Handball

Handball-Titelkampf zwischen Ostsee und Neckar

Gleich drei Mannschaften zählen in der am Donnerstag beginnenden Bundesliga-Saison zum Kreis der Meisterschaftsfavoriten.

Neben Titelverteidiger und Supercup-Gewinner Flensburg (hier mit Simon Hald Jensen, M.) wollen auch die Rhein-Neckar Löwen (mit Steffen Fäth, o.) um den Titel kämpfen.

Neben Titelverteidiger und Supercup-Gewinner Flensburg (hier mit Simon Hald Jensen, M.) wollen auch die Rhein-Neckar Löwen (mit Steffen Fäth, o.) um den Titel kämpfen.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin. Im Prinzip sind sie sich alle einig. Der THW Kiel wird deutscher Meister. Oder die SG Flensburg-Handewitt. Oder aber die Rhein-Neckar Löwen. Nein, auf einen Titelkandidaten konnten sich die Trainer der Handball-Bundesliga nicht einigen. Aber darauf, dass die am Donnerstag beginnende 54. Saison auf jeden Fall spannend wird.

„Die Spitze ist noch ausgeglichener, und die Kronprinzen sind stärker geworden“, sagt auch Frank Bohmann, Geschäftsführer der HBL. „Ich glaube, wir haben viel mehr potenzielle deutsche Meister als jemals zuvor.“ Ein Dreikampf zwischen Rekordmeister Kiel, Titelverteidiger Flensburg und den Löwen aus Mannheim könnte es werden. Und dahinter lauern mit dem SC Magdeburg, der MT Melsungen und den Füchsen Berlin drei weitere Klubs, die mit großen Ambitionen in die neue Spielzeit starten.

Meister Flensburg muss hochkarätige Abgänge verkraften

Wie weit der Wunsch nach Dramatik im Titelkampf und die Liga-Wirklichkeit am 14. Mai 2020 auseinanderliegen – dann nämlich schon endet wegen der Olympischen Spiele (24. Juli bis 9. August in Tokio) die Saison – bleibt abzuwarten. Ein paar unkalkulierbare Risikofaktoren versprechen allerdings Spannungspotenzial. Während sich in Kiel im Jahr eins nach Trainer-Legende Alfred Gislason nun Filip Jicha als Chefcoach beweisen will, muss Meister Flensburg die Abgänge von Weltmeister Rasmus Lauge (Kielce) und Abwehrchef Tobias Karlsson (Karriereende) verkraften. Und auch bei den hochgehandelten Löwen steht mit Kristjan Andresson ein neuer Trainer an der Seitenlinie.

Vor allem der frühere Welthandballer Jicha, der den THW als Spieler zu sieben Meisterschaften führte, wagt sich mit einer gesunden Portion Vorsicht an seine neue Aufgabe heran. „Ich sehe in der Mannschaft einen großen Hunger nach Erfolg“, sagt der 37-Jährige über sein eigenes Team, das nach vier meisterlosen Jahren endlich wieder ganz oben stehen will. „Aber Flensburg hat zweimal in Folge die Meisterschaft gewonnen. Es wäre falsch, auf eine andere Mannschaft zu tippen.“

Mannheims Schmid mit Kampfansage

Andere gehen da schon forscher zur Sache. Andy Schmid zum Beispiel. „Ich will Meister werden, meine Kollegen wollen Meister werden, der ganze Verein will Meister werden“, sagte der Löwen-Spielmacher dem „Mannheimer Morgen“. Nach der Rückkehr von Nationalmannschafts-Kapitän und Weltklasse-Linksaußen Uwe Gensheimer soll am Neckar nach Möglichkeit auch noch der Pokalsieg her. In Flensburg wollen sie da aber auch noch ein Wörtchen mitreden. „Wir wissen jetzt, wie man Meister wird, wir haben es zweimal erlebt“, sagt Trainer Maik Machulla, für den schon die Titelverteidigung in der vergangenen Saison eine kleine Überraschung war.

Flensburg gewinnt den Supercup gegen Kiel

Einen ersten Hinweis auf die deutsche Handball-Hoheit gab es im Supercup am Mittwochabend in Düsseldorf. Dort setzte sich im 100. Nordderby der Meister SG Flensburg-Handewitt gegen den Pokalsieger THW Kiel mit 4:3 im Siebenmeterwerfen durch. Nach regulärer Spielzeit hatte es 28:28 (14:13) gestanden. Vor 9713 Zuschauern im ISS Dome war Johannes Golla mit 8 Treffern bester Schütze der Flensburger. Auf der Gegenseite trafen Niclas Ekberg, Domagoj Duvnjak und Magnus Jacobsen (je 5) am häufigsten. Die Revanche lässt auch nicht lange auf sich warten. Schon am 5. Spieltag Mitte September kommt es zum Liga-Duell der beiden Schwergewichte von der Ostsee.