Sonntag mit den Füchsen in seine 13. Saison und muss Verantwortung tragen wie zu besten Zeiten.

Kapitän Hans Lindberg ist auf seiner Position gerade die einzige Besetzung.

Kapitän Hans Lindberg ist auf seiner Position gerade die einzige Besetzung.

Foto: Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Berlin. Zehn Jahre, das war der Plan. Mittlerweile sind es schon 13. Aber Hans Lindberg fühlt sich „immer noch fit genug“, um in der Handball-Bundesliga zu bestehen. Wenn die Füchse Berlin am Sonntag (13.30 Uhr, Sky) beim SC DHfK Leipzig in die neue Saison starten, führt der Däne den Hauptstadtklub als Kapitän aufs Feld.

Bis zur Winterpause wird er das noch sehr häufig tun. Nicht nur, weil der 38-Jährige Spielführer der Berliner ist. Lindberg ist gerade der einzige Rechtsaußen im Kader von Trainer Velimir Petkovic. Seitdas Hinrunden-Aus von Mattias Zachrisson vor einigen Tagen böse Erinnerungen an die Misere der vergangenen Saison geweckt hat. „Solche Verletzungentun natürlich weh. Davor haben wir noch gesagt, wie gut es ist, jetzt mal ohne Ausfälleloszulegen, mit breitem Kader. Und dann sowas“, sagt Lindberg. „Das ist ein Riesenschlag für Zacke.“

Im Pokal wartet mit Magdeburg eine Mammutaufgabe

Der schwedische Linkshänder wurde bereits in der vergangenen Woche an seiner Wurfschulter operiert und steigt sobald wie möglich in die Reha ein. „Ich hoffe, dass er uns dann zum Rückrundenstart im Februar wieder zur Verfügung stehenwird“, sagt Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

Bis dahin mussLindberg mindestens 23 Partien in der Bundesliga, im DHB-Pokal-Achtelfinale gegen den SC Magdeburg (1./2. Oktober) und in der Qualifikation zur Gruppenphase im EHF-Cup bestreiten. „Sieht so aus, als müsste ich mal richtig viel spielen“, sagt der dänische Weltmeister mit einem Grinsen. „Ich fühle mich momentan in einer guten Form und, wenn ich mich verletzungsfrei halten kann, fühle ich mich gut vorbereitet auf das, was kommt.“

Dreikampf im Tor ist eine Herausforderung für Trainer Petkovic

Die Ausfälle von Zachrisson und Rückraum-Spieler Jacob Holm (sechs Wochen Pause nach Meniskusschaden), die Angst voreinem ähnlichen Verletzungspech wie in der vergangenen Saison, als vorübergehend zehn Spieler verletzt passen mussten, sie haben die gute Laune bei den Füchsen nicht verfliegen lassen. „Wir müssen jetzt schauen, wie wir uns als Mannschaft entwickeln“, sagt Lindberg.

Dabei sieht auch er selbst sich in der Pflicht. Als Kapitän. Die Integration der neuen Spieler sei schon seine Aufgabe, aber das funktioniere gerade auch ganz gut. Die Stimmung vor dem Saisonstart ist gelöst, trotz des ungewohnten Dreikampfes im Tor. „Dass wir jetzt drei Torhüter dieser Qualität haben, ist aber vor allem eine Herausforderung für Petko. Wir werden schauen, wie es läuft“, sagt Lindberg.

Ein Ersatzmann auf Rechtsaußen könnte noch kommen

Die ungewohnte Konstellation mit einem Keeper-Trio macht den Trainer jedoch ebenso wenig nervös wie die Verletzungen zweier Leistungsträger. „Ich will trotzdem nicht über den sechsten, siebten, achten Platz reden. Ich will mit dieser Mannschaft jeden schlagen“, sagt Trainer Petkovic. „Ob das möglich ist, werden wir sehen.“

Offen ist auch, ob die Füchse noch einen Ersatzmann für Lindberg auf Rechtsaußen holen. Einen Spieler aus der A-Jugend will Manager Hanning nicht hochziehen. „Bob und ich sind ständig in Kontakt und tauschen Namen und Informationen aus. Jeden Tag kommen 20 Anrufe von Spielervermittlern“, sagt Trainer Petkovic. „Aber du kannst jetzt nicht irgendjemanden nehmen.“

Die Saisonvorbereitung ist vorbei, die Mannschaft hat sich zum großen Teil gefunden. Ein neuer Spieler könnte Unruhe in das noch etwas instabile Konstrukt bringen. Die Leistungen in den Testspielen waren bisher wenig überzeugend, auch das Achtelfinale im DHB-Pokal wurde nur mit großer Mühe und am Ende einer gehörigen Portion Glück erreicht. „Ich hoffe nicht, dass das unser bestes Niveau war“, sagt Lindberg.

Europameister 2008 und 2012, Weltmeister 2019

Besser wäre das, wollen die Berliner ihre Saisonziele erreichen. Die Finalturniere im EHF- und DHB-Pokal sollen es sein,und in der Liga darf es auch ein paar Plätze weiter nach oben gehen als in der vergangenen Saison (Platz sechs). Ambitionen, die weit entfernt sind von den Erfolgen, die Lindberg in seiner langen Karriere schon erreicht hat. Ein kleiner Auszug: 2011 wurde er mit dem HSV deutscher Meister, gewann 2013 als bester Torschütze die Champions League mit den Hanseaten, wurde 2008 und 2012 mit der dänischen Nationalmannschaft Europameister und in diesem Jahr zur Krönung noch Weltmeister.

Könnte man mit einer solchen Vita nicht auch jetzt nochmal die eine oder andere Kampfansage machen? „Ich glaube, jeder Spieler hat Lust, Meister zu werden. Aber sowas rauszubrüllen, ist immer schwierig“, sagt Lindberg in seinem gewohnt ruhigen Ton, der eben auf 13 Jahre Handball-Routine schließen lässt. „Das wird eine lange Saison. Du weißt nie, was passiert.“ Eine Saison ist genauso wenig planbar wie eine ganze Karriere. Wer wüsste das besser als Lindberg.