Handball

Füchse-Coach Petkovic: „Ich denke noch nicht an meine Rente“

Füchse-Trainer Velimir Petkovic spricht vor dem Auftakt gegen Leipzig über seinen auslaufenden Vertrag und Ziele für die neue Saison.

Trainer Velimir Petkovic ist seit Dezember 2016 bei den Füchsen Berlin.

Trainer Velimir Petkovic ist seit Dezember 2016 bei den Füchsen Berlin.

Foto: Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Berlin. Velimir Petkovic wippt nervös mit seinem Fuß. Die neue Saison, in die die Füchse Berlin und ihr Trainer am Sonntag mit der Partie beim SC DHfK Leipzig (13.30 Uhr, Sky) starten, kann für den 63-Jährigen gar nicht schnell genug beginnen. Es gibt einiges wieder gutzumachen nach der durchwachsenen Spielzeit, die hinter dem Bundesligisten liegt. Im Interview spricht der Coach über Kritik an seiner Person, seinen auslaufenden Vertrag und sein vielleicht letztes Jahr bei den Füchsen.

Herr Petkovic, wie würden Sie sich am Ende dieser Saison am liebsten bei den Füchsen verabschieden?

Velimir Petkovic: Ich will die Champions-League-Qualifikation schaffen und in Berlin bleiben.

Das sind doch ambitionierte Ziele.

Nein, Spaß beiseite. Ich will das Beste aus dieser Situation machen, die wir hier jetzt haben. Vor einigen Tagen haben wir noch gesagt, dass wir endlich mal keine Verletzungsprobleme haben und dann kommt die Hiobsbotschaft, dass sich gleich zwei Spieler an einem Tag abmelden. Nicht irgendwelche Spieler, wichtige Spieler. Aber seit ich hier bin, kämpfe ich immer mit Verletzungen. Das ist mein Schicksal bei den Füchsen.

Das könnte am Saisonende vorbei sein. Ihr Vertrag läuft aus. Wie geht’s danach weiter?

Das weiß niemand. Ich habe vergangene Saison und auch diese Saison einige Angebote gehabt, aber das interessiert mich nicht. Ich habe mich auf die Aufgabe hier konzentriert, weil ich weiß, dass es eine schwierige Aufgabe ist. Vergangene Saison war katastrophal schwer, hat mich viele Nerven gekostet. Und wahrscheinlich wird auch diese Saison nicht leicht. Aber solange ich noch Energie und Spaß habe, werde ich auch noch arbeiten. Ich denke noch nicht an meine Rente. Es macht mir immer noch Spaß, in der Halle zu sein, die Jungs zu trainieren, Spiele zu coachen. Es ist mein Wunsch, das auch in der Saison 2020/21 zu machen.

Sie könnten sich also vorstellen, bei den Füchsen zu bleiben?

Das kann ich mir vorstellen. Aber ich kann mir auch vorstellen, bei einem anderen Verein zu arbeiten.

Vor einigen Tagen haben Sie gesagt, dass Sie Kiel und Flensburg angreifen wollen. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass diese Saison besser wird als die vergangene?

Wir haben viel gelernt aus der vergangenen Saison. Wir hatten auch gute Spiele, waren bei zwei Final Fours. Danach wurde immer nur über Niederlagen gesprochen, aber bis in ein Finale musst du erstmal kommen – wir haben die Rhein-Neckar Löwen, Magdeburg, St. Raphael besiegt. Aber wir haben auch viele schlechte Spiele geliefert. Daraus müssen wir alle lernen, nicht nur der Trainer. Wenn etwas nicht funktioniert, kann man das nicht nur auf eine Person schieben. Da erwarte ich jetzt von meinen Jungs, von den Erfahrenen, dass sie zeigen, dass sie etwas gelernt haben.

Erhöhen Sie mit einer solchen Kampfansage an die Ligaspitze nicht aber vor allem den Druck auf sich selbst?

Ich übe immer Druck auf mich selbst aus. Wenn ich Druck habe, gebe ich den auch an die Mannschaft weiter. Das kann uns nur besser machen.

In der vergangenen Saison kam auch Kritik am Trainer auf, Sie würden die Mannschaft nicht mehr erreichen. Haben Sie sich damit auseinandergesetzt?

Ich bin jetzt seit 30 Jahren Trainer und jede Saison kam irgendwann diese Aussage: Der Trainer erreicht die Mannschaft nicht. Was bedeutet das? Das muss mir erstmal jemand erklären. Ich bin jeden Tag mit den Jungs in der Halle, ich weiß, wie jeder tickt, wie wir kommunizieren. Deshalb beschäftige ich mich damit gar nicht.

Im vergangenen Jahr sind die Füchse mit einer Auftaktniederlage in Göppingen gestartet. Warum läuft das in dieser Saison gegen Leipzig anders?

Ich will, dass wir gewinnen und bin einhundert Prozent sicher, dass wir motiviert in dieses Spiel gehen. Dass jeder sein Maximum geben will. Wenn wir dieses Spiel gewinnen, wird das ein ganz anderer Start als letzte Saison.

Sie haben drei, mit Rückkehrer Simon Ernst vier, neue Spieler im Kader. Welche Qualität bringen die mit?

Das werden wir am Sonntag sehen.

Die Bundesliga schaut gespannt auf den Dreikampf im Tor, der bei den Füchsen herrscht. Wird es für Sie eine zusätzliche Herausforderung, die Konkurrenz unter den dreien zu moderieren?

Natürlich. Wenn einer auf der Tribüne sitzt und zwei im Kader stehen, ist meine einzige Chance, dass diese zwei gut halten. Wenn von den beiden einer eine schlechte Leistung bringt, kommt direkt wieder: Der Trainer erreicht die Mannschaft nicht oder hat die falsche Entscheidung getroffen. Jeder Trainer hat nur diese Chance in seinem Job: Dass die Leistung der Spieler seiner Entscheidung recht gibt.

Nur der dritte Torwart könnte von einer schlechten Leistung der anderen profitieren und sich im Training richtig reinhängen, um einen Platz im Kader zu bekommen.

Ich glaube nicht, dass es einen Trainer auf der Welt gibt, der Woche für Woche rotieren würde. Der Torwart ist eine spezifische Position, braucht Sicherheit, Selbstvertrauen, braucht die Absicherung, dass er auch in einem Spiel schlecht halten kann, ohne direkt ausgetauscht zu werden. Deshalb lege ich mich am Anfang auf ein Duo fest, das erstmal im Tor steht.

Die Füchse bewerben sich in dieser Saison um das Final Four im EHF-Pokal. Ist das für die Mannschaft ein zusätzlicher Ansporn, unbedingt dabei sein zu wollen?

Ich will das Final Four erreichen. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir in Berlin spielen oder nicht. Wir haben 2018 auch in Magdeburg gewonnen. Aber es freut mich natürlich, dass die Chance besteht, hier einen Titel holen zu können.

Und was sind die restlichen Saisonziele?

Das ist schwer zu sagen. Den sechsten Platz wie letzte Saison will niemand nochmal. Jeder will versuchen, das Final Four zu erreichen, zu Hause um den EHF-Pokal zu spielen. Wir sind im DHB-Pokal weiter. Jetzt musst du noch zweimal Glück haben, dann kannst du auch da das Final Four in Hamburg erreichen und dort etwas bewegen. In der Liga will ich zwei, drei Plätze nach vorne klettern. Das muss unsere Pflicht sein, unser großes Ziel. Die Bundesliga ist für jeden Verein und für die Fans das wichtigste.