Füchse

Dejan Milosavljev ist die neue Berliner Mauer

Torhüter Dejan Milosavljev ist bei den Füchsen angekommen und will mit Berlins Handballern in den nächsten vier Jahren Meister werden.

Dejan Milosavljev war in der vergangenen Saison der beste Keeper der Champions League.

Dejan Milosavljev war in der vergangenen Saison der beste Keeper der Champions League.

Foto: Martin Meissner / picture alliance/AP Photo

Berlin. Autofahren ist für Dejan Milosavljev gerade ein Abenteuer. Berlin sei schnell, sehr schnell, sagt der neue Torhüter der Füchse Berlin. Eine wunderliche Aussage für einen, der sich sonst Bälle mit einer Geschwindigkeit von bis zu 100 km/h um die Ohren werfen lässt. Aber die Hauptstadt und ihre Eigenheiten sind eben neu für den 23-Jährigen.

Erst am Montag kam der Serbe zusammen mit seiner Frau Marina und einem voll beladenen Auto in Berlin an. Bereit, ein neues Kapitel beim Handball-Bundesligisten zu beginnen. Viel hat er von seiner neuen Heimatstadt noch nicht gesehen. Den Weg von seiner Wohnung in Mitte zur Trainingshalle im Sportforum Hohenschönhausen. Das war’s dann auch schon.

Seine Frau Marina hat ihm da schon einiges voraus. Während ihr Gatte sein neues Umfeld bei den Füchsen beschnuppert, nutzt sie die Zeit, um Berlin zu erkunden. „Jetzt ist sie auch gerade wieder unterwegs“, erzählt Milosavljev. „Das haben wir letztes Jahr auch so gemacht.“ Als der Torhüter bei Vardar Skopje zwischen den Pfosten stand.

Berlin kennt der Torhüter schon von der WM

Ganz fremd ist dem serbischen Nationaltorhüter die Hauptstadt aber sowieso nicht. Im Januar spielte er mit der Nationalmannschaft während der WM-Vorrunde in der Mercedes-Benz Arena. Mit von der Partie auch Füchse-Kreisläufer Mijajlo Marsenic. Jetzt sein erster Ansprechpartner im Verein. „Marsa hat mich abgeholt, wir sind zusammen zum ersten Training gefahren“, sagt Milosavljev.

Er guckt zwar noch etwas scheu in die Trainingshalle und begrüßt schüchtern die Teamkollegen um Paul Drux und Fabian Wiede. Eines aber sieht man dem Neuling im Fuchsbau an: Mit der Entscheidung, nach Berlin zu wechseln, fühlt er sich wohl. „Das ist ein großer Schritt, für mein Leben, für meine Karriere. Ich wollte unbedingt in der Bundesliga spielen“, erzählt er stolz.

Im Juni gewann Milosavljev die Champions League

Den Schritt hat er sich schließlich auch gut überlegt. Sprach mit Marsenic, schaute sich Videos von Heimspielen in der Max-Schmeling-Halle an. „Bei Vardar hatten wir schwierige Verhältnisse. Wir haben sieben, acht Monate kein Gehalt bekommen. Da war klar, dass ich gehe. Und von Berlin war ich echt beeindruckt. Die leben hier Handball. Das haben nur wenige Vereine“, sagt er. Was ihn im Endeffekt aber überzeugte war die familiäre Atmosphäre bei den Füchsen. „Dieser Klub hat ein Herz. Ein großes Herz“, sagt der 1,96-Meter-Hüne, der mit seinen 135 Kilogramm eine recht imposante Erscheinung abgibt. „Berlin entwickelt sich seit Jahren nach oben. Das ist auch der Weg, den ich gehen will. Also werden wir in den nächsten vier Jahren zusammen nach oben gehen“, sagt er.

Die neue Berliner Mauer, die sich die Füchse da gesichert haben, ist selbstbewusst. Ohne überheblich zu wirken. Milosavljev ist ein Keeper, der vollstes Zutrauen in sein eigenes Können hat und in der vergangenen Spielzeit bewiesen hat, dass er Weltklasse-Format hat. Mit Vardar Skopje gewann Milosavljev Anfang Juni die Champions League. Und wurde zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Und trotzdem bekommt von ihm eher Aussagen wie diese: „Ich hab hier so viele Möglichkeiten, hier setzt man auf junge Spieler, hier hab ich eine Chance, mich zu entwickeln.“ Statt rüder Kampfansagen.

Den Dreikampf im Tor nimmt er gelassen

Dabei hätte er allen Grund, seine Ambitionen von Beginn an deutlich zu machen. Im Tor der Berliner herrscht ein harter Konkurrenzkampf zwischen ihm, Nationaltorhüter Silvio Heinevetter (34) und Routinier Martin Ziemer (36). Als er in Berlin einen Vierjahresvertrag unterschrieb, wusste Milosavljev, dass er sich mit zwei anderen Torhütern messen werden muss. „Das ein Grund, hart zu trainieren und mein Bestes zu geben“, sagt der Jüngste im Bunde. „Für mich als Sportler ist es immer wichtig, zu gewinnen. Egal, wer spielt. Wenn ich 20 Paraden mache und wir verlieren, hab ich nichts davon, dass ich gut gehalten hab.“ Angst davor, am Ende auf der Tribüne zu landen, hat er nicht. Und das obwohl mit Heinevetter „eine Legende, hier im Klub und in der Bundesliga“ den Platz im Tor für sich beansprucht. „Heinevetter und Ziemer haben eine Menge Erfahrung. Für mich ist das gut. Ich kann nur von Ihnen lernen“, sagt Milosavljev. Er will Taten für sich sprechen lassen, wenn es losgeht.

Wann das ist, weiß er aber gar nicht genau. Der Vorbereitungsplan ist auf Deutsch verfasst. Und die Sprache muss er natürlich erst noch lernen. Er verstehe schon jetzt ein bisschen, wenn seine Teamkollegen langsam sprechen. Und auch, wenn Trainer Velimir Petkovic etwas erklärt. Aber es soll noch besser werden. „Das ist für mich und mein Leben. Ich werde hier vier Jahre spielen, da ist es wichtig, deutsch zu sprechen“, sagt er.

Am Freitag steht das erste Testspiel in der Vorbereitung an

An diesem Freitag wird er sieben Stunden Zeit haben, schon ein wenig zu lernen. Und mit seinen Teamkollegen ins Gespräch zu kommen. Mit dem Bus geht es für die Füchse zum ersten Testspiel der Vorbereitung zum TV Borken. Eine erste Station auf dem Weg in die neue Saison. Für die auch Milosavljev Ziele hat. „Ich will mit den Füchsen im nächsten Jahr Champions League spielen“, sagt er. Um das abzusichern, müssten die Füchse in der Bundesliga auf einem der ersten beiden Plätze landen. „Auch der Titel in der Bundesliga wäre in den vier Jahren ein kleiner Traum“, gibt sich Milosavljev ambitioniert. Nach dem Champions-League-Sieg weiß er aber auch, dass in Berlin jetzt ein Neustart auf ihn wartet. Der ganz große Glanz ist verblasst. Neue Ziele liegen vor ihm. Jetzt muss er erstmal für die Champions League kämpfen. Auch das könnte zum Abenteuer werden.