Handball

Eine Füchse-Saison am Leistungsminimum

Warum die Berliner nach einer schwierigen Saison mit unerwarteten Rückschlägen ein durchwachsenes Fazit ziehen.

Spielmacher Fabian Wiede soll in der nächsten Saison mit neuer Konkurrenz zu alter Stärke zurückfinden.

Spielmacher Fabian Wiede soll in der nächsten Saison mit neuer Konkurrenz zu alter Stärke zurückfinden.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin. Sie könnte sofort losgehen, die neue Saison der Handball-Bundesliga. Bei den Füchsen Berlin ist zumindest alles vorbereitet. Der Kader steht, die Personalsuche ist abgeschlossen, und irgendwie würden sie auch direkt gern zeigen, dass sie es besser können. Besser, als die Berliner es in dieser Spielzeit gemacht hatten. In der sie nach einer Achterbahnfahrt am Ende durchgeschüttelt auf Rang sechs landeten.

„In 16 Jahren hatten wir nie eine so schwierige Saison wie diese“, resümiert Geschäftsführer Bob Hanning. „Wir haben es nicht geschafft, das abzurufen, was wir abrufen können.“ Sinnbildlich dafür war die 25:27 (14:11)-Niederlage gegen Wetzlar, mit der die Füchse am Sonntag die Saison beendeten.

Spieler verfolgen die anderen Partien auf ihren Handys

Nur dank der Schützenhilfe des neuen Meisters Flensburg, der den Bergischen HC 27:24 besiegte, durften sich die Berliner über den sechsten Platz und damit die Qualifikation zum EHF-Pokal freuen. Den Endspurt der Partie hatten sie in der Schmeling-Halle auf ihren Handys verfolgt. Genau wie den Abstiegskampf, der sich noch zum echten Nervenkrimi entwickelt hatte. Weil sich Bietigheim und Gummersbach im direkten Abstiegsduell 25:25 trennten, konnten die Eulen Ludwigshafen mit einem Sieg (31:30) gegen Minden in allerletzter Sekunde den Klassenerhalt sichern. Für Gummersbach und Bietigheim bedeutete das den Abstieg.

Doppelt so viele Verlustpunkte wie in den beiden vergangenen Saisons

Die Füchse hingegen haben immerhin ihr Minimalziel erreicht, wie sich alle bemühten zu betonen. Das Leistungsminimum. Sie spielen in der kommenden Saison international. Zufrieden können sie damit aber nicht sein, schließlich wollte man im EHF-Cup die Titelverteidigung. Und dann sollte es doch auch Platz fünf und nicht Rang sechs in der Liga werden. „Wir haben doppelt so viele Verlustpunkte wie in den letzten zwei Jahren zusammen. Das ist nicht unser Anspruch“, sagt Hanning.

Verletzungssorgen und unnötige Niederlagen wie gegen Stuttgart (25:30) oder in Lemgo (30:34) waren der Grund. Dass es trotzdem für die Teilnahme an den Finalturnieren im DHB- und im EHF-Pokal gereicht hat, war kämpferischen Leistungsanstiegen zu verdanken, die auf Besserung hoffen ließen. In den entscheidenden Partien, in denen es um die Titel ging, waren die Berliner dann aber oft chancenlos.

Der Wettstreit unter den Torhütern soll Kernproblem lösen

Und irgendwie umweht eine ambitionierte Mannschaft aus der Hauptstadt auch immer noch der Glanz der Champions League. Der höchste europäische Wettbewerb, den die Füchse 2011 und 2012 gespielt hatten. Der für die Berliner aber gerade ein gutes Stück außer Reichweite geraten ist. Damit das nicht so bleibt, haben sie vorgesorgt. „Wir haben schon an verschiedenen Säulen gearbeitet. Unser Torhüter-Duo hat nicht funktioniert, das war in dieser Saison das Kernproblem.

Da bekommen wir durch Dejan Milosavljev und Martin Ziemer Zuwachs“, sagt Hanning. Auf einen härteren Wettstreit zwischen den Neuen und Nationalkeeper Silvio Heinevetter hofft auch Trainer Velimir Petkovic. „Dann wird Heine besser, weil die Konkurrenz ihn sicher nicht so locker in die Spiele gehen lassen wird. Ich erwarte von ihm noch mehr nächste Saison“, sagt der Coach.

Trainer setzt auf die Rückkehr von Simon Ernst

Zudem soll Michael Müller den rechten Rückraum entlasten. Und Fabian Wiede. „Konkurrenz ist das beste Mittel für einen Spieler, um ihn weiter zu entwickeln“, weiß Petkovic. Nationalspieler Wiede hatte nach einer überragenden Vorstellung bei der WM im Januar eine schwache Rückrunde gespielt und sich zudem an der Schulter verletzt.

Auf seine Rückkehr in alter Stärke setzen die Füchse für die neue Saison genauso wie auf Youngster Frederik Simak (21) und Simon Ernst, der nach eineinhalb Jahren Verletzungspause (Kreuzbandriss) endlich sein Debüt bei den Füchsen feiern soll. „Wir haben viel, viel Potenzial, um es viel, viel besser zu machen“, sagt Hanning.

Auf einer Position wird es jedenfalls keinen Konkurrenzkampf geben. Trainer Petkovic soll das Team auch im nächsten Jahr betreuen. „Er wird die Möglichkeit bekommen, mit dem Material zu arbeiten. Wir wollen das mit vereinten Kräften gemeinsam lösen“, sagt Hanning. Um genau diese Kräfte zu sammeln, ist es wohl doch ganz gut, dass den Füchsen vier freie Wochen bleiben, bevor die Vorbereitung auf die neue Saison startet.